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Tage voller Leben Unsere gemeinsame Zeit im Hospiz von Hagenschneider, Maria (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.02.2017
  • Verlag: Patmos Verlag
eBook (ePUB)
12,99 €
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Tage voller Leben

Was geschieht, wenn jemand ins Hospiz umzieht, um dort zu sterben? Maria Hagenschneider erzählt davon, wie Sie mit ihrem sterbenskranken Mann überraschend lange zehn Wochen in einem stationären Hospiz gelebt hat - mit allen Höhen und Tiefen, mit den Herausforderungen und Chancen für sie als Einzelne und als Paar. 'Tage voller Leben' gewährt Einblicke in das Leben im Hospiz und in die Erlebnisse und Gespräche dieses Paares. Die Autorin erzählt in Rückblenden und Reflexionen vom Abschiednehmen, vom Auskosten jeder schmerzfreien Stunde, von überraschend neuen Erfahrungen, die bis zum letzten Atemzug möglich sind. Auch die Sorge um die Angehörigen klingt an: die jeweiligen Grenzen zu achten und in der emotional so anstrengenden Zeit nicht zu überfordern. MARIA HAGENSCHNEIDER arbeitete bis zur Eheschließung mit Klaus Hagenschneider als Religionspädagogin in Kirchengemeinden und Schulen. Die Erzieherin und Heilpädagogin war u.a. Leiterin einer Frühförderstelle und Dozentin für Interkulturelle Kompetenzen. Sie lebt in Hamm.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 13.02.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843608992
    Verlag: Patmos Verlag
    Größe: 353 kBytes
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Tage voller Leben

Ankommen

14. September 2012

Nun hat uns also S. in Empfang genommen. Im Rollstuhl hat sie dich ins Zimmer am Ende des Flures geschoben.

Sie wird eine von zwei Bezugspflegerinnen sein, die deine Pflege in einer der zwei Schichten verantwortet und hauptsächlich übernimmt. S., mit der ich später viele Gespräche führe, die mir dein Verhalten und deine Träume entschlüsselt. S., die später die Trauerfeier für dich im Hospiz gestaltet - zusammen mit der Pfarrerin. Sie ist eine wunderbare, klare, warmherzige und kompetente Bezugsschwester. Sie begleitet später deinen toten Körper wieder bis zur Tür dieses Gasthauses.

Hier, in diesem Gästezimmer sitzen wir beide und schauen auf den Zeiger der Uhr. Was geschieht jetzt? Wird es eine Aufnahme geben? Müssen wir Formulare ausfüllen? Wirst du eine körperliche Untersuchung über dich ergehen lassen müssen?

Wir sitzen und warten. Der Uhrzeiger bewegt sich kaum. Jede Minute dehnt sich ins Endlose. Eine andere Schwester kommt ins Zimmer. Ich schaue auf die Uhr. Es ist kaum Zeit verstrichen.

Wir lernen Schwester B. kennen, eine weitere Pflegerin. Sie hockt sich vor dich hin, als sie mit dir zu sprechen beginnt - auf Augenhöhe, was mich sofort für sie einnimmt. B. erlebe ich später im ambulanten Hospiz bei Trauerseminaren auch als Trauerbegleiterin.

Die Hauswirtschafterin kommt, stellt eine gute Küche in Aussicht und verabschiedet sich gleich wieder. Sie hat ab heute Urlaub. Die Gäste im Hospiz dürfen Wünsche an die Küche richten - der Speiseplan wird entsprechend gestaltet. Vor meinem inneren Auge blitzt kurz der Gedanke ans "Gelobte Land" auf. "Ein Land, in dem Milch und Honig fließen" (Exodus 3,8). 3

Und dann kommt Dr. K. Er war seit seinem Besuch bei uns zwei Tage zuvor das Bindeglied zum Hospiz. Als du ihn siehst, lächelst du. Ihn hast du sehr erwartet. Dein Doktor ist da. Jeder seiner Besuche in den nächsten Tagen und Wochen wird ein Fest für dich.

Dein Doktor ist heute erstaunt darüber, dass du einen besseren Eindruck machst als bei seinem letzten Besuch bei uns zu Hause. Er freut sich darüber, dass die durch ihn veränderte Medikation dich wacher macht. Du bist nicht mehr durch die Morphine überdosiert.

Ja, so kommen wir an. Langsam kommen wir dann wirklich an. Du magst sogar etwas zu Mittag essen.

Ich räume deine und meine Kleidungsstücke in den Schrank. Es wird schnell klar, dass du nicht gedenkst, immerzu im Bett zu liegen, und deshalb mehr als Jogginghosen, Schlafanzüge und Unterwäsche brauchen wirst. Wir stellen die Betten aneinander, denn wir wollen nicht getrennt liegen. Das Angebot, dir einen Sessel zu besorgen, freut uns.

Nachdem wir eine Woche später ein anderes, helleres Zimmer bezogen haben, wird der rote Sessel am lichtesten Ort des Raumes direkt vor der Terrassentür dein Lieblingsplatz. Wie oft hast du dort gesessen ... Besucher kamen, Familie, Freunde. Alle nahmen um dich herum Platz. Du hast in den kommenden Wochen in diesem Sessel "gethront" und "Audienz gehalten". Auch in unseren Urlauben war es oft so gewesen: Du fandest die Ferien gelungen, wenn du einen Sessel im Zimmer hattest.

Manchmal saßest du auch im Wintergarten des Hospizes. In den ersten schönen Spätsommertagen war es im Garten noch angenehm warm, und wir konnten dort gemeinsam Gäste empfangen. Doch der rote Sessel war und blieb die ganze Zeit über eines der wichtigsten Möbelstücke für dein Wohlbefinden.

Später, als wir umgezogen sind, fällt unser Blick immer wieder durch die Terrassentür auf den Ahornbaum, der unser sichtbares Bild für den Wechsel der Jahreszeiten werden wird. Grün ist sein Laub, als wir kommen, farbig wie die Wälder im Indian Summer wird er in den folgenden Wochen, und als der erste Frost kommt und die Blätter fallen, ist auch dein Tod ganz nah.

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