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Westwall Thriller von Gollhardt, Benedikt (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.03.2019
  • Verlag: Penguin Verlag
eBook (ePUB)
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Westwall

Manche Spuren führen tiefer in die Vergangenheit, als uns lieb ist ... Scheinbar zufällig lernt Polizeischülerin Julia den attraktiven Nick kennen. Doch nach der ersten gemeinsamen Nacht entdeckt sie, dass er ihr einen falschen Namen genannt hat und ein riesiges Hakenkreuz-Tattoo auf dem Rücken trägt. Julia ist geschockt - warum hat Nick sie angelogen? Mit einem Mal gerät ihr Leben in einen alptraumhaften Strudel, der droht, ihr alles zu nehmen, was ihr lieb ist. Die Suche nach der Wahrheit führt Julia in die menschenleeren Wälder der Eifel bis hin zum Westwall, einem alten Verteidigungssystem aus dem Zweiten Weltkrieg. Und damit zurück in ihre eigene Vergangenheit ... Mit seinem Debüt "Westwall" beweist Benedikt Gollhardt auf überzeugende und mitreißende Weise, dass ein Thriller erschreckend aktuell und gleichzeitig hochspannend sein kann. Benedikt Gollhardt, Jahrgang 1966, ist Drehbuchautor. Bekannt wurde er unter anderem durch preisgekrönte Serien wie "Türkisch für Anfänger" und "Danni Lowinski". Mit seinem Thrillerdebüt "Westwall" greift Benedikt Gollhardt das aktuelle Gefühl unserer Zeit auf, in der die Grenzen zwischen Gut und Böse zunehmend zu verschwimmen scheinen. Der Autor lebt mit seiner Familie in Köln.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 496
    Erscheinungsdatum: 25.03.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641238032
    Verlag: Penguin Verlag
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Westwall

1

Einige Wochen zuvor

Julia zog die Krawatte über ihren Kopf und fluchte. Sie hatte sie seit dem ersten Tragen nicht mehr aufgebunden, jetzt war das lose Ende durch den Knoten gerutscht. Ohne Schlips brauchte sie gar nicht erst zum Morgenappell hinunterzugehen, dachte sie, Ausbilder Roosen würde ihr den Kopf abreißen. Die anderen waren längst aus der Umkleide verschwunden, nur Julia stand immer noch in Unterwäsche und Bluse vor der Bank, neben ihr die riesige Sporttasche und ein Rollkoffer, aus denen haufenweise Klamotten quollen. Im Hintergrund rauschte eine Toilettenspülung, wenige Momente später kam Daria herein. Sie war Anfang dreißig, etwas füllig und trug einen dicken Zopf, der genauso tiefschwarz war wie ihre breiten, geschwungenen Augenbrauen. Sie war schon angezogen, schnallte den Gürtel ihrer Hose zu und musterte Julia skeptisch: "Das wird eng, Frollein."

"Ich brauch dich!", rief Julia.

Daria nahm die Krawatte und legte sie um Julias Hals. "In drei Minuten kommt der Alte!"

"Sag einfach nichts", entgegnete Julia und durchwühlte hektisch die Sporttasche und den Koffer mit dem blauen Parka, der kurzen Jacke, zwei Cargo- und zwei einfachen Hosen, zwei Pullovern, zwei Unterziehrollis, zwei Krawatten, einem Trainingsanzug, Handschuhen, Schnürstiefeln, Halbschuhen, Sportschuhen, einem Gürtel, einer Mütze, Schulterklappen und der kugelsicheren Weste. Auf dem Rücken der blauen Jacke prangte groß ein reflektierender Aufdruck: POLIZEI.

"Hast du das Zeug gebügelt?", fragte Daria und schlang die Krawatte routiniert zu einem Knoten.

"Hab's versucht", antwortete Julia, knöpfte mit fahrigen Fingern die Bluse zu und stieg anschließend in ihre weite Cargo-Hose. "Sieht man, dass ich sie abgenäht hab?"

"An dir sieht alles abgenäht aus. Du musst mehr essen!", erwiderte Daria grinsend, ging zur Tür und schaute auf die Uhr. "Noch zwei Minuten!"

Julia schnürte die halbhohen Lederschuhe zu. Sie konnte hören, wie die letzten Polizeischüler die Treppen hinuntergingen, bereit für den Morgenappell, frisch geduscht, munter vom ersten Kaffee in der Mensa, scherzend und flirtend. Hastig zog sie die Uniformjacke an und knallte den Spind zu. Eine Minute vor sieben. Ein schneller Blick in den großen Spiegel neben der Tür. Sie leckte über ihre Handfläche und wischte fest über die kurzen braunen Locken - vergeblich, die drahtigen Haare wollten nicht am Kopf festkleben. Als sie mit der Frisur halbwegs zufrieden war, gab sie sich zwei kleine Ohrfeigen und zwickte sich fest in die müden Wangen. Da stand sie, Julia, die zukünftige Polizistin, Hüterin von Recht und Ordnung. Wirklich? Er war immer noch da, der leise Zweifel, als wäre alles nur ein Theaterstück, für das sie nachbesetzt worden war. Sogar heute, an dem Tag, dem sie so entgegengefiebert hatte.

Der Wecker hatte um halb sechs geklingelt, mehr schlafend als wach war Julia in das winzige Bad unter der tiefen Dachschräge gekrochen. Nach einer kurzen Katzenwäsche hatte sie im Stehen in einen Toast mit blassem Schnittkäse gebissen, dazu gab es löslichen Kaffee, ein Genuss im Vergleich zu dem selbstgerösteten Gebräu aus Eicheln und Zichorien, das ihr Vater ihr jeden Morgen vorgesetzt hatte. Um Viertel nach sechs hatte Julia in der Linie 16 gesessen, die sie zusammen mit den ersten verschlafenen Berufspendlern zum Hauptbahnhof brachte, wo sie erschrocken bemerkte, dass sie ihren Rucksack mit ihrem Handy und Portemonnaie zu Hause liegen lassen hatte. Egal, es steckte immer ein loser Geldschein in einer ihrer Taschen, also weiter mit der Regionalbahn 48. Ihre schlafverquollenen Augen hatten die trostlose Peripherie der Großstadt kaum wahrgenommen, die ersten Staus auf der Autobahn, den Baumarkt mit dem fußballfeldgroßen Parkplatz, das riesige Schienenareal des Containerbahnhofs, die gigantischen Lagerhallen der Speditionen, die Kiesgrube, an deren kargen Hängen noch der Müll der Wochenendschwimmer lag, und schließlich

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