text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Deutschland. Ein Wandermärchen Unterwegs mit einem Koffer voller Gedichte von Bössen, Anna M. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.05.2016
  • Verlag: Ludwig
eBook (ePUB)
13,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Deutschland. Ein Wandermärchen

Mit Fahrrad und Gedichten auf der Walz - eine andere Reise durch unser Land Unterwegs durch eine unbekannte Heimat Bin ich Deutschland? Um das zu erfahren, reist die die Rezitatorin Anna Magdalena Bössen durch die ganze Republik und ein wenig über die Grenzen hinaus. Wie die alten Geschichtenerzähler tritt sie überall dort auf, wo sie eingeladen wird. Dafür gibt sie ihre Wohnung auf, lässt den Job ruhen und wagt das Leben neu. Die Autorin wird Mitmenschen treffen und Zeitzeugen sprechen, beim Adel residieren und in Wohnzimmern rezitieren, Dörfer entdecken und in Städten versinken - und lernen, warum aus jeder Richtung der Gegenwind kommt. Ein Buch, das von der Freiheit des Unterwegsseins erzählt und dieses Land und seine Menschen auf eine ebenso lebendige wie ehrliche Weise einfängt. Ein Buch voller Begegnungen und Entdeckungen, voller Überraschungen und Erfahrungen: ein Wandermärchen! Anna Magdalena Bössen, geboren 1980, studierte in Stuttgart Rezitation mit Diplomabschluss. Anschließend führte sie Literaturschauspiele im Hamburger Hafen auf und arbeitete deutschlandweit als Sprechcoach. Eines Tages beschloss sie, per Fahrrad und mit Gedichten im Gepäck auf Wanderschaft zu gehen. Wenn sie nicht durch Deutschland tourt, lebt Anna Magdalena Bössen in Hamburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 09.05.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641176853
    Verlag: Ludwig
    Größe: 13025 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Deutschland. Ein Wandermärchen

Aufbruch am Deich oder: Aus dem Nest geschmissen

Hamburg - Elmshorn

Heute ist es so weit: Sonntag, der 10. Mai 2014. Heute beginnt meine große Reise, die ich monatelang vorbereitet habe und für die ich eine Menge aufs Spiel setze. Ich tausche finanzielle Sicherheit, Privatsphäre und Selbstbestimmung gegen Unsicherheit, Abenteuer und Gottvertrauen. Ich tausche meinen vollen Kleiderschrank, mein weiches Bett und meine große Badewanne gegen einen harten Ledersattel, zwei Packtaschen voller Funktionskleidung und einen knallgelben Koffer, den ich von seinem verstaubten Dachbodendasein befreie. Vor mir liegen Tausende Kilometer durch mein Land, aufgeteilt in vier Etappen: Norden, Osten, Westen, Süden. Geplant sind acht Monate Reisezeit. Im Moment habe ich erst ein paar Dutzend Gastgeberangebote, die meisten aus dem Norden. Daher starte ich mit dem Gebiet vor meiner Haustür. Ich muss aber während der Reise ordentlich trommeln, damit ich immer ein Dach über dem Kopf habe.

Idealerweise wäre ich an diesem besonderen Tag körperlich fit, ausgeschlafen und guten Mutes. Leider bin ich nichts davon. Ich bin hundemüde, die letzte Nacht habe ich kaum ein Auge zugetan, die Nächte davor war es nicht besser. Ständig bin ich meine Siebensachen in den Satteltaschen durchgegangen, die Gedichte für das Kofferprogramm, das ich bei den Gastgebern darbieten werde, und den heutigen Ablauf. Bis jetzt läuft alles wie geplant: Viele meiner Freunde sind bei mir, sie haben Kuchen und Obstquark mitgebracht, der Tisch biegt sich unter dem pompösen Frühstück. Ich kriege keinen Bissen hinunter. Da, es klingelt, das müssen sie sein: und richtig, vor der Tür parkt ein weißer Van, in blauer Schrift zieht sich ein Slogan über die Tür: Das Beste am Norden. "Das Fernsehen kommt", rufen die Kinder am Fenster aufgeregt.

Nico, ein Redakteur vom NDR, hatte sich vor ein paar Tagen angekündigt, um für die Sendung DAS! über das Projekt zu berichten. Dankbar habe ich ihn zur Abfahrt eingeladen, denn durch die Medien kann ich potenzielle Gastgeber auf mich aufmerksam machen. Bisher stammen die meisten Einladungen auf meiner eigens für das Projekt programmierten Deutschlandkarte, auf der sich gewillte Gastgeber eintragen können, von Freunden und Familienmitgliedern. Ich freue mich also einerseits über das Kamerateam, das nun die enge Treppe hochgestiefelt kommt, und andererseits macht es mir ein mulmiges Gefühl: Nun gibt es Beweisaufnahmen und damit kein Zurück mehr.

Die Dreharbeiten lenken mich etwas ab: Tür öffnen, Koffer greifen, noch einmal, bitte, dann ist es plötzlich Mittag und Nico, der Redakteur, sagt: "So, also, wir könnten jetzt." - "Na klar. Was könnt ihr?" - "Abfahren" - "Gut", sage ich etwas verwirrt. "Also, du könntest jetzt abfahren." - "Ich? Wie jetzt - sofort?"

Ja, das meint er wohl, ich soll jetzt abfahren, meine Freunde sollen winken, das Filmteam wird filmen, die Aufgaben sind eigentlich klar verteilt.

Ich denke es nicht nur, ich sage es sogar laut: "Das schaffe ich nicht!" Und verschwinde im Schlafzimmer, ziehe die Tür hinter mir zu und lasse mich aufs Bett fallen. Es ist schon 14 Uhr, wir haben länger gedreht und wollen am Deich noch Aufnahmen machen, und dann sollen es über 70 Kilometer nach Elmshorn sein. Es beginnt zu regnen, und ich fühle nur noch Erschöpfung. Ich bin mir sicher: Wenn ich jetzt losfahre, komme ich keinen Kilometer weit, geschweige denn 70. Sobald das Filmteam weg ist, werde ich mich in die nasse Wiese setzen und nur noch heulen.

Meine Freunde klopfen jetzt vorsichtig an die Schlafzimmertür: Als sie mich voll Hoffnungslosigkeit auf dem Bett liegen sehen, reagieren sie verständnisvoll und sagen Sachen wie: "Du musst doch gar nicht heute fahren, der Auftritt ist erst morgen!" Und: "Wir machen das so: Du fährst, wir winken, der NDR dreht, dann dreht der NDR ab und du drehst um. Und kommst zurück. Und schläfst

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen