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DuMont Reiseabenteuer Indonesien und so weiter Die Erkundung einer unglaublichen Nation von Pisani, Elizabeth (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.03.2016
  • Verlag: DuMont Reiseverlag
eBook (ePUB)
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DuMont Reiseabenteuer Indonesien und so weiter

Einheit in der Vielfalt Die Unabhängigkeitserklärung Indonesiens im Jahr 1945 hält fest: "Die Details der Machtübertragung und so weiter werden so schnell wie möglich geklärt". Dieses "und so weiter" ist bis heute kein abgeschlossener Prozess, und vielleicht ist es gerade das, was das Land so spannend und so exotisch macht. Wie soll man sich überhaupt ein so zersplittertes Riesenreich vorstellen, das aus rund 6000 bewohnten Inseln, 240 Millionen Einwohnern, mehreren Hundert Ethnien und ebenso vielen Sprachen besteht? Mit Menschen, die so unterschiedlichen Religionen wie dem Islam, dem Hinduismus, Buddhismus oder Christentum angehören, und einer Geschichte, in die sich arabische, indische, chinesische und europäische Einflüsse eingeschrieben haben? Jede Insel ist hier ein ganz eigener Mikrokosmos. Von 2011 bis 2012 macht sich die Indonesien-Kennerin Elizabeth Pisani auf, den Archipel von Insel zu Insel zu erkunden, als Frau und allein. Jede sich bietende Gelegenheit, in Alltagssituationen einzutauchen, jede Einladung, jedes spontan sich ergebende Gespräch nimmt sie auf, sie lässt sich treiben, und gerade dadurch taucht sie so tief in diese " unglaubliche" Nation ein wie wohl kaum jemand vor ihr. Elizabeth Pisani erlebt die indonesische Inselwelt zwischen Mythen, Mystik und Moderne hautnah. Dieses E-Book basiert auf folgender Printausgabe: 1. Auflage 2015 Elizabeth Pisani, 1964 in Amerika geboren, studierte in Oxford und arbeitete von 1988 bis 1991 als Journalistin und Korrespondentin für die Nachrichtenagentur "Reuters" und den "Economist" in Indonesien, Indien und Hongkong. Nach ihrer Ausbildung zur Epidemologin arbeitete sie unter anderem in Indonesien und für die Weltgesundheitsorganisation. Während eines Sabbaticals bereiste sie 2011-2012 den indonesischen Archipel auf eigene Faust und allein. Ihr 2014 erschienenes Werk "Indonesia ETC." wurde von "The Economist" sowie "The Wall Street Journal" für die Wahl des besten nichtfiktionalen Buches 2014 gelistet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 500
    Erscheinungsdatum: 02.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783770199907
    Verlag: DuMont Reiseverlag
    Größe: 4003 kBytes
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DuMont Reiseabenteuer Indonesien und so weiter

Prolog

"Miss! Kommen Sie, ich möchte Ihnen meine Oma vorstellen!" Diese Einladung kam vor etwa zwanzig Jahren von einem lächelnden jungen Mann, der mich über eine unbefestigte Straße auf der wenig bekannten südostindonesischen Insel Sumba wandern sah. Es war brütend heiß, der Staub wie heiße Asche, und ich hatte fürchterlichen Durst. Seine Oma hatte wahrscheinlich Geschichten zu erzählen, und ein, zwei Gläser Tee waren mir mehr als willkommen. Warum also nicht? Ich kletterte die Leiter auf eine Bambusveranda hinauf, auf der ein paar Kinder mit Gongs und Trommeln herumlärmten, und duckte mich durch eine niedrige Tür in einen dunklen, fensterlosen Raum. Nach und nach ließ das durch die gewebten Bambuswände dringende Licht ein Plakat mit Jesus und seinem heiligen Herzen erkennen. Auf einem Bambusstuhl lag ein Sack mit schmutziger Wäsche, ansonsten war der Raum leer. Keine Oma.

"Einen Moment!" Der junge Mann ging zu dem Wäschesack, band ihn auf und schlug das oberste Tuch zur Seite, unter dem die Oma zum Vorschein kam. Sie war tags zuvor gestorben und würde bis zu ihrer Beerdigung vier Tage später Gäste empfangen, wie es der örtlichen Sitte entsprach. "Es ist eine Ehre für sie, Sie kennenzulernen", sagte er, und wir setzten uns und tranken Tee.

Indonesien ist ein Land voller Unglaublichkeiten. Ein Präsidentschaftskandidat, der gleichzeitig Sultan ist und im Nebenberuf die Handelskammer des Landes leitet, hält an seinem Hof eine Gruppe zwergwüchsiger Albinos als Glücksbringer. Ein Polizeichef erklärt, man habe die Krokodile zusammengerufen, damit die Unschuldigen unter ihnen den Menschenfresser in ihrer Mitte benennen. Es ist ein Land, in dem man mit einem General ein Bier trinken kann, der frohgelaunt zugibt, einen Guerillakrieg zu verlängern, weil das seinem Budget gut tut - und in dem man zum Tee mit einer Leiche eingeladen wird.

Tatsächlich ist das Land selbst eine Unglaublichkeit. Es besteht aus 13 466 Inseln mit Menschen aus über 360 Ethnien, die 719 Sprachen sprechen. (1) In seiner heutigen Form existiert es, weil Vulkanasche und Seeluft von Europäern begehrte Gewürze wachsen ließen, und da die Europäer sich im Unterschied zu ihren arabischen, indischen und chinesischen Vorgängern nicht damit zufriedengaben, sie den örtlichen Prinzen und Sultanen abzukaufen, führten sie Monopole ein, die zu Auseinandersetzungen, Kolonisierungen, Kleptokratien und schließlich einem Unabhängigkeitskrieg führten. Aus den Trümmern all dessen wurde der moderne indonesische Staat geformt.

Als die Gründungsväter des Landes 1945 ihre Unabhängigkeit von der holländischen Kolonialmacht erklärten, taten sie das mit folgenden Worten: "Wir, die indonesische Nation, erklären hiermit die Unabhängigkeit Indonesiens. Die Angelegenheiten im Zusammenhang mit dem Machtwechsel usw. werden sorgfältig und so zügig wie nur möglich erledigt."

Seitdem arbeitet Indonesien an diesem "Und-so-weiter".

Viele entkolonisierte Länder hatten und haben Schwierigkeiten, ein Selbstverständnis zu finden, das über die von ihren ehemaligen Kolonialmächten gezogenen Grenzen hinausgeht, aber nur wenige müssen so viele unterschiedliche Elemente in sich vereinen wie Indonesien. Der moderne indonesische Staat schmiegt sich auf den Gürtel der Erde und überspannt dabei eine Entfernung wie von London bis Teheran oder von Anchorage in Alaska bis nach Washington D.C. Am äußersten nordwestlichen Ende auf Sumatra liegt Aceh, bewohnt von muslimischen Malaien, deren Züge einen leicht arabischen Einschlag haben und die stolz darauf sind, ihr Land die "Veranda Mekkas" zu nennen. 5 200 Kilometer östlich davon liegt die Provinz Papua, die den Großteil der westlichen Hälfte der riesigen Insel Neuguinea ausmacht und die Heimat schwarzhäutiger Menschen ist, von denen viele bei meinem ersten Besuch bis auf Penisköcher nackt waren. Im Übrigen haben sie einige der ausgeklügeltsten landwirtschaftlichen Anbautechnike

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