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Abschiede im Leben Geschichten, die trösten von Althaus, David (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.10.2016
  • Verlag: Kösel
eBook (ePUB)
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Abschiede im Leben

Abschied ist unvermeidlich und gehört zum Leben wie der Tod. Trotz allen Leids lehren uns Abschied und Tod das Prinzip des Werdens und Vergehens und sind eine Einübung in die eigene Vergänglichkeit. Gibt es dabei eine gute Art, Abschied zu nehmen? Was befähigt Menschen, mit Abschied umzugehen und wie kann Abschied in den verschiedenen Stadien unseres Lebens gelingen? Das sind zentrale Fragen, denen sich das Buch widmet.

Dr. David Althaus ist Diplom-Psychologe und Psychotherapeut. Er arbeitet als wiss. Mitar- beiter an der LMU München und ist Mitbegründer des "Bündnis gegen Depression".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 03.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641200381
    Verlag: Kösel
    Größe: 307kBytes
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Abschiede im Leben

Von kleinen und
großen Abschieden

Wir freuten uns auf zuhause. Unser Familienurlaub auf Sardinien war besonders schön gewesen. Wir hatten wunderbare Landschaften erlebt, zauberhafte Strände besucht und mediterranes Essen genossen. Am Tag der Abreise durchquerten wir die Insel von Süden nach Norden, um die Fähre in Olbia zu nehmen. Ein letztes Mal mittendrin in der atemberaubenden Schönheit der Insel, die wir auf hunderten Fotos festgehalten hatten. In Olbia war noch reichlich Zeit bis zur Abfahrt der Fähre. Es war früher Abend, die Stadt war in ein mildes Licht gehüllt, und alles schien voll heiterer Betriebsamkeit. Wir entschlossen uns zu einem kleinen Spaziergang durch die Altstadt, um ein letztes Mal das Flair Italiens zu genießen, bevor es nach Hause ging in den deutschen Herbst. Als wir wenig später zum Auto zurückkehrten, war die Seitenscheibe eingeschlagen. Nur allmählich realisierte ich, was geschehen war. Diebe hatten die wertvolle Fotoausrüstung, eine Videokamera und einige Elektrogeräte aus unserem Auto gestohlen.

Erst nach und nach merkte ich, was alles abhandengekommen war, und ärgerte mich. Gleichzeitig bemühte ich mich, alles sofort kleinzureden. "Nicht so schlimm", murmelte ich, "so was kommt halt vor. Ist ja zum Glück keinem was passiert." Auch wenn ich diesen Verlust gerne sofort von mir abgeschüttelt hätte, gelang es mir nicht. Wir warteten auf die Fähre und klebten notdürftig das Fenster zu. Immer wieder blickte ich im Wageninneren dorthin, wo vorher meine Fotoausrüstung und Videokamera gelegen hatten. Ich spürte sie noch förmlich in meinen Händen, sah all die Bilder und Filme vor mir, die ich in den Wochen davor mit ihr aufgenommen hatte. Meine Augen suchten die Stelle ab, ich wollte es einfach nicht wahrhaben, obwohl ich natürlich wusste, dass die Filme und Fotos unwiederbringlich verloren waren.

Die Nacht auf der Fähre war schrecklich. Dauernd wachte ich von unangenehmen Gedanken gequält auf. "Nur zwanzig Minuten hatten wir das Auto allein gelassen! Wieso bin ich nicht beim Wagen geblieben? Wie konnte ich nur? Das weiß man doch! Das macht man nicht mit einem vollgepackten Auto in Italien!"

Eigentlich war es wirklich keine Tragödie. Die Urlaubsfotos und Videoaufnahmen von der Familie und ein materieller Schaden von rund 4000 Euro. Es hatte keinerlei existentielle Bedeutung für mich, und trotzdem dauerte es etwa zwei Tage, bis sich in mir wieder Ruhe eingestellt hatte. Vorher haderte ich mit mir, war wütend und schaffte es nicht, meine Gedanken von dem abzuwenden, was geschehen war. Es nervte mich, denn im Angesicht der schweren Schicksalsschläge unserer Klienten war mein Verlust geradezu lächerlich.

Diese Geschichte zeigt, dass sogar unbedeutende Abschiede uns kurzfristig aus der Bahn werfen können und unsere Realität verändern. Oft versuchen wir, uns zunächst gegen die Endgültigkeit des Abschieds zu wehren, und wollen die veränderte Realität lange Zeit nicht wahrhaben. Selbst bei rein materiellen Verlusten dauert es eine gewisse Zeit, bis wir in der Lage sind, diese Veränderungen zu akzeptieren. An den kleinen Abschieden üben wir für die größeren. Die wirklich großen Abschiede in unserem Leben sind sehr viel schwerer zu meistern: das Ende einer engen Beziehung, das Zerplatzen eines Lebenstraums, die Erfahrung schwerer Krankheit oder der Verlust eines geliebten Menschen. Die Erfahrung solcher Verluste kann so niederschmetternd sein, dass der getroffene Mensch für lange Zeit niedersinkt und jede Perspektive verliert: Er weiß dann nicht, wie das Leben weitergehen könnte. Das Dasein scheint zu stagnieren, alles wirkt sinnlos und vergebens. Ein Spalt der Leere tut sich auf zwischen dem Verlorenen, dessen unerreichbares Bild uns noch immer ganz erfüllt, und einer Zukunft, die matt und leblos vor uns zu liegen scheint. Gibt es dabei eine gute Art, Abschied zu nehmen? Wenn wir als Kind Abschied nehmen mussten, konnte es passieren, da

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