text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Übers Wasser Ein Mann, ein Boot - unterwegs zu sich selbst von Gabriel, Andreas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.04.2014
  • Verlag: Ludwig
eBook (ePUB)
15,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Übers Wasser

12 m² Freiheit "Hätte ich eine Ahnung von den Strapazen gehabt, ich hätte die Reise nicht angetreten", sagt Andreas Gabriel ein halbes Jahr nach seinem Aufbruch. Sein Ziel: die Umrundung Europas, 8000 Seemeilen, ohne Geld und im "Kajakmaran", einem selbst konstruierten Gefährt, bestehend aus zwei Kajaks, zwei Segeln und einem Außenborder für Notfälle. Wind und Wetter setzen Gabriel zu, oft weiß er nicht, wo er etwas zu essen herbekommen soll, er hat Heimweh. Doch die Sehnsucht nach der Freiheit und sein Kampfgeist siegen - Gabriel macht weiter, getragen von den Begegnungen mit Menschen, die ihn mit ihrer Neugier, ihrem Wohlwollen und ihrer Großzügigkeit immer wieder überraschen. Auf der Reise, die am Ende über zwei Jahre dauern soll, geht eine Veränderung in ihm vor. Nach Hause zurück kehrt Gabriel als neuer Mensch, der Glaube an die eigene Stärke, das Wissen um die wirklich wichtigen Dinge im Leben und eine neue Sicht auf die Menschen um ihn herum sind zum Kompass seiner Reise zu sich selbst geworden. Andreas Gabriel, Jahrgang 1968, hängt sein konventionelles Leben als Maurermeister 2006 an den Nagel und widmet sich seitdem ganz seinen Leidenschaften: Wind, Wasser, draußen sein. Die Umrundung Europas per 'Kajakmaran' wurde zu einer echten Herausforderung, denn das Reisen ohne Geld ist zentral für den philantropischen Abenteurer. Andreas Gabriel ist Vater von zwei Söhnen und lebt im nordfriesischen Tönning.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 29.04.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641129200
    Verlag: Ludwig
    Größe: 7550 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Übers Wasser

Die Selbstverständlichkeit, dass ich meine Vorräte ausreichend und vor allem rechtzeitig auffüllen kann, ist mir etwas abhandengekommen. Ich beginne mit dem Benzin zu knapsen. Ich segele, auch mal gegen den Wind oder bei nahezu Windstille, wenn ich früher schon lange den Motor angeworfen hätte. Ebenso spare ich am Essen. Der Eiserne-Reserve-Brei kommt ab und zu zum Einsatz. Wahrscheinlich wirkt sich die Armut und Trostlosigkeit dieser Gegend auf mich aus. Sailing for good thoughts steht auf meiner Karre, und ich meine es ernst. Damit das gelingt, muss zuallererst ich selbst stabil und positiv bleiben. Nach fast 4 000 Kilometern auf diesen Kanälen und Flüssen, nach drei langen Monaten ist das nicht immer einfach. So kurz der Weg jetzt nur noch ist bis zum Schwarzen Meer, bin ich doch einfach schon sehr lange unterwegs und in allen Belangen ausgezehrt. Aber ich glaube fest daran, dass es aus dem Wald so herausschallt, wie man hineinruft. Wenn ich positiv, freundlich, offen auf die Menschen zugehe, habe ich eine unvergleichlich größere Chance, dass man auch mir so begegnet. Dies ist wirklich mein großer Antrieb auf dieser Reise: zu bestätigen, dass gute Gedanken sich positiv auswirken, dass man sein Schicksal positiv beeinflussen kann, egal, wie schwierig die Lage ist. Das gilt nicht nur anderen gegenüber, sondern auch im Spiel mit mir selbst.

In den nächsten Tagen suche ich bewusst immer wieder den Kontakt zu Menschen, steuere kleine Städte an, Br?ila, Galati, Isaccea. Gehe in Kontakt mit Marinebooten, oft auch mit der Grenzpolizei. Ich nutze diese Begegnungen zur Orientierung, um mich mit Proviant zu versorgen, für Gespräche. Abends bin ich wie üblich eher an den Stränden und versuche unter Einsatz von Händen und Füßen ins Gespräch zu kommen. Das Ergebnis ist, wie so oft, überwältigend: Man holt mir ungefragt aus einer nahen Stadt Fischsuppe, spendiert Bier und Zigaretten. Einfach so! Eine Einladung zum Frühstück mit Brot und Tomaten folgt. Nahe der kurzen moldawischen Grenze verbringe ich eine Nacht voll versorgt an Bord eines privaten Ausflugsdampfers. Es gibt Grillfleisch mit Knoblauchgemüse, und dann essen wir Rollmöpse aus einem Eimer und trinken Schnaps.

So oft wie hier wurde ich noch überhaupt nicht kontrolliert. Das Drei-Länder-Eck zwischen Rumänien, Moldawien und der Ukraine scheint besonders zu sein. Die rumänischen Grenzer warnen mich davor, in der Ukraine anzulanden, es könne gut sein, dass ich dort dann eine Zeitlang festgehalten werde. Mal abgesehen davon, dass mich im Prinzip alle für "crazy" halten, werde ich hier von allen Offiziellen ausgesprochen freundlich und zuvorkommend behandelt.

Der Fluss verzweigt sich immer weiter. Kleine und große Arme, betonnte und unbetonnte Fahrwasser wechseln sich stetig ab. Da hilft es manchmal nur, nach dem Weg zu fragen. Das Delta kommt näher, ich kann es fühlen.

An Steuerbord nähere ich mich einem Hotelrestaurant. Soll ich es wagen, dort nach etwas Brot zu fragen? Betteln ist das Letzte, was ich will, aber was soll ich machen? Von jenem Moment an, in dem meine Füße den Steg berühren, bin ich in einer anderen Welt. Hier herrscht Reichtum und Überfluss. Das Hotel ist ein Palast mit Swimmingpool und allem, was das Herz für einen gelungenen Urlaub begehrt. Nach Wasser kann man immer fragen, das ist nicht schlimm. Aber Brot? Man wird mich sofort als armen Mann erkennen, und das macht es schwer. Mein ganzes Inneres sträubt sich dagegen, aber heute kann ich nicht anders, ich habe Hunger. Vorbei an juchzenden Kindern und Gästen am Pool führt mein Weg an einen Tresen, aus Holz und glänzend lackiert. Vorsichtig und fast leise stelle ich meine Frage nac

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen