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Österreich liegt am Meer Eine Reise durch die k. u. k. Sehnsuchtsorte von Luther, Helmut (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.02.2017
  • Verlag: Amalthea Signum Verlag GmbH
eBook (ePUB)
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Österreich liegt am Meer

Auf den Spuren des alten Kaiserreichs Brioni, Abbazia, Fiume - das sind die klingenden Namen der Kur- und Badeorte an der einstigen k. u k. Riviera. Wer heute durch Brijuni, Opatija oder Rijeka schlendert, trifft noch immer auf den Charme vergangener Zeiten. Helmut Luther begibt sich auf nostalgische Entdeckungsreise von Meran über den Gardasee bis nach Triest und Pula ins einstige Österreichische Küstenland. Unterwegs begegnet er historischen Persönlichkeiten wie den Bildhauern und Malern Peter und Paul Strudel, Ingenieur Carlo Ghega, Mozart-Konkurrent Antonio Salieri, der Schauspielerin Nora Gregor, dem Industriellen Paul Kupelwieser und vielen anderen. Gestern und Heute, Berge und Meer - entdecken Sie die k. u. k. Sehnsuchtsorte aus einer Zeit, als Österreich am Meer lag. Mit zahlreichen Abbildungen Helmut Luther, geboren 1961 in Meran, studierte Philosophie und Geschichte in Innsbruck und unterrichtet seit knapp 30 Jahren an einem Meraner Gymnasium Deutsch und Geschichte. Historische Recherchen und Reisen führen ihn häufig in den Süden des ehemaligen Habsburgerreiches. Helmut Luther veröffentlicht seine Reisereportagen u.a. in "Die Zeit", "FAZ", "Die Welt", "Süddeutsche Zeitung".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 27.02.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783903083585
    Verlag: Amalthea Signum Verlag GmbH
    Größe: 4832 kBytes
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Österreich liegt am Meer

Drei Brüder

CLES - VERVÒ

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, als die Brüder Paul, Peter und Dominik Strudel von Venedig in ihre Heimat, das Nonstal, zurückreisten, benötigten sie für die Strecke acht oder zehn Tage. Heute dauert die Fahrt kaum mehr als drei Stunden. Bei Mezzocorona nördlich von Trient verlässt man die Brennerautobahn. Überschwemmungen schufen hier am Zusammenfluss des Noce und der Etsch in Jahrtausenden eine weite Schuttebene, die jetzt eine grüne Reblandschaft bildet. Durch einen langen Tunnel geht es zunächst vierspurig, dann auf einer gut ausgebauten, zweispurigen Straße immer tiefer in das Val di Non hinein, wie es im Italienischen heißt. Soweit das Auge reicht, klettern an den Hängen terrassierte Obstanlagen empor, ganz oben umkränzen es die zackigen Ausläufer der Brentagruppe. An den Rändern der Dörfer dehnen sich gewaltige Kistenlager für die Obsternte aus. Die Äpfel, welche an Verkaufsständen entlang der Straße angeboten werden, lagern in ebenso gewaltigen Kühlhäusern, um später, mit dem Marken-Aufkleber "Melinda" versehen, in weite Teile Europas verkauft zu werden. Ab und zu, wenn man über eine Brücke fährt und tief unten in einer Schlucht der Nocefluss vorbeibraust, kann man erahnen, wie gefährlich und mühsam das Reisen hier früher gewesen sein muss, als es nur Saum- und Treidelpfade gab. Verwitterte Burgen auf Hügelkuppen verraten jedoch, dass im Nonstal, welches über Pässe nach Norden hin mit dem deutschsprachigen Südtirol und nach Süden hin durch das Etschtal mit Venetien verbunden ist, schon immer ein reger Verkehr herrschte.

In Cles, dem Hauptort des Tales, fällt mir an einer Renaissancefassade das Wappen der Miller-Aichholz auf. Im 19. Jahrhundert, als Zuckerfabrikanten zu einem der reichsten Industriellengeschlechter des Habsburgerreichs aufgestiegen, hatten die Miller-Aichholz hier ihren Ursprung. Das Palais in der Prinz-Eugen-Straße im vierten Wiener Gemeindebezirk diente der Kunst liebenden Familie zur Ausstellung ihrer Preziosen, bis es während der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg an den Spekulantenkönig Camillo Castiglioni verkauft werden musste. Castiglioni werden wir später noch einmal in Triest begegnen. Schwieriger gestaltet es sich, im hübschen Dorf einen Hinweis auf die Brüder Strudel zu entdecken.

Vervò, St.-Martins-Kirche: Den linken Seitenaltar, den Heiligen Philipp und Jakob gewidmet, hat Pietro Strobli geschnitzt.

Mit seinem Roman "Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre" machte Heimito von Doderer die Monumentaltreppe im neunten Bezirk sowie den dazugehörigen Strudlhof berühmt. Weniger bekannt ist dessen Erbauer Peter Strudel sowie die Rolle, die er mit seinen Brüdern Paul und Dominik im Wien des ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts gespielt hat. 1688 gründete Peter im Strudlhof eine private Kunstschule - sie gilt als Grundstein der ältesten Kunstakademie Mitteleuropas. Nach der überwundenen Türkengefahr beginnen Kaiserhof, Kirche und Adel mit einer imponierenden Bautätigkeit. Die Gründe dafür erklärte Antonio Bormastini, der Edelknaben-Sprachmeister am Kaiserhof - ja, diesen Beruf gab es damals auch!: "In einer solchen Statt" würden es "die Vornehmen einer ... dem anderen zu Trutze thun, stattliche Gebäude aufzuführen." Als Maler, Bildhauer und Architekten machten die Brüder aus dem Nonstal mit der Bau- und Repräsentierwut der Wiener Hautevolee gute Geschäfte. Venedig war die Zwischenstation auf ihrem Weg in die Hauptstadt gewesen.

Auch in der Serenissima war es nämlich im Zuge der Türkenkriege, die den Expansionsdrang dämpften und die Energien nach innen richteten, zu einer regen Bautätigkeit gekommen, berichtet Manfred Koller, dessen Biografie "Die Brüder Strudel" mir auf dieser Tour wertvollste Dienste leistet. Die meisten Lexika geben Cles als Geburtsort

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