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WALKING TALKING Unterwegs in Irlands wildem Westen von Berthel, Gabriele (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.07.2018
  • Verlag: EDITION digital
eBook (ePUB)
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WALKING TALKING

In der Kunstszene von Schwerin waren ihre Namen so bekannt wie das Staatstheater, das Museum oder das Schloss dieser Stadt - Helga Kaffke, Malerin. Gabriele Berthel, Autorin. Das war im letzten Viertel des gewesenen Jahrhunderts. In den Kulturnachrichten der jetzigen Landeshauptstadt spielen ihre Namen keine Rolle. - Beide Künstlerinnen leben seit mehr als zwanzig Jahren nicht mehr in Deutschland. Sie suchten ihren Lebensmittelpunkt zunächst in Frankreich und fanden ihn seit der Jahrtausendwende an der nordwestlichen Küste von Irland, in Mayo. Dort wurden sie sesshaft, heirateten, arbeiteten. 'Möge die Straße dir entgegeneilen, möge der Wind immer in deinem Rücken sein.' Der alte, irische Segensspruch löste nicht immer ein, was er versprach: Der Wind war oft Sturm und schüttelte 'das alte Haus, das aus den Steinen wuchs'. Die Künstlerinnen hielten ihre Leidenschaft dagegen, für das Leben, für die Malerei, für die Literatur; sie hatten ihre Begabung und einen Rucksack mit Wissen und Rüstzeug, erworben an den Hochschulen in Leipzig - Bindung für immer an ihr Geburtsland, das ihnen fremd geworden war. Die Malerin Helga Kaffke ist im Winter 2017 gestorben. Gabriele Berthel teilt ihr Leben auf der Insel nach dem Tod der Ehegefährtin mit Tausenden hinterlassenen Blättern. Aquarelle, Farbe auf Papier, Porträts von Landschaften, Menschen und Tieren, in Kaffke-Art. Kaffke-Art ist ein Gütesiegel. Niemand aquarelliert wie sie. Stürzende Linien, schräge Senkrechte, so chaotisch, dass man Karthago schon fallen sieht, und doch bleibt 'ein Guckloch zum Himmel', irgendwo. Großartig. - Gabriele Berthel malt mit der Sprache. Ebenso großartig, und emotional bis zum Schmerz. Sie malt in Prosa und Poesie. Mischt Märchen und Wirklichkeit, deckt erdigen Realismus mit Melancholie. So entsteht an einem fernen Ort der Welt, wo der Mensch im Vergleich zu Himmel und Meer ein Zwerg ist, ein Buch für jeden Ort der Welt über die Liebe zum Leben und über die Kraft, es auszuhalten. 'An diesem Platz hat immer ihr Leben im Wind gehangen - Jacke wie Hose zwischen zwei morschen Stangen. Und sie hält still, der Erde zugekehrt - die kennt sie gut - die war ihr Leben wert.' Helga Kaffke. Gabriele Berthel. Lange waren ihre Namen aus den Kulturnachrichten verschwunden. Das wird sich ändern. In Schwerin und anderswo. Helga Kaffke Geboren 1934 in Leipzig. Fotolithografin. Studium und Diplom an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Malerin, Grafikerin. Seit 1959 freiberuflich tätig, zunächst in Leipzig, später in Schwerin. Studienreisen nach Bulgarien, Frankreich, Irland, Polen, Rumänien, Ungarn. Einzelausstellungen u.a. in Achim, Annaberg, Chemnitz, Clemenswerth, Eupen/Belgien, Flensburg, Geringswalde, Leipzig, Magdeburg, Parchim, Rostock, Schwerin, Sögel, Westport (Co. Mayo, Irland) sowie in verschiedenen Städten Frankreichs (Rouen, Yport, Sassetot le Mauconduit). Lebte und arbeitete bis zu ihrem Tode Ende 2017 an der irischen Westküste. Gabriele Berthel Geboren 1948 in Schmölln. Werkzeugmacher. Studium an der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt (Chemnitz). Diplomingenieur für Werkzeugmaschinenkonstruktion. Literaturfernstudium. Schriftstellerin, Collagistin. Bücher: 'Kurz und mündig" (Hrsg. 1989), 'Auszug der Wahrheit' (Lyrik, Prosa, Collagen, 1991), 'Die Teufelei geht weiter' (Collagen zu Aphorismen von K. Bernardt, 1992), 'Wer kämmt das Haar in der Suppe?' (2004, mit Illustrationen von Helga Kaffke), 'Leben, was sonst' (2010, Texte zu Porträts von Helga Kaffke), 'VALSE MUSETTE. ROUEN en miniature' (2016, Texte zu Aquarellminiaturen von Helga Kaffke). Lebt und arbeitet heute an der irischen Westküste.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 201
    Erscheinungsdatum: 16.07.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956558917
    Verlag: EDITION digital
    Größe: 4240 kBytes
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WALKING TALKING

WALKING TALKING Alles hängt vom Gleichgewicht ab. Noch fünf Schritte, sechs, dann fällt die Straße steil ab in die Senke. Man muss das mitkriegen. Man muss die Kuppe genau im Auge behalten. Wenn man zu flott rankommt, ist man ruckzuck unten. Es zieht einem die Gräten weg. In der Senke hält sich die Nässe am längsten. Weil der Wind bloß drüberhin pfeift und die Sonne gar nicht erst auftaucht, oder nur auf einen Sprung, nur um Bescheid zu sagen, dass sie nicht kommt. Dort unten, am Grund, bleibt die Straße, wie sie immer war. Mit riesigen Lachen vom Regen. Mit tiefen Schlammlöchern. Es ist ein schwieriges Stück. Man kann nur einen Fuß vor den anderen setzen. Das muss man raushaben. Am besten ist es, genau in der Mitte zu gehn, denn die Straße schwankt ein bisschen. Der Schmadder im Graben tut nicht weh. Es dauert bloß, bis man hochkommt. In Paddys Schädel zwitschert das Stout. Paddy hört es gut, er kennt jeden Ton, er kann sie genau auseinanderhalten. Bisschen die Kehle nassmachen war er, in Snoopy`s Bar, aber er hält sich so aufrecht er kann, das muss man bringen, einen abbeißen und hinterher gradegehn, alles hängt vom Gleichgewicht ab, das kann man hinkriegen. Man muss den Pfiff kennen, dann ist es so einfach wie einen Fuß vor den anderen zu setzen, langsam, es hat keinen Zweck, so aufzudrehn. Wenn Paddy ehrlich ist, muss er zugeben: mehr Tempo würden seine Treter gar nicht durchhalten. Nicht dass sie schon in Fetzen gehn, Leder, weiß Paddy, kann einiges ab, das ist zäh. Aber die Schnürsenkel, die sind fort, so'n Krempel ist fix erledigt, am Ende kaum gut für'n Knoten, Paddy hat das nicht gebracht. Klar kann er neue kaufen, kann er sich leisten, macht er nicht, die Botten schlackern bisschen, es geht so, es geht, man muss das weghaben, Dampf machen hat keinen Sinn. Auch wegen dem Graben. Der tut Paddy nicht weh, aber Martha, Martha würde gleich sehn, wenn er im Schmadder gelegen hat. Martha sieht alles. Dann ginge das Jammern wieder von vorne los. Das ganze Lamento. Oder womöglich nicht. Weil ja auch Martha weg ist. Nicht zäh genug. Nicht zäh. Martha kann Snoopy nicht leiden. Weil der kein Ende macht, wenn Paddy keins kennt, wenn er sich zu viel auf die Lampe gießt, aber was bleibt ihm denn übrig, wo er's bloß tut, damit die Musik wiederkommt, das Zwitschern, das braucht seine Zeit. Snoopy's Stout ist gut für Musik. Man muss es in kleinen Schlucken trinken, in ganz kleinen, beinahe wie Tee, das zieht sich hin, man muss warten können. Sowieso ist Paddy immer der letzte am Tresen, der erhört wird, der allerletzte, das dauert, warten kann Paddy endlos. Je kleiner die Schlucke, desto später kommt das Kribbeln im Bauch an. Je später das Kribbeln im Bauch ankommt, desto besser ist die Musik im Schädel. Das ist einfach. So wie man einen Fuß vor den anderen setzt, langsam, Paddy hat das drauf. Shut up, Martha, sagt Paddy,vorsichtshalber, damit nicht alles wieder von vorne anfängt, und das ist ein Rüffel, aber er sagt noch bisschen mehr, nix Besonderes, so Zeugs eben, für Martha bestimmt, die wird schon ein Ohr dafür haben, Martha hat immer genau hingehört. Der Weg von Snoopy's Tresen zu Paddys Koje zockelt sich so weg, Paddy spricht im Gehen und geht im Sprechen, und es scheint ihn nicht zu wundern, dass ein Gespräch einfach so in der Luft liegt. Er weiß ja noch, wie man das macht: das Wort ergreifen, wenn es vorbeikommt. Der Weg zockelt sich weg, schwankt, aber ist sicher, da kennt Paddy wirklich ein anderes Schlingern, lange her, lange vorbei, aber nichts ist verloren, Paddy kennt jeden Ton, jeden Zuruf, er kann sie genau auseinanderhalten - wo doch schließlich alles abhing davon: ob die Fische im Kahn landen oder der Kahn bei den Fischen und natürlich die Kiste Makrelen vom Fang für Paddy, den handyman, den Handlanger, darauf hat sich Paddy verstanden, das hat er gebracht, so'n Leben kann da schon drüber hingehn, man darf bloß nicht eilig sein. Große Fänge wird Paddy nicht mehr

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