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Zwischenfälle Neue Fälle für Baltasar Matzbach von Haefs, Gisbert (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.06.2015
  • Verlag: KBV
eBook (ePUB)
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Zwischenfälle

Baltasar Matzbach, einem seiner angeblichen Freunde zufolge 'Mischung aus Falstaff und Kater Garfield, als Hobbydetektiv auf die Menschheit losgelassen', langweilt sich manchmal frenetisch. Guter Wein, teure Zigarren und alte Bücher können ihren Reiz verlieren, wenn einem das Fell juckt oder wenn ein Mann der Tat nach Tätlichkeiten schmachtet. Hin und wieder hat Matzbach dann das Glück, von Bekannten und anderen Fremden um Hilfe bei der Lösung verwickelter Probleme gebeten zu werden. Meistens drängt man ihm dafür auch noch Geld auf. Dann fährt er zum Beispiel nach Schweden, um herauszubekommen, wieso in einer ganz frühen Phase der elektronischen Revolution Kollateralschäden angefallen sind. Oder er trifft sich mit alten kriminell inspirierten Bekannten, um Eifel-Zweifel im Zusammenhang mit einem Todesfall zu erörtern. Drei dieser acht Matzbach-Geschichten sind neu, die übrigen erstmals in einem Band versammelt. Gisbert Haefs, Jahrgang 1950, lebt und schreibt in Bonn; als Übersetzer/Herausgeber verantwortlich für Borges, Kipling, Brassens, Dylan u.a., als Autor haftbar für Erzählungen, historische Romane (Hannibal, Troja, Raja, Die Rache des Kaisers, Das Labyrinth von Ragusa u.a.) und Krimis (Matzbach).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 180
    Erscheinungsdatum: 23.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783954411313
    Verlag: KBV
    Serie: KBV Krimi
    Größe: 1112 kBytes
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Zwischenfälle

Matzbach fährt nach Schweden

Historischer Krimi aus dem Jahre 1980

E s geschah kurz nach der Zahnbürstensache 2 . Anders als seine Bekannten glaubten, war dies keineswegs Baltasar Matzbachs erster, wiewohl bisher größter Fall gewesen. Einige Wochen nach dessen Abschluß wärmte den Dicken die Sonne des Erfolges nicht mehr sonderlich; er mußte daher mit dem Gestirn des feinen Herbstnachmittags vorlieb nehmen. In diesem späten September 1980 plagten ihn viele Dinge; neben der allfälligen Langeweile wegen Ausbleibens der Sensationen war eine im weitesten Sinne libidinöse Frage zu klären. Ob nämlich die nette Dame, die er im Verlauf der aventiure kennengelernt hatte, wirklich nett genug sei, ihrethalben eine Weile der Monogamie zu frönen. Da jedoch auch auf diesem Gebiet harte Arbeit die beste Anästhesie ist, saß Baltasar Matzbach in seinem Appartement und hämmerte auf der Schreibmaschine. Der Schweiß sammelte sich in seinen Geheimratsecken, floß um die Augen und bildete Bächlein, die dem wuchtigen Kinn zustrebten.

Eigentlich hatte Matzbach einen Schönheitsschlaf tun wollen und den Wecker gestellt, daß die Schönheit nicht überhandnehme. Da er aber nicht schlafen konnte, hörte er Bach und dachte nach. Hierbei fiel ihm die Antwort auf einen problematischen Brief ein. Wenn Matzbach, der Universaldilettant, nicht gerade als Hobbydetektiv marodierte, betätigte er sich als Seelentröster. Um gesundes Geld gestaltete er die Wochenkolumne 'Fragen Sie Frau Griseldis', die allen Lesern einer großen Illustrierten ein Begriff ist. Diesmal war ein heikles Problem dabei; es erinnerte ihn unangenehm an sich selbst und betraf libidinöse Großväter. Frei nach Sherlock Holmes war es ein Problem für fünf Zigarren und zwei Liter Kaffee. Deshalb hatte Baltasar den großen Emaillekessel auf eine zaudernde Herdplatte gestellt. Heftige Inspiration trieb ihn alsdann an die Schreibmaschine, wo er die Welt vergaß.

Auf dem Plattenteller rotierte das Zweite Brandenburgische Konzert; der Wasserkessel pfiff; der Elektrowecker knarzte; Matzbach hackte grunzend und knurrend auf den Tasten seiner alten mechanischen Adler herum. Durch dieses Getöse sickerte, penetrant und immer hektischer werdend, das Dingdong seiner Türklingel. Nach und nach drängelte sich der Krach in sein Bewußtsein.

Er blickte auf "Oho! Was? Wer da? Hier ich." Er stellte das Tippen ein und schaute sich um.

"Sssooooo, das Wasser kocht. Sofern es noch nicht verkocht ist."

Er stand vom Schreibtisch auf und kurvte um die Stapel von Büchern, Papieren und Klamotten zu seinem Herd. Nachdem er die Platte abgestellt hatte, hob er vorsichtig den Kessel an und setzte ihn auf einen kühleren Fleck. Mit einem Ächzen lustvoll-schmerzlicher Erleichterung verstummte die Pfeife.

"Und wozu hab ich den Wecker gestellt? Schlief ich, wach ich, werd ich von Sinnen sein?" Er schaltete den Elektrowecker aus und starrte sinnend auf den Plattenspieler.

"Was ist denn das nun für ein Dingdong? Brandenburgisches Dingdong? Steht Bach vor der Tür, mit allen Feinden Brandenburgs im Staub?"

Machtvoll stapfte er in die Halbdiele seines Appartements und betätigte den Türöffner; das Dingdong endete.

Im Treppenhaus näherten sich Schritte wie von zornigen Damenstiefeln. Die teure Dame in diesen mochte dreißig Jahre alt sein; sie trug Schottenrock, weiße Bluse, Perlencollier und erlesene Schminke. Im Türrahmen warf sie das aschblonde Haar wütend zurück. Sie hatte die Unterlippe vorgeschoben, eine Augenbraue hochgezogen und hielt sich den Daumen, der vom Klingeln schmerzte.

"Du feister Unhold. Sitzt du auf deinen Ohren?"

"Dazu sind sie zu schmal. Kommen Sie rein, Mrs. McDonald. Ich wollte sowieso gerade aufmachen."

Ines Finkel drängelte sich an ihm vorbei ins Chaos des großen Wohn- und Arbeitsraums. Dann blieb sie stehen und sah ihn an. "Wieso McD

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