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Zeit der Ernte Ein Hackberry-Holland-Roman von Burke, James Lee (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.08.2017
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Zeit der Ernte

Eine texanische Kleinstadt an der Grenze zu Mexiko. Als Hackberry Holland im Jahr 1967 aus dem Koreakrieg zurückkehrt, wird er von vielen Seiten zu einer politischen Karriere gedrängt. Doch der Anwalt setzt sich stattdessen für einen mexikanischstämmigen Landarbeiter ein, der kurz vor seiner Freilassung im Gefängnis ermordet wird. Bald kommt es zu handfesten Auseinandersetzungen mit der Polizei und gewaltbereiten Rednecks.

James Lee Burke, 1936 in Louisiana geboren, wurde bereits Ende der Sechzigerjahre von der Literaturkritik als neue Stimme aus dem Süden gefeiert. Nach drei erfolgreichen Romanen wandte er sich Mitte der Achtzigerjahre dem Kriminalroman zu, in dem er die unvergleichliche Atmosphäre von New Orleans mit packenden Storys verband. Burke wurde als einer von wenigen Autoren zweimal mit dem Edgar-Allan-Poe-Preis für den besten Kriminalroman des Jahres ausgezeichnet. 2015 erhielt er für Regengötter den Deutschen Krimi Preis. Er lebt in Missoula, Montana.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 28.08.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641188887
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: Lay Down my Sword and Shield
    Größe: 1076kBytes
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Zeit der Ernte

Kapitel 1

Vor fast neunzig Jahren, während der Sutton-Taylor-Fehde, versenkte John Wesley Hardin ein halbes Dutzend .44er Kugeln in einem Verandapfosten des Hauses, das ich heute bewohne. Damals lebte hier mein Großvater, Old Hack, der mir später auch die Geschichte von jenem Aufeinandertreffen mit dem Outlaw erzählte: Hardin war zu Ohren gekommen, dass Hack ihn ins Gefängnis werfen wollte, sollte er sich jemals wieder in DeWitt County blicken lassen, und so ritt Hardin sturzbetrunken und über Nacht den weiten Weg von San Antonio nach DeWitt zum Haus von Old Hack. Als Hardin auf dem Hof eintraf, war die Sonne gerade aufgegangen, und es regnete leicht. Sein schwarzer Anzug war von Matsch, Pferdeschweiß und Whiskeyflecken beschmutzt, am Sattelknauf hatte er mit einem Lederriemen eine Flinte festgezurrt, und in seiner Hand hielt er einen Navy-Colt, den Hahn bereits gespannt.

"Hey, Hack! Komm raus. Und wag es ja nicht, deine Lincoln-Nigger mitzubringen, sonst knall ich die gleich mit ab."

Dazu muss gesagt werden, dass mein Großvater als Sheriff und Friedensrichter von der Regierung der Reconstruction-Ära dazu verdonnert worden war, zwei schwarze Unionssoldaten als Deputy Sheriffs zu beschäftigen, und dass unter den zweiundvierzig Männern, die Hardin im Laufe seiner Karriere unter die Erde brachte, viele Schwarze waren. Diese hasste er ebenso leidenschaftlich wie Gesetzeshüter und Carpetbaggers - die Nordstaatler, die nach dem Sezessionskrieg in den Süden kamen, um sich dort zu bereichern.

Hardins Gesicht war rot vom Alkohol, seine Augen geweitet, als er auf die Veranda feuerte. Durch die Lautstärke der Schüsse verängstigt, scheute sein Pferd, bäumte sich auf und versuchte seitlich auszubrechen. Als sich das Tier in seiner Not im Kreis zu drehen begann, schlug Hardin ihm mit der Pistole auf den Schädel und schoss weiter. Feuerstöße und schwarzer Qualm stoben aus der Mündung des Revolvers, bis die Trommel leer war. Alle sechs Schüsse trafen den Pfeiler in der Mitte der Veranda und bildeten eine makellose senkrechte Linie.

Hack war an diesem Morgen schon sehr früh auf den Beinen, da eine seiner Stuten gerade ein Fohlen gebar. Als er Wes Hardin durch das Scheunenfenster auf seinem Hof erblickte, zog er die Winchester aus dem Sattelholster an der Wand und wartete, bis Hardin die Trommel seines Revolvers geleert hatte. Bekleidet mit einem Pyjamaoberteil, das er in die Hose gesteckt hatte, und die Hände bis zu den Ellbogen voller Blut und Schleim, trat er hinaus auf den Hof und lud die Winchester durch. Als Hardin hinter sich das Ladegeräusch des Unterhebelrepetierers hörte, fuhr er im Sattel herum.

"Du gottverdammter Scheißkerl", sagte Hack. "Besser, du lässt die Finger von der Flinte, oder ich verpass dir ein zweites Arschloch."

Hardin stützte die Hand mit dem Revolver auf seinem Oberschenkel ab und wendete sein Pferd.

"Schleichst dich also von hinten ran, was?", sagte er. "Los, hol deine Pistole und lass mich nachladen. Dann bezahl ich deine Nigger-Deputys auch dafür, dass sie dich verbuddeln."

"Hab ich nicht gesagt, du sollst dich von DeWitt fernhalten? Stattdessen tauchst du hier auf, schießt meine Veranda entzwei und verscheuchst mit deiner Ballerei höchstwahrscheinlich die Hälfte meiner Mexikaner", sagte Hack. "Aber ich verrat dir was: Ich werde dich in Ketten legen, dich ins Gefängnis werfen und dir in meinem Gerichtssaal wegen versuchten Angriffs auf einen Gesetzeshüter den Prozess machen. Und jetzt runter vom Gaul!"

Hardin starrte Hack an. Sein Killerblick wirkte so versteinert und entschlossen, als würde er in eine Flamme stieren. Dann zog er seine Stiefel aus den Steigbügeln, presste dem Pferd die Sporen in die Seiten und beugte sich nach vorn, hinunter zum Hals des Tieres, wo er sich an der Mähne festhielt, als das Pferd in Richtung Tor preschte. Ohne zu zögern sprang Hack nach vorn, riss die Winchester mit beiden Armen in die Höhe

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