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Schloss Stadthagen Eine Residenz der Renaissance. mit Fotografien von Jutta Brüdern von Borggrefe, Heiner (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.12.2010
  • Verlag: Schlütersche
eBook (PDF)
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Schloss Stadthagen

Das Schloss Stadthagen wurde 1535 im Stil der italienischen Renaissance errichtet. An der Vollendung arbeiteten viele Künstler wie z. B. der flämische Bildhauer Arend Robyn, der nach Vorlagen von van Heemskerck und de Vries herausragende Beispiele des niederländischen Manierismus schuf. Der Bildband zeichnet ein spannungsreiches Bild der renaissancezeitlichen Residenz und rekonstruiert die ursprüngliche Gestalt des Schlosses. Die stimmungsvollen Bilder der Fotografin Jutta Brüdern setzen das Gebäude und die Kunstschätze gekonnt in Szene. So gibt das Buch einen tiefen Einblick in die Baugeschichte des Schlosses.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 80
    Erscheinungsdatum: 06.12.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783842682054
    Verlag: Schlütersche
    Größe: 3648kBytes
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Schloss Stadthagen

Prunkkamine (S. 21-22)

Kurz vor seinem Tod im Jahre 1576 beauftragte Graf Otto IV. den Bildhauer Arend Robin mit der Anfertigung von zwei nahezu wandhohen Kaminen aus Obernkirchener Sandstein (Abb. 43 und 47). Sie sind wichtige Zeugen für die ehemalige Lage der gräflichen Hauptgemächer im piano nobile des Westflügels.

Die Kamine tragen jeweils das Wappen des Grafen Otto und jenes seiner zweiten Gemahlin Elisabeth-Ursula von Braunschweig-Lüneburg. Prunkkamine wurden nicht zum Zwecke des Heizens eingebaut, sie hatten eine repräsentative Funktion. So wie ein Schlossherr sein Wappen über dem Hauptportal anbrachte, ließ er es meistens auch an einem Kamin verwenden. Damit wurde an die alte Tradition angeknüpft, die Haus- und Grundbesitz rechtlich an eine Feuerstelle band.

Die Kamine sind von respektabler künstlerischer Qualität und lassen niederländischen Einfluss erkennen. Ein aufwendig gearbeiteter Sturz mit Relief liegt jeweils auf zwei vollplastisch gestalteten Satyrhermen. Architektonische Gestaltung und Ornamentik entsprechen den zeitgenössischen Entwürfen der Antwerpener Druckgrafik. So hat Hans Vredeman de Vries in seinem 1565 gedruckten Vorlagenwerk Caryatidum ähnliche Hermen dargestellt. Das Sturzrelief des Kamins mit dem Wappen des Grafen Otto zeigt den Triumph der Vier Elemente, der in einer Inschriftentafel als TRIVMPHVS QVATVOR ELEMENTORVM bezeichnet wird (Abb. 50). Das Wappen wird von Voluten und den Tugenden Fides, Caritas und Spes (Glaube, Liebe, Hoffnung) um rahmt. Eine weitere Inschrift unterstreicht den herrschaftlichen Anspruch: VON GOTTES GNADEN. OTTO GRAVE ZV HOLSTAIN SCHOVWENBURGH VND STERNBARG. HERE ZU GEMEN. Am Fries befindet sich die Bezeichnung A.R.1576.

Die vier Elemente sind dargestellt als weibliche Allegorien, die um die Weltkugel herum auf einem Wagen sitzen, der von den Pferden Dies und Nox gezogen und von Chronos gelenkt wird. Fünf Planetengötter begleiten den Triumphzug, während zwei weitere, Sol und Luna, den Fries zu beiden Seiten einrahmen. Der Bildhauer arbeitete nach einem Stich aus einer 1564 in Antwerpen gedruckten Serie des Cornelis Cort nach Maarten van Heemskerck, die den Titel Circulus vicissitudinis rerum humanarum (Kreislauf der Unbeständigkeit der menschlichen Dinge) trägt (Abb. 10).

Diese Vorlage zeigt einen von den Pferden Dies und Nox gezogenen Triumph wagen, auf dem die Welt umgeben von den Vier Elementen ruht. Die Planetengötter, die Robin neben den Wagen gestellt hat, finden sich bei Heemskerck auf der kosmischen Weltkugel. Graf Otto hat offenbar mit dem Rückgriff auf einen Stich, der die Unbeständigkeit sozialer Ordnung thematisierte, veranschaulichen wollen, dass er die wandelbare Welt als Landesherr mit sicherer Hand regierte.

Der zweite Kamin von Stadthagen mit dem Wappen der Elisabeth-Ursula von Braunschweig-Lüneburg, der in der bildhauerischen Qualität nicht ganz an den ersten heranreicht, ist im Aufbau vergleichbar gestaltet (Abb. 47 und 51). Er zeigt auf dem Sturz eine Darstellung mit dem Triumph der Fortuna, die umgeben ist von Personifikationen der Vier Jahreszeiten. Letztere verkörperten in den antiken Kosmologien den zyklischen Verlauf von Werden und Vergehen in der Natur. Die unterschiedlichen Themen der beiden Kamine lassen auf eine geschlechtsspezifische Zuordnung schließen:

Der Graf herrscht über die aus den vier Elementen bestehende Welt, während seiner Gemahlin der Machterhalt der Dynastie durch Geburt von Nachkommen obliegt. Die Inschrift VIRTUS POST FUNERA CRESCIT (Tugend verbessert sich nach dem Tod) offenbart christliche Skepsis gegenüber der Natur, die im Triumph der launischen Fortuna deutlich wird.

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