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Faltenweise Lesben und Alter von Bührmann, Traude (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.04.2017
  • Verlag: Verlag Krug & Schadenberg
eBook (ePUB)
8,99 €
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Faltenweise

"Wenn du Glück hast, kannst du dich mit 90 noch verlieben." - Trotz fliegender Hitze erforschen sie die Vulkanlandschaft Hawaiis, erkunden Kleopatras Ägypten und streifen in Cowboystiefeln durch den Grand Canyon. Sie lernen im Rentenalter Klavierspielen, besuchen Philosophievorlesungen und unterweisen Lesben im Paartantra und Clowntheater. Sie wollen auch künftig das weite Feld der Sexualität erforschen und gedenken durchaus, sich mit 90 noch zu verlieben. Sie nehmen sich Zeit und tun, was sie wollen. Heiter und gelassen. "Falten? Große Trauertage hab ich deswegen nicht eingelegt." Traude Bührmann hat acht lesbische Frauen zwischen 48 und 81 Jahren zu ihren Erfahrungen mit dem Älterwerden befragt und porträtiert.

Traude Bührmann, geboren 1942, lebt als Autorin, Herausgeberin und Übersetzerin in Berlin und Paris. Mit dem Porträtband "Faltenweise" hat sie das erste Buch zum Thema Lesben und Alter/n verfasst. Darüber hinaus hat sie im Verlag Krug & Schadenberg zu dem Band "Verwandlungen - Lesben und die Wechseljahre" beigetragen sowie zu der Erotik-Anthologie "Augenblicke" und dem Band "Fein & gemein - Rachegeschichten". Zu ihren weiteren Veröffentlichungen zählen u.a. die Romane "Mohnrot" (unter dem Namen Olga Linz) und "Die Straßensängerin", die Erzählung "Flüge über Moabiter Mauern" und die Reiseerzählungen "Die Staubstraße nach Matala". Neben der Anthologie "Sie ist gegangen. Geschichten vom Abschied für immer" und den Stadtbegleiterinnen "Lesbisches Berlin" und "Lesbisches Paris" hat sie gemeinsam mit Laura Méritt und Nadja Schefzig den Band "Mehr als eine Liebe - Polyamouröse Beziehungen" herausgegeben. Traude Bührmanns letzte Veröffentlichungen drehen sich um Leben und Tod, so ihre Erzählungen "Nachtcafé", der Kurzroman "durchatmen" und die Novelle "Cocktailstunde". Zur Zeit arbeitet sie an einem Foto-Text-Buch "Unterwegs - die Erde unter meinen Füßen ist mein Land".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 244
    Erscheinungsdatum: 19.04.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783959172080
    Verlag: Verlag Krug & Schadenberg
    Größe: 416 kBytes
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Faltenweise

Die beste Möglichkeit, Träume zu verwirklichen, ist aufzuwachen

Inge Krause, 59 Jahre, Krankenschwester, Altenpflegerin

So kann es nicht weitergehen , denkt Inge Krause, du bist jetzt einundfünfzig. Wenn das alles gewesen sein soll, kannst du Schluss machen. Abschließen mit dem Leben. Damit meint sie nicht, sich das Leben zu nehmen, sondern ihre Lebensvorstellungen zu begraben. Das ist dasselbe. Fast. Sie verkümmert in ihrer Ehe. Ändert sie nichts, wird sich ihre Tochter Bettina zurückziehen. Sie kann sich das Elend nicht länger mit ansehen, versteht auch nicht, wieso ihre Mutter, die sonst so aktiv ist, die überall ihre Meinung vertritt, in ihrem Arbeitsleben immer entscheidungsfreudig ist und nicht so vermuffelt wie die Verwandtschaft, wieso sie an diesem Punkt stehenbleibt und eingeht wie eine Primel.

An Trennung denkt Inge Krause nicht. Doch: Ich gehe weg. Und überlegt, was ihr dieses Zuhause wert ist, Haus und Garten in Berlin-Hellersdorf, ihr herzkranker Mann, ihr Sohn im schwierigen Pubertätsalter. Die Heirat, das war sowieso ein Fehler gewesen. Als sie vor dem Altar ja sagte, hatte sie es gewusst. Wegen ihrer Tochter hatte sie eingewilligt, wollte der Kleinen einen Vater geben, die alle Männer auf der Straße mit Vati ansprach.

Mit achtzehn brachte Bettina ihr vorsichtig bei, dass sie sich nichts aus Männern mache. Sie interessiere sich für Frauen. Inge Krause, zweiundvierzig, fiel nicht aus allen Wolken, nein, diese Worte waren der Auslöser, darüber nachzudenken, wofür sie sich eigentlich interessierte, warum sie mit ihrer Ehe, ihrem Leben nicht zufrieden war.

Schwule und lesbische Paare waren ihr nichts Neues, unter ihren Arbeitskolleginnen und Kollegen im Krankenhaus gab es einige, doch sie lebten ihre Beziehung nicht offen. Alle anderen dachten, na, die haben wohl was miteinander, und damit war es erledigt. Inge Krause guckte manchmal erstaunt hoch: "Ja, diese Lebensform wäre vielleicht auch möglich." Sie fühlte sich in Gesellschaft von Frauen wohler, ging aber gelegentlichen Annäherungsversuchen in ihrem Berufsleben aus dem Weg. Nur keine Komplikationen in ihrer Ehe! "Diesen Stress machst du dir nicht."

Zum zwanzigsten Hochzeitstag schenkt Bettina ihr fünf Tage "Kreativsein" auf einem Frauenhof. Inge Krause ist begeistert über die Aussicht, nach Jahren endlich mal etwas allein zu machen. Malen, Musik hören, wandern, über Probleme reden, sich in der Natur erholen, unter Frauen sein. Das klingt verlockend. Doch zwei Tage vor Kursbeginn gerät sie ins Schwanken: Was mag dort aufgebrochen werden, was mag ihr entgleiten? Ob das wohl was bringt? Am liebsten würde sie absagen, doch sie tut es nicht bei dem Gedanken an den Wäscheberg, der sie während dieser Urlaubswoche zu Hause erwarten würde, an das tägliche Mittagessenkochen und Abwaschen ... Sie packt ihre Sachen. Zwiespältig. Ihre innere Stimme setzt sich durch: "Wenn du das jetzt nicht machst, verpasst du die Chance deines Lebens, etwas Neues zu beginnen."

Wortlos fährt ihr Mann sie zum Frauenhof. Ihr Sohn sitzt hinten im Auto. Je näher sie kommen, desto leichter wird es Inge Krause. Eine wunderschöne Strecke.

"Wir kamen an dem Tor an. Der Hof völlig verwildert, noch dieses Kopfsteinpflaster, dieses verbrannte Grün, die Scheune, alles sah wirklich urwüchsig aus. Und plötzlich läuft da 'ne nackte Frau mit zwei Eimern quer über den Hof. Hier willst du bleiben? sagte mein Mann, aber in einem Ton! Und ich: Ja, hier möchte ich bleiben. Mein Sohn grinste nur."

Alle Zweifel sind wie weggeblasen. Wobei Inge Krause nun nicht gedenkt, fünf Tage lang nackt durch die Gegend zu laufen. Vom ersten Augenblick an fühlt sie sich wohl. Ist nicht gehemmt wie sonst, wenn sie in eine ungewohnte Umgebung kommt. Malen, spazieren

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