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Lesereise Afrika Im Herz das Feuer. Quer durch den Kontinent von Altmann, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2012
  • Verlag: Picus
eBook (ePUB)
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Lesereise Afrika

In Kairo beginnt Andreas Altmann seine Reise in den Süden Afrikas. Mit viel Sinn für die absurde Komik des Schrecklichen führt uns der renommierte Reporter durch diesen geheimnisvollen Kontinent; dabei hat Altmann keinerlei Berührungsängste: Er geht nah heran und verführt die Menschen zum Reden. So entsteht ein Kaleidoskop beeindruckender Momentaufnahmen: der Besuch beim Friseur, der mit einer Ziege auf seinem Schoß in seinem Laden sitzt; die fünfköpfige Familie, die in die Totenstadt im Osten von Kairo gezogen ist, weil unter den Lebenden kein Platz mehr war. Auf Sandpisten und Dschungelwegen nähert sich Altmann langsam seinem Ziel - durch den Sudan, Zentralafrika, Sambia, Simbabwe, Botswana nach Südafrika. Immer wieder wird das Vorankommen zur fast unlösbaren Aufgabe: Die scheinbar verlorene Art des Reisens bringt ihn an seine körperlichen Grenzen, er wohnt in Hotels 'mit einem halben Stern' oder verbringt die nächtliche Überfahrt auf dem Lake Nasser auf einem Küchentisch dösend. Altmann versteht es, den Abgründen dieses Landes nicht auszuweichen und dennoch der Poesie seiner Menschen gerecht zu werden, denn: 'Ihr Leben ist schwer und ihre Worte sind leicht. Die träumen.'

Andreas Altmann, Reporter und Buchautor. Ausbildung am Mozarteum in Salzburg, Schauspieler am Bayerischen Staatsschauspiel und am Wiener Schauspielhaus. Arbeitete als Chauffeur, Tellerwäscher, Nachtportier, Fabrikarbeiter, Dressman, lebte in einem indischen Aschram, später in einem Zen-Kloster in Japan, zog nach New York und Mexico City. Erst dann fing er mit dem Schreiben an. Für seine Reportagen und seine Bücher wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.?a. mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis, dem Seume-Literaturpreis und dem Reisebuch-Preis. Er lebt heute in Paris. Im Picus Verlag erschien seine Lesereise Afrika

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 132
    Erscheinungsdatum: 01.07.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783711751140
    Verlag: Picus
    Größe: 678kBytes
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Lesereise Afrika

Kairo, wenn es Nacht wird, wenn es Tag wird

Eines Nachts schlendere ich durch die leeren Straßen von Old Cairo und sehe unter dem fahlen Schein einer Laterne jemanden stehen, der mich herüberwinkt. Seine Handbewegung hat etwas seltsam Suggestives. Ohne zu zögern gehe ich auf ihn zu. Als ich vor ihm stehe, umarmt er mich und fährt behutsam mit den Fingern über mein Gesicht. Er zieht mich zu sich heran, und ich erkenne seine toten Augen. Er küsst meine Stirn. Einmal, sacht, ohne freche Intimität. Der Alte sagt nichts, und ich habe den Kuss wohl verstanden. Er ist blind, und er ist allein. Wer immer hier durch diese verlassene Gasse kommt, wird geküsst. Als Heilmittel gegen die Einsamkeit. Seine. Und die des Fremden.

Im Westen beginnen Märchen mit "Es war einmal". Hier heißt es Kan ya makan , was wohl so viel bedeutet wie "Es gab einmal, es gab einmal nicht". Vielleicht passierte es, vielleicht passierte es nicht. Die arabische Sprache ist zuallererst Zauberer. Um eine Wirklichkeit herzustellen, die in der Realität nicht stattfindet. "Ein Morgen voller Segen, ein Morgen voller Licht", so begrüßen sie sich hier. Auch wenn der Tag trüb ist und düster, auch wenn sie im nächsten Augenblick zurückkehren zum Unrat und den Pariahunden ihrer Straßen. Ihr Leben ist schwer und ihre Worte sind leicht. Die träumen.

Weiß jemand ein offensichtlicheres Beispiel für die Verführungskraft der arabischen Sprache als jene tausend Nächte lang fantasierende Scheherazade, die um ihr Leben plappert, um nicht wie alle anderen Jungfrauen vor ihr den hübschen Kopf abgeschlagen zu bekommen?

Ich muss aufpassen. Die Lust zum Träumen ist ansteckend. Ich war zu lange in Arabien. Die Geschichte vom Alten, der mich umarmte: So steht sie in meinem Tagebuch. Alles andere ist längst umstritten. Ich schwöre, dass ich wahr sein will. Aber schon fühle ich mich schwach, benebelt von einem Land, dessen Sprache zum Fliegen taugt, zum Abheben und Fantasieren. Nur eiserne Disziplin wird helfen. Um nüchtern zu bleiben und zu berichten, was war, und was nicht. Auf der Reise durch Kairo und den weiten Weg hinunter in den Süden.

Nüchtern, schreibe ich. Und schon am nächsten Tag rauscht mir der Kopf. Wieder winkt jemand herüber. Diesmal Bauarbeiter, die mich zu ihrer Mittagspause einladen. Das Teewasser zischt, die Wasserpfeife blubbert. Ein strahlender Dicker kommt dazu. Er packt sein Haschisch aus, mischt es mit dem Tabak der Pfeife und streckt mir das Mundstück entgegen. Ich sauge dankbar und frage zerstreut nach den Vorsichtsmaßnahmen. Ob die Gegend – taghell im Nobelviertel El Zamalik – sauber sei, ohne zudringliche Polizei. Der Dicke grinst hämisch und zieht seinen Ausweis heraus. Einmal bin ich fällig, ich wusste es. "Inspector Mohamed G." steht da. Links oben klebt sein Bild. Der perfide Fettkloß, unverkennbar. Mein Schreck gefällt ihm. Dann kichert er: "No problem, no, no." Inniges Gelächter der Umstehenden. Hier spitzelt niemand, ab sofort rauchen wir unter Polizeischutz.

Kairo bremst keiner mehr. Wie ein gefräßiges Monster lauert es an den beiden Seiten des Nils und frisst sich in die Wüste. Mit Mexico City rast es um die Wette, wird irgendwann siegreich und tot das Rennen beenden. Ausgelöscht von zu vielen Menschen, zu vielen Tieren, zu viel Erschöpfung. Eine Sprache für das Monster gibt es schon lange nicht mehr. Zu maßlos wuchern seine Ausmaße. Ich will nur Nahaufnahmen liefern. Mit etwas Glück verschaffen sie eine Ahnung von der Totalen.

Ich kaufe einen Stadtplan. Ein letzter Versuch, die Stadt wenigstens virtuell in den Griff zu bekommen. Sie so zu verkleinern, dass a

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