text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Gebrauchsanweisung für Dresden von Brühl, Christine Gräfin von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.09.2012
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
12,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Gebrauchsanweisung für Dresden

Dresden, das Barockjuwel mit den geputzten Sandsteinhäusern und der großartigen Museumslandschaft: Christine von Brühl, Urururururenkelin des Ministers unter August dem Starken und Erbauers der Brühl'schen Terrasse, spürt den Highlights nach. Den alten Meistern, den besten Kneipen in der Äußeren Neustadt und der einzig wahren Rezeptur für Stollen. Sie weiß, was es mit der "Zitronenpresse" auf sich hat und dass sich Pfunds Molkerei völlig zu Recht als schönster Milchladen der Welt rühmt. Warum Sächsisch eher als Gesang denn als Dialekt zu gelten hat. Und sie lädt ein, das Umland zu erkunden: Meißen mit seinem Weißen Gold, die Kletterrouten im Elbsandsteingebirge, Schloss Moritzburg, Pillnitz und Radebeul, wo die echten Indianer zu Hause sind.

Christine von Brühl, 1962 geboren, ist eine direkte Nachfahrin von Heinrich Graf Brühl. Nach dem Studium zog sie 1991 nach Dresden. Sie schrieb unter anderem für die "Sächsische Zeitung" und die "Welt am Sonntag". Seit 2002 lebt Christine von Brühl als freie Autorin mit ihrer Familie in Berlin; zuletzt erschien von ihr "Noblesse oblige. Die Kunst, ein adliges Leben zu führen". Mehrmals im Jahr besucht sie Dresden.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 17.09.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492958240
    Verlag: Piper
    Größe: 3765 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Gebrauchsanweisung für Dresden

Statt einer Einleitung: Was haben die Brühls mit Dresden zu tun? Wenn ich an Dresden denke, wird mir warm ums Herz. Ich denke an die zauberhaften Bauten im leichtfüßig-tänzerischen sächsischen Barock, Häuser aus gelbbraunem Sandstein, an die prächtige Komposition von Semperoper, Zwinger, Schloss und Hofkirche, wie sie sich elegant um die Elbe gruppieren, geschickt gerade an der Stelle vereint, wo der Fluss eine Biegung macht, was lebendig und anmutig wirkt. Ich denke an die breiten Flussauen, große Wiesenflächen, gänzlich unbebautes Land mitten in der Stadt. Grün sind sie fast während des ganzen Jahres, wild gehalten, unberührt. Ich denke an das sanfte Licht, in das die Stadt bei Sonnenschein getaucht ist. Besonders abends leuchten Fenster und Dächer, die orientalische Kuppel über der ehemaligen Tabakfabrik Yenidze oder das bunte Relief am Finanzministerium schräg gegenüber in goldenem Glanz. Momente wie aus Samt und Seide. Nicht dem Barock und der anmutigen Lage verdankt die Stadt den Namen Elbflorenz - es ist wohl dieses Licht, das einem unvermittelt das Gefühl gibt, man sei in Italien. Als ich zum ersten Mal nach Dresden kam, war es bitterkalt. Januar 1990, große Eisplacken schwammen auf der Elbe. Ich kam mit meinem Bruder und Freunden, wir besuchten das Grüne Gewölbe, gingen in die Semperoper, zogen durch die Stadt, ein wenig verdattert, verwirrt, erstaunt darüber, dass alles so einfach ging. Wir hatten keine Freunde oder Verwandte in der Stadt, es gab keine echte Verbindung. Uns fehlten vierzig Jahre deutsche Geschichte. Trotz der Kälte fiel mir der Zauber auf, der über der Stadt liegt. Sie wirkte märchenhaft, vergessen und gleichzeitig lebendig. Verheißungsvoll. Die Bauten sahen aus, als hätte hier ein ausgelassenes Fest stattgefunden, als habe überall Musik gespielt und die Menschen hätten selbstverständlich auf den Straßen getanzt. Es schien noch gar nicht lange her zu sein. Und es würde auch nicht viel fehlen, das Fest wieder in Gang zu setzen. Inzwischen ist Dresden eine glänzende, strahlende Stadt, lärmend möchte man fast sagen, doch das wäre eine Übertreibung. Zahlreiche Bauten, nicht zuletzt die Frauenkirche, wurden wiederhergestellt, der Sandstein geputzt, die Dächer instand gesetzt. Fleißige Hände schlossen die leeren Fensterlöcher an Schloss und Taschenbergpalais, durch die der graue Winterhimmel damals zu sehen war; die Räume dahinter bergen herrliche Ausstellungen oder vornehme Gästezimmer. Die kleinen Bäume und Sträucher, die auf den Ruinen wuchsen, sind aus dem Stadtbild verschwunden, unendlich viele Neubauten entstanden. Die alten Villen, die man kaum sah, weil sich ihr Mauerwerk so verdunkelt hatte, wurden sandgestrahlt oder neu gestrichen, die Außentreppen, die elegant geschwungenen Balustraden und Balkone repariert oder ersetzt. Wenn man nicht wüsste, wie alt die Häuser sind, könnte man meinen, sie seien gerade erst hier hingestellt worden. Doch wie sieht es mit meiner Beziehung zu Dresden aus? Ich habe hier nach der Wende einige Jahre gelebt und gearbeitet, halte mich in regelmäßigen Abständen in der Stadt auf, aber gibt es eine echte Verbindung? Besonders zu Anfang wunderte ich mich oft darüber, wie herzlich der Empfang bei den meisten Dresdnern war. Was brachte sie dazu? Was habe ich persönlich mit der Stadt am Hut? "Sie heißen Brühl, Sie sind historisch", erklärte mir ein Freund. Alles, was in Dresden Geschichte ist, mache die Dresdner glücklich. Ich sah ihn ungläubig an. Bin ich eine Sandsteintreppe? Tanze ich wie die Fama auf der "Zitronenpresse", der imposantesten Kuppel Dresdens, über den Dächern der Stadt? Geboren bin ich in Accra, der Hauptstadt von Ghana. Mein Vater war Diplomat. Bald nach meiner Geburt ging es nach London, später Brüssel und Warschau. Abitur machte ich in Bonn, dann arbeitete ich in Singapur, studierte in Lublin, Mainz, Heidelberg und Wien Slawistik und Geschichte und promovierte über Anton Cechovs Dramenwerk. W

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen