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Ein Mann, ein Boot von Barth, Rüdiger (eBook)

  • Verlag: Malik
eBook (ePUB)
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Ein Mann, ein Boot

"Einmal machte ich mit Freunden einen Törn durch die dänische Südsee als Mitsegler, sprich: Ballast. Nachmittags ankerten wir, schwammen, lasen und tranken. Die Sonne ging kurz vor Mitternacht unter, der Himmel färbte sich langsam rot, das Wasser gluckste uns in den Schlaf. Schöner kann die Welt kaum sein. Kurz darauf machte ich auf der Alster den Sportbootführerschein. Hört sich gut an, aber segeln konnte ich trotzdem nicht. Wenn sich die Jolle jäh auf die Seite legte, krallte ich mich an der Bordwand fest. Wenn die Segel knallten, schaute ich besorgt auf den Mast. Und wenn ich in den Hafen gedonnert kam, scheuchte ich schon mal ein paar Optimisten aus dem Weg. Mir blieb nur eins: mir endlich ein eigenes Boot zu kaufen." Rüdiger Barth, Jahrgang 1972, im Schwarzwald aufgewachsen, lebt mit seiner Familie in Hamburg. Er ist Mitglied der Chefredaktion des stern und veröffentlichte bei Malik "Die 10 - Magier des Fußballs", "Wilde Dichter" und zuletzt "Ein Mann, ein Boot".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492952798
    Verlag: Malik
    Größe: 17216 kBytes
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Ein Mann, ein Boot

EINS VORWEG, dieses Buch ist nichts für trockene Kehlen. Es wird manches Mal geflucht auf den folgenden Seiten, ich weiß auch nicht recht, warum, muss mit dem Bootsleben zu tun haben. Mit der Art, wie wir sailors so sind. Es wird auch oft gesoffen in diesem Buch, da werde ich keinen enttäuschen, no, Sir, doch am Ende werden Sie, verehrte Leser, die Böe in der Ferne wittern können, so wie ich sie zu wittern gelernt habe - und wie ich lernte, die Wellen auszureiten und den Rum zu verschütten und den Anker zu lichten und in einer mondhellen Nacht vielleicht sogar Schmetterlinge aus Lichtfunken ins Meer zu malen. So vieles. Ich habe gelernt, einen Traveller nach Lee rauschen zu lassen - was auch immer das ist, ein Traveller - und einen elf Meter hohen Mast zu legen; ich habe bei Windstärke fünf bis sechs Anlegemanöver gemacht, bis ich das Anlegen beinahe beherrschte; ich kann neuerdings sogar über Bord pinkeln, ohne die Pinne loszulassen. Bei allem Respekt, es erwartet Sie ein wilder Ritt, wenn Sie noch ein hundsgewöhnlicher Landmensch sind. Wer schwanger ist oder es schnell am Nacken kriegt, sollte besser aussteigen, wem leicht übel wird, dem rate ich rundweg von der Lektüre ab. Also Leuten wie mir selbst. Ich will keinem was vormachen. Ich gehörte nicht immer zu den Helden der See. Es gibt in unserem Land Millionen Menschen, die figgerig werden, wie ich es werde, wenn man ihnen eine Silikonpistole in die Hand drückt. Die eine Heidenangst schon bei der Vorstellung bekommen, auf einer schlingernden Plastikschale in ein Gewitter zu geraten. Und genug, da wette ich, die, wenn sie sich hinter die Brandung gekämpft haben, sofort dieses »Der weiße Hai«-Thema hören, dudu-dudu- dudu, und beim Schwimmen im Meer die Beine anziehen. Aber von denen will ja keiner ein eigenes Boot, oder? Vielleicht sind Sie aber auch, wie ich es war. Sie hätten gern eines. Sie trauen sich aber nicht. Nicht nur es zu wagen, sondern sogar es auszusprechen. Weil es so lächerlich klingt. Weil so vieles dagegenspricht. Zum Beispiel die eigene Ehefrau. Meine sagte: »'tschuldigung, mein Lieber, aber wenn es einer nicht kann, dann du.« Das hat sie gesagt, ich schwör's, und zwar gerade, als ich mich aus innerster Überzeugung aufgemacht hatte, ein Seemann zu werden. Schon lange hatte ich davon geträumt, ein Boot zu besitzen. Ein richtiges Boot mit Segeln, das lautlos übers Meer gleitet, nur die Kraft der Winde ausnutzend, eins mit Kojen, in denen man schlafen kann, einem Kühlfach, in dem eiskaltes Bier lagert, und einem bleiernen Anker, den man auswirft, wenn man eine Bucht entdeckt hat, in der das Wasser den roten Abendhimmel spiegelt. Mehrere meiner Freunde besitzen ein Segelboot. Sie sagten schon lange »Du musst dich zu deinem Glück zwingen. Kauf dir ein Boot, das kostet nicht so viel, wie du denkst. Wenn du eins hast, lernst du das Segeln. Und wir helfen dir.« Ich fand stets, das klang gut. Selbstverständlich hörte ich mir alle Gegenargumente an. Sie waren durch und durch stichhaltig. Mein Vater erzählt bis heute gerne, einer seiner früheren Geschäftspartner, ein Anwalt, bekannter Mann in München, sei beim Segeln auf dem Starnberger See ertrunken. Allein unterwegs, es war kühl, Sturm kam auf, der Baum wehte ihn von Deck, bumms, tot. So gefährlich ist Segeln. Mein Bauch wiederum raunte, ich sei schon oft seekrank gewesen, ich könne es jederzeit wieder werden. Seekrank sein ist nicht schön, ein bisschen wie sterben, nur dass man nicht stirbt. Man hängt über der Reling und wartet, bis es nachlässt. Manchmal dauert es, bis es nachlässt. Meinem Vater wie meinem Bauch schleuderte ich das beste, aber auch einzige Argument entgegen, das mir einfiel: Ihr werdet schon sehen, wenn ihr dabei seid! Und so stand ich eines Tages da, in Bogense, Nordfünen, Dänemark. Ein kühler Tag im Mai. Um meine Füße schmiegten sich Lederstiefel, mit denen man auch die Antarktis hätte befahren können. Meine Handschuhe waren an den Innenseiten

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