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Geht doch! Wie nur ein paar Schritte mehr unser Leben besser machen von Hauser, Uli (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.04.2018
  • Verlag: Knaus
eBook (ePUB)
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Geht doch!

Lieber gut zu Fuß statt schlecht gelaunt Uli Hauser ist immer schon gern zu Fuß gegangen, auch längere Strecken, wo andere lieber das Auto nehmen. Warum, darüber hatte er sich nicht den Kopf zerbrochen, so wenig wie über Schuhe oder darüber, wie man einen Fuß vor den anderen setzt. Im vergangenen Sommer nun hat er sich auf den Weg gemacht, von Hamburg aus Richtung Süden. Sein Ziel: Italien. Weil er wissen wollte, wie das geht: Gehen. Was es mit einem macht, im Kopf und in den Beinen. Weil er das Gefühl hatte, dass wir zu oft von Ort zu Ort hetzen, zu viel fahren, zu viel sitzen, zu wenig auf uns achten. Er lebte ohne Tempowahn und Terminkalender und hörte endlich mal auf seine Füße. Traf Ärzte, besuchte Schuhmacher und Mönche. Ließ sich von Menschen am Wegrand leiten, zur nächsten Begegnung und zur nächsten Geschichte. Er genoss die Schönheit des Augenblicks, Schritt für Schritt. Und ist überzeugt: Allen ginge es besser, wenn alle mehr gingen. Uli Hauser, Jahrgang 1962, ist Reporter beim 'Stern' und Autor mehrerer Sachbücher (u.a. 'Jedes Kind ist hoch begabt' und 'Würde', beide mit Gerald Hüther). Er lebt in Hamburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 16.04.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641217167
    Verlag: Knaus
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Geht doch!

Von Dübbekold bis Beseland

Die Göhrde ist eine gute Gegend, sich einzulaufen. Nationalparkverdächtig, es gibt viele seltene Pflanzen und Tiere und wenig Monokultur. Multikulti auf 75 Quadratkilometern. Das hat auch zu tun mit dem Dreißigjährigen Krieg. Als Deutschland Brachland war und die Apokalypse verbrannte Erde hinterließ. Ein weitsichtiger Herrscher, August der Jüngere, ein Welfe, verfügte damals eine "Verordnung gegen die Waldverwüstung", auch um zum Jagen einen schönen Wald zu haben.

Jahrhundertelang war die Göhrde eine Schießbude der Mächtigen. Die Jäger zäunten sie ein und ließen sich Geweihe vor die Flinte jagen. Das war schlecht für die Tiere und gut für die Bäume: Während die einen fielen, blieben die anderen stehen. Hier halten sich Eichen seit 340 Jahren senkrecht, und Fichten sind 140 Jahre ungeschlagen. So ein Mischwald ist selten geworden.

Ich hatte mich noch kurz mit Kennys Frau Barbara unterhalten, die keinen Tag mehr ohne das Gefühl leben möchte, jederzeit aus der Tür gehen und über Stunden im Wald verschwinden zu können. Keinen halben Tag hielte es sie mehr in der Stadt aus, sagte sie, das Gedränge, das Schnelle, das Laute. Überall Buchstaben, die nach Aufmerksamkeit verlangen, der Lärm und die Leute. Menschen, die Handys spazieren führen und dich nicht anschauen, wenn du sie grüßt.

Und keine Bäume, die man umarmen kann. Keine Bäume? Ich schaute Barbara fragend an. Ja, sagte sie, je länger ich hier wohne, umso wichtiger wird mir ihre Gesellschaft. Vor Jahren noch habe sie sich nicht getraut, das zu sagen, weil man sie womöglich für eine Spinnerin gehalten hätte. Aber mir gibt das Kraft, mich anzulehnen, sagte Barbara. Ich nickte nur, ich war noch nicht so weit. Im Büro umarmen wir nicht gleich jeden, den wir sehen.

Ich hatte gut geschlafen, ich hatte mich gut unterhalten. Heiter gestimmt verließ ich das gastliche Haus im schönen Dübbekold. Von hier führte ein Weg nach Osten durch den Wald und über Sand an die Elbe, ich aber wollte in die andere Richtung, nach Süden. Hinterm Haus entdeckte ich ein kleines Schild, es war an eine Eiche genagelt. Eine kleine Wegweisung aus Messing, mit gezackten schwarzen Pfeilen: Europäischer Weitwanderweg stand darauf, Ostsee-Wachau-Adria. Ans Mittelmeer, bitte hier entlang. Diesen Pfeilen würde ich folgen können wie ein Kind früher den Holzstückchen bei der Schnitzeljagd. Zwei Monde später könnte ich in Italien sein, vielleicht würden 25 Kilometer am Tag reichen.

Was für eine Verheißung: die Adria. Mir wurde warm, ich sah mich am Strand, Sand zwischen meinen Fingern. Heiß war die Luft und hell, Wolken zogen hoch und weiß über mir dahin. Aber noch waren es über tausend Kilometer.

Ich hatte mir so ungefähr eine Route zurechtgedacht. Die norddeutsche Tiefebene wollte ich schnell hinter mir lassen, und ein wenig mehr Zeit in der Mitte Deutschlands verbringen. Um dann, Anfang August, grob über den Daumen gepeilt, vielleicht in München zu sein. Und danach Richtung Südosten über die Alpen nach Triest laufen, in die frühere Hafenstadt der Habsburger, als Österreich sich noch in die Länge streckte und keinen Kanzler hatte, der Kurz hieß. Für die Überquerung der Alpen hatte ich vorgesorgt; der Alpenverein hatte mir einen Pass geschickt für die Benutzung von Hütten, und ein kleiner Wanderführer hatte noch Platz gefunden in meinem Rucksack.

Europa ist durchzogen von Fernwanderwegen, dieser hier trug die Nummer sechs. Er startet in Finnland und geht über die Göhrde weiter in die Türkei. Aber ich musste erst einmal artig nach links und nach rechts schauen, mein Fernpfad querte die Bundesstraße 216, die von Lüneburg nach Dannenberg, über die Elbe nach Dömitz und von dort nach Ludwigslust führt.

Ich wechselte die Seite. In sanftem Schwung ging es durch den Wald. Auf dem Boden lagen tote Stämme, in Büschen und Bäumen hüpften Vögel. Ameisen häuften sich zu Hügeln, ich ließ si

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