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Tatort Trennung Ein Psychogramm von Kastner, Heidi (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.10.2016
  • Verlag: Verlag Kremayr & Scheriau
eBook (ePUB)
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Tatort Trennung

Nahezu jeder Erwachsene macht zumindest einmal im Leben eine Trennung durch - kaum ein anderes Ereignis bringt das Lebensgefüge so durcheinander. Im dramatischsten Fall entwickeln sich daraus Familientragödien, die auch in Gewalt, Mord und Totschlag münden können. Zahlreiche Beispiele in diesem Buch dokumentieren das. Es gibt verschiedene Arten der Trennung: die scheinbar belanglose Trennung, die Kampf-Trennung, die Vernunft-Trennung, die innere Trennung bei formaler Aufrechterhaltung der Beziehung - in jedem Fall hinterlässt sie zwei Menschen, deren Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit und Zugehörigkeit gewaltig erschüttert wird, mit allen negativen Folgen, die das für die eigene Biografie haben kann. Heidi Kastner zeichnet ein differenziertes Psychogramm von Trennungen und zeigt damit auf, wie sich der Scherbenhaufen mit möglichst wenig Kollateralschäden zusammenkehren lässt. Heidi Kastner ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie. Seit 1997 Gerichtspsychiaterin; Aufbau und Leitung dreier forensischer Nachbetreuungsambulanzen; seit 2005 Chefärztin der forensischen Abteilung der Landesnervenklinik Linz; Gerichtsgutachterin für Strafrecht. Mehrere Buchveröffentlichungen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 07.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783218010504
    Verlag: Verlag Kremayr & Scheriau
    Größe: 962 kBytes
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Tatort Trennung

Trennung, scheibchenweise

Lasst euch von niemandem so tief hinabziehen,
dass ihr ihn hasst.

B OOKER T. W ASHINGTON

F alls Paare sich in Richtung Trennung bewegen, geschieht diese Entwicklung meist asymmetrisch und folgt einem Muster, das von der Soziologin Diane Vaughan in den 1990er Jahren beschrieben wurde. Auch sie machte die Beobachtung, dass manche Getrennte sich schwer taten, einen Trennungsgrund zu benennen oder dass die Trennungen von außen betrachtet oft auf "unscheinbaren" Gründen beruhten. Den Keim der Trennung bezeichnete sie als "Geheimnis". Gemeint ist damit, dass ein Beziehungspartner bei sich ein wachsendes Unbehagen feststellt, es "passt" nicht mehr. Anfangs wird die Unzufriedenheit noch als vorübergehendes Phänomen abgetan, dann beginnt der Unzufriedene langsam, aber stetig, mit der Ursachenforschung und betrachtet damit den anderen immer mehr durch den Filter seiner eigenen Negativerwartungen, was zu einer Art self-fulfilling prophecy wird. Das "Geheimnis" betrifft also nicht Äußerlichkeiten, sondern die subjektive Sicht auf die Beziehung selbst, die sich subtil, aber stetig verändert.

Eine Frau erzählte, dass sie schon am Tag der Hochzeit gewusst habe, dass sie einen Fehler mache. Sie habe vor der Kirche gestanden und wäre am liebsten umgekehrt, wollte aber keinem einen solchen Eklat zumuten. Außerdem konnte sie, abgesehen von einem vagen Gefühl, keine Gründe für ihr Unbehagen nennen, schon gar keine "vernünftigen", jeder hätte sie wohl für verrückt gehalten. Die Beziehung bestand schon seit sieben Jahren, es hatte keine dramatischen Krisen gegeben, die Entscheidung zu heiraten war eine beidseitige, der Zeitpunkt durch äußere Umstände diktiert. Die Ehe wurde nach über zwanzig Jahren, davon zehn Jahre in ständiger, nun auch beidseitiger Ambivalenz, geschieden. In ihrer Herkunftsfamilie hatte die Verbindlichkeit der Ehe einen hohen Stellenwert, wobei sich hier auch viele Beispiele geglückter langjähriger Partnerschaften fanden. Ein Scheitern der Ehe wäre keinesfalls sanktioniert worden, es gab dafür nur einfach kein Vorbild. Außerdem hatte die Verbindlichkeit eines Versprechens für sie einen hohen Stellenwert, auch für ihn, und sie hatten sich ja gegenseitig Liebe, Achtung und Ehre geschworen. Wesentlich war auch der Aspekt des Versagens, mit dem die Scheidung für sie konnotiert war. Wenn man etwas nur wirklich wollte und sich darum ausreichend bemühte, musste es gelingen.

Wenn Unzufriedenheit geäußert wird, dann meist als Kritik an banalen Nebensächlichkeiten, die vom Nichtsahnenden leicht als momentane Verstimmung oder Laune abgetan werden kann. Derweil beginnt der andere innerlich, Alternativszenarien zu entwerfen und Lösungen zu erwägen, natürlich ohne dass der wesentlich Betroffene bzw. Bedrohte dabei eingreifen oder eine Position formulieren könnte. Es kann auffallen, dass der Unzufriedene sich neuen Hobbys oder neuen Freunden zuwendet und den Partner dabei nicht einbezieht, auch das wird meist noch als "Phase" abgetan, die man eben tolerieren muss. Man möchte doch den anderen nicht einengen, man muss einander ja Freiräume lassen, und wenn es ihm so wichtig ist ... Faktisch bereitet derjenige, der sich mit dem Gedanken an Trennung trägt, bewusst oder unbewusst schon das soziale Netz vor, in das er - im Fall einer Trennung - möglichst weich fallen könnte, und erzählt zu Hause immer weniger über seine Erfahrungen und Erlebnisse, vor allem dann nicht, wenn dieses Netz auch eine Außenbeziehung inkludiert. Die Geheimnisse nehmen zu.

In der nächsten Phase hat der Unzufriedene sich schon so weit davon überzeugt, dass er mit dem anderen nie eine befriedigende Beziehung führen wird können, dass die ungebremste Schubumkehr einsetzt. Alles, was man früher am anderen liebenswert und speziell gefunden hat, wird nun peinlich, lächerlich oder hausbacken. In dieser Phase wird die gesamte Geschichte der Partnerschaft einseit

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