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Das Mädchen, das gehen wollte Von Berlin zu Fuß in die Alpen von Schaefer, Barbara (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.03.2010
  • Verlag: Diana
eBook (ePUB)
13,99 €
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Das Mädchen, das gehen wollte

900 Kilometer zu Fuß: drei Länder, zwei Freundinnen, ein Abschied Seit ihrer Kindheit hat Barbara Schaefer das Bedürfnis, weite Strecken zu gehen. Nun ist sie zu ihrer schwierigsten Tour aufgebrochen: zu Fuß von Berlin zum Hohen Dachstein in Österreich. Dort ist ihre Freundin tödlich verunglückt. In ihrem Buch erzählt die BRIGITTE-Autorin über eine einzigartige Wanderung und den Versuch, zugleich Abschied zu nehmen und Erinnerungen festzuhalten. Als Barbara Schaefer erfährt, dass ihre Freundin Katja am Hohen Dachstein tödlich verunglückt ist, packt sie das Nötigste in einen Rucksack und verlässt Berlin in Richtung Süden. Sechs Wochen lang läuft sie 30 bis 40 Kilometer am Tag über Dresden, Theresienstadt, durch Böhmen nach Prag und weiter in Richtung Österreich. Schon immer konnte Barbara Schaefer durch das Gehen Energie tanken, jetzt hilft es ihr, der Trauer nachzuspüren und Abschied zu nehmen. Eine besondere Reise, auf der die Autorin zurück ins Leben findet. Sechs Wochen im Leben einer Frau, die um einen geliebten Menschen trauert und dafür 900 Kilometer von Berlin nach Österreich geht. Eine Wanderung voller Zuversicht, Abenteuer und denkwürdiger Begegnungen. Ein einzigartiges Buch der Trauerbewältigung. Journalistin Barbara Schaefer hat Theaterwissenschaften studiert und liebt das Reisen. Ihre Reisebücher und Reportagen für BRIGITTE, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die Süddeutsche Zeitung u. a. führten sie nach New York und Shanghai, nach Kuba und Kärnten, Süditalien und Nordnorwegen. Nach Stationen in München und in Stuttgart lebt sie inzwischen in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 271
    Erscheinungsdatum: 11.03.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641036317
    Verlag: Diana
    Größe: 3460 kBytes
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Das Mädchen, das gehen wollte

Am 31. Mai 2008 verunglückte meine Freundin Katja beim Bergsteigen. Sie stürzte beim Aufstieg auf den Hohen Dachstein ab und starb auf dem Gletscher. Wir hatten uns dreiundzwanzig Jahre zuvor in München kennengelernt.
Ihr Tod erschütterte mein Leben. Ohne sie weiterzuleben, war mir, fürs Erste, nur in Bewegung möglich. Ich konnte nicht mehr arbeiten, ich konnte nicht mehr schreiben, ich konnte nicht mehr reisen. Ich konnte nur noch gehen. Im Wortsinn. Langes Gehen hatte mir immer geholfen, wenn ich Probleme zu lösen hatte, wenn sich das Leben verkomplizierte, wenn es mir schlecht ging. Nun hoffte ich, das Gehen würde mir auch über die schlimmste Zeit der Trauer hinweghelfen.
So brach ich kurz nach Katjas Tod auf, um zu Fuß von Berlin zum Hohen Dachstein zu gehen. Rund neunhundert Kilometer lagen vor mir, ich schätzte, ich würde dafür fünf bis sechs Wochen unterwegs sein. Anfangs fühlte ich mich entsetzlich elend. Doch das Gehen, das Rhythmische, das tägliche Einerlei, tat seine Wirkung. Ich ging jeden Tag zwischen zwanzig und dreißig Kilometer. Und es ging mir, langsam nur, aber doch von Tag zu Tag ein kleines bisschen besser. Nach drei Wochen dachte ich, ich hätte das schlimmste Tal durchschritten. Ich empfand nun das tägliche Gehen nicht mehr als meditativ, sondern als monoton. Ich vermisste meine Freunde, meine Stadt. Ich vermisste das Leben. Ich befand: Es ist genug. Und so beendete ich meine Reise zu Fuß in Prag, nach gut fünfhundert Kilometern. Ich dachte, ich sei nun stark, und fuhr mit dem Zug zum Hohen Dachstein. Ich blieb nur einen Tag, flüchtete zurück nach Berlin und fiel noch tiefer als zuvor.
Unterwegs hatte ich Tagebuch geführt. Ich begann, zurück in Berlin, über diese Reise zu schreiben. Ich schrieb das Wichtigste nieder. Über das Gehen. Über die Freundschaft. Über das Trauern. Über das Fehlen von Trost. Ich merkte, wie gut mir nicht nur das Gehen, sondern auch das Schreiben tat. Ich konnte Katja nah sein. Diese Reportage wurde in der BRIGITTE veröffentlicht.
Der Alltag griff wieder nach mir. Mein Leben nahm Geschwindigkeit auf. Ich reiste viel. Aber meine Trauer hing an mir. Langsam verfestigte sich der Gedanke, dass ich noch etwas zu tun hatte. Mir wurde klar: Es ist eben noch nicht genug. Ich sollte diesen Weg zu Ende gehen. Und ich wollte mehr darüber schreiben.
Fast ein Jahr später brach ich erneut auf. Ich fuhr mit dem Zug bis nach Tschechien zum Endpunkt meiner ersten Etappe. Und ging los. Ich wollte wieder gehen, weitergehen, ans Ziel gehen. Ich wusste nicht, was mich ein zweites Mal am Hohen Dachstein erwarten würde. Aber ich wusste, ich wollte diesen Weg gehen.
Dieses Buch erzählt von meiner Reise zu Fuß, von Berlin zum Hohen Dachstein. An einem der ersten Tage unterwegs las ich in Per Olov Enquists Buch von Blanche und Marie diesen Satz: "Alle haben ja eine Geschichte, aber nur wenige werden aufgezeichnet." Dies hier ist nur eine der Geschichten von Katja, die Geschichte unserer Freundschaft. Diese erzähle ich.

Dieses Buch ist für Katja.

Der Aufbruch
23. Juni 2008, Berlin - 13. Juli 2008, Prag

8. Juni 2009, Berlin

Weitergehen. Ich sitze am Schreibtisch, notiere dieses Wort. Weitergehen. Ein Wort wie ein Messer. An der Schreibtischlampe baumelt das Medaillon mit Katjas Bild. Melancholie, Trauer, Depression, Selbstmitleid, wie ein Wespenschwarm fällt alles über mich her. Kein Halten, ich breche zusammen, flüchte ins Bett, schließe das Fenster, ziehe die Vorhänge vor, heule und heule. Wie soll man sich nur halten, wie soll ich nur immer so weiterkämpfen? Wo ist die Ruhe, die Balance?
Über meinem Bett hängt eine große Kalligraphie. Als ich ein paar Monate zuvor in Shanghai war, ging ich zu einem Schriftkünstler, der mit einem großen Pinsel und elegant wie ein Balletttänzer Papierbögen bemalte. Er blätterte eine Auswahl vor, wie ein Daumenkino. Ich wählte das chinesische Schriftzeichen für "Tranquility". Mir schien es

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