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Zeitgruppe Null Kriminalroman von Bathen, Dirk (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.05.2016
  • Verlag: edel & electric
eBook (ePUB)
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Zeitgruppe Null

Zwei Tage im Herbst. Ein Amoklauf in einem Hamburger Einkaufszentrum verschafft Felix Breidel eine zweifelhafte Premiere. Acht Tote. So viele hatte es noch nie gegeben, in fast 25 Jahren Polizeiarbeit nicht. Der Attentäter war Mitglied im Slow-Circle, einem Verein, der sich für ein bewussteres Lebenstempo in der schnelllebigen Gesellschaft einsetzt. Während Breidel mit den Ermittlungen seine Eheprobleme verdrängt, führt ihn die Spur zu BraInfluence, einem Pharma-Unternehmen, das eine besondere Methode entwickelt hat, leistungssteigernde Medikamente zu verabreichen. Im Wirtschaftsministerium stößt die Idee des optimierten Arbeitens auf großes Interesse. Aber die politischen Pläne haben nicht nur Befürworter ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 230
    Erscheinungsdatum: 13.05.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960290087
    Verlag: edel & electric
    Größe: 753kBytes
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Zeitgruppe Null

1
Stunde null

Ein kurzer Augenblick der Unachtsamkeit, und auf einmal erscheint dieses Bild, diese Idee, die dich begreift, aber du sie nicht. Dieses Irgendwas, das deinen nächsten Schritt überwacht. Und bevor man die Escape -Taste drücken kann, installiert sich das Programm und schreibt sich in die persönliche Konfigurationsdatei. Ändert alles.

Robert Wagner starrte durch die verglaste Platte im Mauerwerk. Der hässliche Ausschnitt Betonbauästhetik auf der anderen Straßenseite war eine Beleidigung für die Augen. Wo hörte der Schmerz auf? Hier? Zwischen diesen Wänden? Der Wasserstrahl schoss aus dem Hahn und knallte ins Waschbecken, um sofort wieder im Abfluss zu verschwinden. Der Schmerz hörte immer da auf, wo er begann. Immer kehrte er zu seinem Ursprung zurück. Wenn er überhaupt je wanderte. Wagner drückte sich mit hohler Hand kaltes Wasser ins Gesicht. Weniger ein Waschen, mehr ein Klarwerden. Ein Blick in den Spiegel, nasse Strähnen klebten auf der Stirn, Tropfen liefen die Wangen hinunter. Um ihn herum war alles still und weiß. Im Spiegel starrte er in seine leeren Augen. Waren sie jemals voll gewesen? Keine Antwort. Stattdessen stellte das Spiegelbild die gleiche Frage. Er schloss die Lider und erhoffte sich eine universelle Ruhe, unbehelligt von Erinnerungsspuren und Erwartungsplänen. Sie kam nicht. Durchs Fenster verkündeten die Kirchturmglocken die nächste volle Stunde. Jeder Schlag eine Mahnung. Die Zahnbürste tötete die Bakterien der Nacht und stellte die innere Sicherheit wieder her. Zumindest im Mundraum.

Wagner atmete tief durch, strich die blonden Haare zurück auf den Kopf und ging in die Küche. Er zog die Teezange aus dem Becher und klopfte die aufgeweichten Blätterkrümel in den Müll. Das grüngelbe Wasser schwitzte. Die Uhr am Herd digitalisierte die aktuelle Zeit als symmetrisches Symbol: eins, null, Doppelpunkt, null, eins.

Der alte Holzstuhl wackelte. Wagner streckte die Füße aus, verschränkte die Arme hinter dem Kopf, drückte seinen Rücken durch. Gleichmäßig ging die Luft in den Körper hinein, dann wieder hinaus. Die Nervosität hatte sich gelegt. Der Tee wärmte die große Ruhe, die durch ihn hindurchströmte. Er pustete sanft in seinen Becher und schloss die Augen. Der Duft von frischem Heu wickelte sich um die Gedanken an die anstehende Erneuerung, an das erwartbare Wunder, das er in die Welt zu tragen beabsichtigte.

Im stumm geschalteten Fernseher schlug der Bundeskanzler immer wieder mit der Faust auf das Rednerpult und wirkte sehr engagiert. Auf seiner Stirn und am Hals traten die Adern deutlich hervor. Ein surreales Bild, so ganz ohne Ton. Hinter ihm leuchtete ein grünes Banner, auf dem in weißer Schrift eine öffentlichkeitswirksame Parole prangte: "Gesellschaftliches Wohlergehen steigern, statt nur wirtschaftliches Wachstum fördern."

Um halb elf stülpte Wagner die Kapuze seines Pullovers über den Kopf, schloss die Wohnung ab und ging drei Stockwerke nach unten. Der Hausflur roch nach Putzzeug und sozialer Vernachlässigung. Alles war wie immer. Ein dezenter Hauch von Alltag schob sich an den Wänden vorbei. Nur die Umhängetasche fühlte sich anders an als sonst.

Mit jeder Stufe verblassten die Nachrichten, die eben noch durch seinen Kopf schlichen. Jede Stufe rüttelte seine Pläne in die richtige Position, bis alles ganz fest saß. Die gute alte Zeit, es hatte sie nie gegeben. Er öffnete die klapprige Haustür, folgte dem Wind nach rechts und begann seine Wanderung zum Nullpunkt, die Tasche nach hinten geschultert. Durch den Stoff spürte er das Metall in der Nierengegend. Es gab kein Zurück mehr, keinen Zweifel und kein Morgen. Nur ein Ziel. Alle Trugbilder der Gegenwart verschmolzen zu dieser einen Vorstellung: Die Welt duldet kein Scheitern, mein Scheitern duldet keine Welt.

Wagner bog auf die Große Bergstraße und umkurvte ein Werbeschild. "Body and Soul" flüsterte das Display in harmonischer Schrift. Eine lächelnde Frau v

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