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Mut zu mir selbst Alt werden ist nichts für Feiglinge von Schneider, Johannes W. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.03.2015
  • Verlag: Verlag Freies Geistesleben
eBook (ePUB)
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Mut zu mir selbst

Wer bin ich, wenn all das von mir abfällt, worauf ich mich bisher gestützt habe? Da bin ich ganz ich selbst. - Nach diesen beiden Seiten hin, dem Verlieren des selbstverständlich Gewordenen und dem Entdecken eines Neuen, stellt Johannes W. Schneider den Weg des Altwerdens dar. Für beides braucht es Mut: für das schmerzvolle Abschiednehmen von so vielem, das den Menschen bisher ausgemacht hat, ebenso wie für das Entwickeln der neuen Qualitäten und Fähigkeiten eines 'Ganz ich selbst', die eine gelingende Alterskultur ausmachen. Ein Buch, das Mut macht, den eigenen Weg ins Alter mit all seinen Chancen und Herausforderungen anzunehmen, und das denen, die dabei zur Seite stehen, ein Verständnis eröffnet für die Bedürfnisse und einzigartigen Qualitäten eines alten Menschen. Johannes W. Schneider wurde 1928 im südlichen Thüringen geboren. Nach dem Studium der Geschichte, Germanistik, Psychologie und Pädagogik und anschließender Promotion war er lange als Lehrer an einer Waldorfschule tätig, bevor er in seiner zweiten Lebenshälfte Dozent am Kindergarten- und Altenpflegeseminar in Dortmund wurde. So war er auch an der Entstehung des dortigen Pädagogisch-Sozialen Zentrums beteiligt. Außerdem hielt er weltweit Vorträge. Johannes W. Schneider starb am 26. Oktober 2010 in Dortmund. Im Verlag Freies Geistesleben sind bereits seine Bücher 'Träume besser verstehen', 'Engel und ihre finsteren Brüder', 'Unser Leben - unser Schicksal' und 'Meditation in der asiatischen Kultur und in der Anthroposophie' erschienen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 05.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783772540783
    Verlag: Verlag Freies Geistesleben
    Serie: Falter .42
    Größe: 1390 kBytes
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Mut zu mir selbst

Erstes Kapitel

Auf See

Wir fuhren unter den Sternen dahin, Hunderte von Meilen von jedwedem Land entfernt. Alles, was ich sehen konnte, waren die Schatten der Jungen und die Wölbung in der Mitte des Schiffs, wo sich die Dampfmaschine befand. Vom Bug kamen grüne Tropfen geflogen, wie Smaragde, die man aus der schwarzen See geschnitten hatte. Sie fielen in unser Kielwasser, durchgewirbelt von dem sich stetig drehenden Schaufelrad.

Die ganze Nacht lang lauschte ich auf die Melodie der Maschine, auf das Tschukatie-tschikadie, Tschukatie-tschikadie , das jede Planke und jeden einzelnen Nagel erzittern ließ. Als die Sonne hinter uns aufging, hing der Rauch, der aus dem Schornstein unseres Dampfers quoll, wie ein schmutziger Wimpel über dem Ozean, ein zerzaustes Banner, das meilenweit zu sehen war. Jeden Morgen zog Gaskin Boggis die Holzscheite aus dem Ofen und löschte sie eins nach dem anderen unter Zischen und Dampfen im Meerwasser.

Seit elf Nächten bohrten wir uns durch die Dunkelheit; elf Tage lang waren wir unter einer gleißenden Sonne auf der schimmernden See getrieben. An diesem Morgen, unserem zwölften, seit wir das letzte Mal Land gesehen hatten, war Walter Weedle an der Reihe, Wache zu stehen und nach den schwarzen Segeln der Piraten aus Borneo Ausschau zu halten. Wie üblich kletterte er murrend auf seinen Platz oben auf dem kleiner werdenden Stapel aus Feuerholz.

"Es gibt Leute, die nie Wache halten müssen", sagte er und warf einen düsteren Blick in meine Richtung. "Es müsste jeder mal an die Reihe kommen, wenn ihr mich fragt."

Nur Midgely machte sich die Mühe zu antworten. "Aber dich fragt keiner, Walter Weedle. Halt einfach die Klappe."

Ungeschickt tapste Weedle auf dem Holzhaufen herum und trat hier und da Scheite lose. "Hier gibt's keine Piraten. Wir haben noch keinen einzigen Piraten gesehen. Mir ist schleierhaft, warum wir bei Tagesanbruch nicht weiterfahren können."

"Du bist halt ein Dummkopf!", rief Midgely. Mit seinen blinden Augen spähte er in Richtung der Maschine, deren Umrisse er mit Weedle verwechselte. "Versuch doch mal, nach der Sonne zu steuern. Du wirst dich nur im Kreis drehen, du Blödmann. Aber die Sterne sind wie ein Kompass, und das Kreuz des Südens ist die Nadel. Stimmt's, Tom?"

"Ja", sagte ich.

"Es wird uns nach Hause führen. Stimmt's, Tom?"

"Natürlich", sagte ich, als ob ich wahrhaftig daran glauben würde. Midge dachte, das Kreuz des Südens hinge so fest am Himmel verankert wie ein bunt bemaltes Wirtshausschild. Er hatte ja keine Ahnung, was für ein unberechenbares und blasses Ding es war, so schwer zu finden, dass ich mir nicht sicher war, ob ich es auch nur ein einziges Mal gesehen hatte. Ich fürchtete, dass wir bereits vom Kurs abgekommen waren.

"Erzähl ihm von den anderen Inseln, Tom", verlangte Midgely. "Erzähl ihm, wie das Kreuz uns dorthin führen wird." Und wieder einmal zählte er ihre Namen auf, die Kokosinseln, der Chagos-Archipel, die Maskarenen.

"Wir können sie gar nicht verfehlen. Wir hüpfen von einer zur anderen wie auf den Steinen in einem Bach."

Er lächelte jetzt so fröhlich wie ein junger Hund angesichts dieser Vorstellung. Aus seinem Mund hörte es sich so einfach an, und wir alle hatten geglaubt, dass es möglich sei. Wir hatten es mit dem Ozean aufgenommen, wie nur Jungen es vermochten, waren dem Kreuz des Südens nachgejagt auf der Suche nach Inseln, auf denen es Nahrung und Feuerholz im Übermaß gab. Aber wenn wir nicht innerhalb einer Woche auf Land stießen, hätten wir kein Wasser mehr, nichts mehr zu essen und auch kein Holz für den Dampfer.

Das Meer war zu riesig, die Sonne zu heiß. Ich fühlte mich wie eine Kerze, die in der Hitze schmolz. Weedle, Bo

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