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Ungezähmt - Neun Frauen, Neun Lebenswege Biografische Erzählungen von Sommer, Antje (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.02.2016
  • Verlag: DeBehr
eBook (ePUB)
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Ungezähmt - Neun Frauen, Neun Lebenswege

Ungezähmt - neun starke Frauen erzählen aus ihrem Leben. Es sind einfache Frauen und Künstlerinnen, eine Theologin und Journalistinnen, allein lebend, mit Männern, mit Frauen, mit und ohne Kinder, zwischen Anfang 30 bis Anfang 70. Sie alle haben eines gemeinsam - ihre Biografien enthalten Schicksalsschläge, die zum Teil schon in der Kindheit oder im späteren Leben stattfanden. Gewalt in jungen Jahren, das Aus der Liebe, Verlust und Trauer, Gewinn und Zuversicht - die Kraft, Tiefe und Intensität dieser wahren Erzählungen machen Mut, den eigenen Weg zu gehen und dem Ruf der Seele zu folgen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 378
    Erscheinungsdatum: 28.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783957532657
    Verlag: DeBehr
    Größe: 707 kBytes
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Ungezähmt - Neun Frauen, Neun Lebenswege

Ich habe keine Erwartungen an andere

und versuche,

die Dinge so zu nehmen, wie sie sind

59 Jahre, Filmemacherin, Lehrerin

M eine Mutter ist Österreicherin, sie hatte in Österreich vor dem Krieg ein Lehrerinnenseminar absolviert. Im Jahre 1939 gab es in Österreich keine Stellen für Lehrerinnen, während in Deutschland viele der jungen Lehrer bereits in den Krieg geschickt waren. So kam es, dass sie in einem kleinen Ort in Bayern eine Anstellung bekam. Mit ihrem Wiener Chic fiel sie in der ländlichen Umgebung auf, aber die Bäuerinnen waren froh, dass ihre Kinder eine Lehrerin hatten und obendrein noch so eine sehr freundliche. In dieser Zeit lernte sie meinen Vater kennen. Seine Familie stammte aus Ostpreußen. Der zweite Mann seiner Mutter hatte im Altmühltal ein großes Anwesen gepachtet. Mit der Herkunft meines Vaters habe ich mich nicht allzu sehr befasst, weil er uns das Leben so schwer gemacht hat. Er kam aus einer Familie, in der viele Familienmitglieder Selbstmord begangen hatten. Das stülpte sich auch über unsere Familie. Der Familienname meines Vaters lautete ursprünglich "von", polnischer Adel. Ich habe drei ältere Geschwister, bin eine Nachzüglerin. Mein ältester Bruder ist zehn Jahre älter als ich, meine Schwester acht und mein jüngerer Bruder sechs. Nach ihm hat meine Mutter sechs Jahre lang kein Kind geboren, aber sie hatte alle zwei Jahre eine Abtreibung. Meine Mutter und auch mein Vater wollten nicht noch mehr Kinder, es waren schließlich schon drei da. Dann kam ich und obwohl ich nicht gerade geplant war, haben sie sich alle übermäßig gefreut. Sie haben mich nach einem damals populären Schlager genannt. So war ich ein willkommenes Kind, obwohl zwei vorher nicht gewünscht waren. Es waren auch dramatische Abtreibungen, so wie das damals zuging, an diesem Ort auf dem Land bei einem recht engagierten Dorfarzt.

Was war daran dramatisch?

Es floss viel Blut. Der Arzt holte meinen Vater dazu, er sollte sehen, wie schwierig es für eine Frau ist und er wollte ihm deutlich machen, er solle in Zukunft aufpassen. Eine Astrologin sagte mir vor einiger Zeit, da wäre in meiner Familie unverarbeitete Trauer um zwei Geschwister. Ich wusste erst gar nicht, was sie meint. Aber es müssen diese beiden abgetriebenen Kinder sein.

Meine Mutter hatte es auch sonst nicht einfach. Sie ging jeden Montag zu Fuß in ein höher gelegenes, kleines Dorf, um dort an einer Zwergschule mehrere Klassen gleichzeitig zu unterrichten. Die ganze Woche über war sie fort und kam erst am Wochenende nach Hause. Sie musste die drei Kinder bei ihrer Schwiegermutter zurücklassen. Das war nicht schön, weil die Schwiegermutter Frauen gehasst hat. Sie lehnte meine Mutter ab und mit ihr meine Schwester. Meine Mutter kam aus einem Elternhaus, in dem auf Bildung Wert gelegt wurde, aber die Schwiegermutter hätte für ihren Sohn gerne eine Frau gehabt, die reich ist und aus dem Adel stammt. Ihren Ärger darüber, dass meine Mutter diesen Ansprüchen nicht gerecht wurde, hat sie an ihr und an meiner Schwester ausgelassen. Sie hat das kleine Mädchen schlecht behandelt und ihr ständig Angst gemacht. Die beiden Buben, meine Brüder, hat sie vergöttert, aber meine Schwester war der Großmutter ausgeliefert. Das war sehr schlimm, und meine Mutter war immer unglücklich, wenn sie ihre Tochter zurücklassen musste.

In diesem Ort im Altmühltal bin ich geboren.

Als ich ein Jahr alt war, hat mein Vater, der Diplom-Landwirt und Agrar-Journalist war, eine Stelle in Frankfurt a. M. bekommen. Wir zogen nach Frankfurt. In den ersten Jahren hat meine Mutter nicht als Lehrerin gearbeitet, sondern hat die Familienarbeit gemacht. An diese ersten Jahre in dem Reihenhaus mit einem kleinen Garten habe ich gute Erinnerungen. Erst als ich schon in der Schule war, ging meine Mutter wieder in den Schuld

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