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Love & Trouble Lebensmitte. Ich zieh dann mal Bilanz - 'Ich habe mich auf jeder Seite wiedererkannt!' Elizabeth Gilbert, Autorin von 'Eat, Pray, Love' von Dederer, Claire (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.08.2018
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Ab 20.08.2018 per Download lieferbar

Online verfügbar

Love & Trouble

In der Mitte ihres Lebens, scheinbar angekommen im trostlosen Alltag zwischen Job, Ehe und Muttersein, entdeckt die Journalistin und Bestsellerautorin Claire Dederer, dass das wilde Mädchen von damals noch immer in ihr steckt. Die Orientierungslosigkeit und die sexuelle Abenteuerlust ihrer Jugend überrollen sie förmlich. Claire Dederer begibt sich auf Spurensuche in ihrem eigenen, mehr als aufregenden Leben und erzählt von den wilden Eskapaden der zügellosen 'crazy bitch', die sie einst war - und zum Teil auch wieder werden möchte.

Claire Dederer ist freie Autorin. Ihre Essays, Rezensionen und Reportagen sind in Vogue, The New York Times, Slate, Yoga Journal und The Nation erschienen. Sie lebt auf einer Insel nahe Seattle.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 20.08.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641185541
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: Love and Trouble: A Mid-Life Reckoning
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Love & Trouble

1

Mein Leben heute

D u hast alles richtig gemacht.

Du hast Freunde, auf die du dich verlassen kannst, Arbeit und einen wirklich netten Partner. Du hast ein Haus gekauft und Kinder bekommen. Du hast gar nicht groß darüber nachgedacht, sondern es einfach getan. Hast dafür all die Jahre schwer geschuftet. Du warst deinem Mann treu, bist eine überdurchschnittlich gute Mutter - und ja, das darf man laut sagen. Du hast dich immer gut angezogen, es aber nie übertrieben. Du hast ein bisschen Angst gehabt. Du hast brutal Angst gehabt. Du hast deine chaotische Vergangenheit hinter dir gelassen. Gleichzeitig saß dir jenes Mädchen, das du mal gewesen bist, diese katastrophale, kleine rebellische Schlampe, immer im Nacken. Du wolltest nichts mehr mit ihr zu tun haben. Trotzdem hast du manchmal spätabends, wenn deine Kinder und dein Mann längst im Bett waren, im Wohnzimmer Whisky getrunken, obwohl du noch gestillt hast. Du hast im Dunkeln Musik gehört. In solchen Momenten ist dir das Mädchen immer energischer auf die Pelle gerückt, bis du die Musik ausgemacht hast, ins Ehebett zurückgekehrt und in einen traumlosen, trunkenen Schlaf gesunken bist. Du bist mit dem Gefühl aufgewacht, du hättest dir die Zähne zu Stummeln geknirscht. Du hattest Kopfschmerzen davon.

Dieses Leben hat sich über ein, zwei Jahrzehnte angesammelt - wie ein Misthaufen, das Nest eines Laubenvogels oder eine gruselige Sammlung von Fingernagelresten. Es hat sich jedenfalls angehäuft, angereichert, weil du es nicht anders wolltest. Du gehörst zu den Leuten, die bekommen, was sie wollen. Du wolltest dieses wunderschöne Leben - ein Leben, das bei aller Schönheit die Person vollkommen ignoriert, die du einmal gewesen bist. Du hast dir buchstäblich den Arsch aufgerissen, um das zu schaffen.

Du bist aufs sogenannte "Land" gezogen. Aber nur weil man eine Fähre nehmen muss und Bauern in der Nähe wohnen, ist es noch kein richtiges Land, sondern einfach nur ein sehr, sehr malerischer Vorort. Dieses Pseudoland bot dir jene Natur, nach der du dich gesehnt hattest - einen Wald hinter deinem neuen Haus, eine Wiese zum Federballspielen und einen verwahrlosten Garten, den du "verwildert" nanntest und dir schöngeredet hast. Auch die Schulen waren fantastisch und das Haus, das du gekauft hast, größer als das alte, sodass deine Tochter und dein Sohn sich kein Zimmer mehr teilen mussten, obwohl es toll ist für Kinder, sich ein Zimmer zu teilen - höchstens etwas unpraktisch, wenn sie älter werden. Du hast dir ein schönes neues Sofa gekauft, weil die Kinder das vorherige im Kleinkindalter mit Kacke, Kotze und Blut vollgesaut haben, als wäre es der Rücksitz von Travis Bickle aus Taxi Driver . Du hast deinen Kindern Zahnspangen spendiert. Und dann sind die Kinder viel zu schnell erstaunlich groß geworden. In deinem sicheren, schönen Haus am Wasser auf dem sogenannten Land gegenüber der Stadt, in der du aufgewachsen bist, hast du das bemitleidenswerte Mädchen, das du einmal gewesen bist, mehr oder weniger vergessen. Es war aber auch ein dermaßen dämliches Aas, dass du es ohnehin lieber vergessen willst. Vielleicht hast du es mal auf einer Party zum Leben wiedererweckt, vor neuen Freunden, Eltern von Klassenkameraden deiner Kinder, die höflich über deine schrägen Anekdoten gelacht haben. Am nächsten Morgen war es dir einfach nur peinlich.

Und dann ist es auf einmal so, als wäre ein Schalter umgelegt worden. Und zwar im April 2011. Du bist vierundvierzig, und du weißt das natürlich noch nicht, aber da beginnt dein Abstieg in die Hölle. Du wachst benommen auf. Dein Mann, ein Journalist, muss eine längere Geschäftsreise antreten, aber bevor er geht, bringt er dir noch Kaffee ans Bett und ruft den Kindern etwas zu. Du stehst auf, gehst in die Küche, lehnst dich verschlafen an die Arbeitsfläche und siehst, wie die Horde hereinpoltert. Na ja, zwei Kinder, aber frühmorgens wirken sie wie eine ganze H

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