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Der Unbeugsame Das Leben des Khazan Gul Tani für Afghanistan von Koch, Monika (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.12.2013
  • Verlag: Kahl Verlag
eBook (ePUB)
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Der Unbeugsame

Wann er geboren ist, weiß Khazan Gul nicht. Aber er weiß, wofür er lebt: Er möchte Afghanistan befreien, durch Bildung und Landwirtschaft. Die erste Begegnung mündet in eine heftige politischen Diskussion und endet mit einer Einladung in die Provinz Khost: Einige Wochen später gehen Monika Koch und Heiner Tettenborn zusammen mit Khazan Gul durch entlegene Bergdörfer. Sie besuchen an unwahrscheinlichen Orten funktionierende Dorfschulen und kauern in einer Höhle, die er zum Schutz vor den Bomben der Sowjetarmee gegraben hat. Auf Autofahrten, beim Tee und an langen Abenden ohne Fernsehen und Internet erzählt er ihnen von seiner Kindheit in großer Armut, dem Studium in Deutschland, dem Guerillakampf gegen die sowjetische Besatzung, Landwirtschaftsprojekten, Schulgründungen als Erziehungsminister und seinen neuen Plänen und Visionen für Afghanistan. Monika Koch und Heiner Tettenborn können kaum glauben, dass die Erlebnisse von Khazan Gul in einem einzigen Leben Platz haben. Fasziniert beginnen sie, seine Schilderungen und ihre Reisen mit ihm aufzuzeichnen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 16.12.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783938916223
    Verlag: Kahl Verlag
    Größe: 7331kBytes
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Der Unbeugsame

Unterm Maulbeerbaum
von Heiner
"Im Winter hatten wir immer sehr wenig zu essen. Ich erinnere mich, dass wir einmal gar nichts mehr hatten, meine Mutter, meine Schwester, mein Bruder und ich. Mein Vater war schon gestorben, meine älteren Geschwister lebten nicht mehr bei uns. Wir hatten großen Hunger. Meine Mutter ist mit unserem und einigen geliehenen Eseln in die Berge gegangen. Sie hat Sisal gesammelt und mit nach Hause gebracht. Aus den Blättern machen wir in Afghanistan Teppiche. Mit dem Sisal wollte sie in das Gebiet der Zadran gehen, das liegt westlich von hier."
Khazan Gul deutet in Richtung einer weiter entfernten Kette von Bergen, die sich dunkel gegen den hellblauen, wolkenlosen Himmel abzeichnet. Seine Hand und sein Gesicht sind braun und zerfurcht, in seinem langen Bart mischen sich graue und weiße Haare. Die Luft ist staubig, es weht ein heißer Wind. Die Berge sind nicht sehr deutlich zu sehen, mehr als Silhouette, und davor erstreckt sich steiniges, teils hügeliges, teils flaches Land, auf dem kaum etwas wächst.
"Die Zadran sind auch ein Stamm, so wie die Tani, zu denen ich gehöre. Bei den Zadran gibt es keinen Sisal. Meine Mutter wollte ihn dort gegen Weizen oder Reis oder irgendetwas eintauschen. Ich habe gesagt: &8250;Ich gehe auch mit.&8249; Aber sie wollte mich nicht dabeihaben. Ich war der Jüngste und noch sehr klein. Da habe ich so geweint, dass sie mich am Ende doch mitgenommen hat. Wir sind in das Zadran-Gebiet gelaufen. Das ist einen Tag zu Fuß entfernt."
Wir sitzen auf einem Teppich im dichten Schatten eines großen Maulbeerbaumes neben einer Dorfmoschee. Gerade haben wir zu Ende gegessen, Linsen und Reis mit zerlassener Butter. Khazan Gul spricht mit uns auf Deutsch. Unsere Gastgeber, Freunde von Khazan Gul, dösen oder unterhalten sich auf Paschtu. Wir sind satt, etwas müde und bewegen uns kaum, so lässt sich die Hitze einigermaßen aushalten. Das Dorf liegt auf einem Hügel am Fuß von schütter bewaldeten Bergen. Schaut man in die entgegengesetzte Richtung, so wird es flacher, dahinter erheben sich weitere Bergketten, auf eine von ihnen hat Khazan Gul gerade gezeigt. Ich stelle mir vor, wie ein kleines, vielleicht vierjähriges Kind mit seiner Mutter über das karge Land wandert. Beide sind hungrig, die Mutter zieht beladene Esel hinter sich her. Kein Baum und kaum ein Strauch schützen vor Wind und Sonne. Schon mir als Erwachsenem scheint der Weg endlos. Wie es hier im Winter aussieht, kann ich mir im Augenblick schwer vorstellen.
"Wir haben für den Sisal etwas Reis und Weizen bekommen. Danach sind wir zu einer Frau gegangen, sie hieß Jima Gula, das bedeutet Freitagsblume. Sie war auch Witwe, wie meine Mutter, eine sehr arme Frau. Wir haben bei ihr übernachtet. Als wir am nächsten Morgen aufgestanden sind, lag Schnee, hüfthoch, und es war sehr kalt. Aber wir mussten nach Hause. Meine Schwester und mein Bruder hatten nichts zu essen, meine Mutter musste für sie sorgen. Ich hatte nur zerrissene Kleider, keine Schuhe und auch keine richtige Hose. Jima Gula hat mir eine Jacke gegeben, aber auch die war alt und hatte Löcher. Meine Mutter hat mich auf einen der Esel gesetzt. Es hat geschneit und gewindet. Man konnte den Weg nicht sehen, oft ist sie tief in den Schnee gefallen. Ich wurde so kalt, dass der Schnee auf meinen nackten Beinen liegen blieb. Zwei oder drei Kilometer vor Dragai, unserem Dorf, war ich fast bewusstlos vor Kälte. Meine Mutter hatte große Angst, dass ich sterbe, wenn sie mit mir weitergeht. Einige hundert Meter vom Weg entfernt gab es ein Haus. Da wollte sie mich hinbringen. Sie musste mich mit Gewalt vom Esel herunterziehen, ich war richtig festgekrallt. Dann hat sie mich auf ihre Schultern gelegt. Aber ich konnte mic

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