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Ein Jahr in Island Reise in den Alltag von Bauer, Tina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.09.2011
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
eBook (ePUB)
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Ein Jahr in Island

'Ich sehe nur noch blau-weiß-rot. In jedem Fenster, in jedem Garten flattert die isländische Flagge: rotes Kreuz mit weißem Rand auf blauem Grund. Kinderwagen sind mit Fähnchen geschmückt. Backen sind mit den isländischen Farben bemalt. ?Til hamingju Ísland! Herzlichen Glückwunsch Island?, begrüßt mich Sóley vor dem Café Paris am Austurvöllur.' Hinreißend erzählt Tina Bauer von einem Jahr zwischen Hotpots, Elfen und Vulkanen.

Tina Bauer ist Diplom-Journalistin und arbeitet als Print- und Fotojournalistin. Sie hat u.a. für das Nordeuropa-Magazin 'Nordis' und das 'Mercedes-Benz Classic Magazin' aus Island berichtet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 27.09.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451338854
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 2472 kBytes
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Ein Jahr in Island

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"WAS WAR DAS? WAR DAS EIN WAL? Bitte sagen Sie meinem Mann, dass das ein Wal war, er glaubt mir sonst nicht." Ganz aufgeregt ist die Frau, nimmt ihre Mütze ab, nestelt am Reißverschluss ihres roten Anoraks. Ja, das war ein Wal, tatsächlich! Als wir mit der Fähre Norröna morgens um acht Uhr in den Fjord von Seyðisfjörður einlaufen, streckt der Buckelwal direkt vor dem riesigen Koloss einer achtstöckigen Autofähre den Kopf aus dem Wasser. Als habe er nur darauf gewartet, die Neuankömmlinge auf der Insel zu begrüßen. Jetzt spüre ich: Ich bin wieder da – ich bin wieder in Island. Ich fühle mich willkommen und sofort wieder heimisch.

Vier Wochen ist es her, dass wir in Stuttgart gestartet sind: mein blauer Opel Corsa, bepackt mit Ela, einer islandbegeisterten Freundin, mir und einem kompletten Camping-Wander-und-ein-paar-persönliche-Dinge-Überlebenspaket für die Insel. Wir hatten Station in Hamburg, Kopenhagen und auf den Färöer Inseln gemacht. Denn anstatt mich in dreieinhalb Stunden mit dem Flugzeug nach Island beamen zu lassen, wollte ich schon lange den Weg auf die Insel im Nordmeer auskosten. Und jetzt haben wir unser Ziel erreicht. Ich habe mein Ziel erreicht: Island. Und diesmal sollen es nicht nur ein paar Wochen Urlaub auf der Insel sein.

Das erste Wochenende auf isländischem Boden ist einfach perfekt. Seyðisfjörður ist die östlichste Stadt Islands. Aber was heißt hier schon "Stadt"! Wie ein kleines Kind an seine Mutter schmiegt sich das Dorf im engen Fjord an die steilen Berge. Und wie ein überdimensionierter Fremdkörper in einer Spielzeugeisenbahn-Landschaft legt die riesige Fähre an. Vom Deck aus erinnern die Arbeiter am Kai an Miniaturfiguren – lediglich, dass sich die Männchen in ihren gelben Leuchtwesten und weißen Bauarbeiterhelmen bewegen. Hoch über den Köpfen und den roten, blauen, gelben, grünen Holzhäusern ragt die Gangway gleich einem weißen Riesenfinger über den Anleger. Wir begeben uns unter Deck, um wie alle anderen zu den Autos zu drängeln. Aber es dauert noch mindestens eine Stunde. Erst rollen Reisebusse und Wohnmobile von der Fähre, dann endlich dürfen wir von Bord. An Land beginnt das Spiel von vorne. Wieder reihen sich alle in eine Schlange, und ein Zollbeamter schickt seinen schwarzen Labrador den Autokorso entlang. Aufgeregt wedelt dieser mit dem Schwanz, dreht sich mehrmals um sich selbst – aber schlägt nicht an. Einige Wohnmobile werden dennoch in eine Garage gelotst. "Meinst du, die filzen uns auch?" – "Quatsch, wo sollen wir denn in deinem Hausfrauen-Auto Drogen oder Essensrationen im Übermaß verstaut haben?!" Ela bleibt gelassen, während meine Handinnenflächen etwas feucht sind. Eine Isländerin mit gelber Warnweste steht plötzlich neben mir. Ich kurble das Fenster herunter. "Gó;ðan daginn, guten Tag. Haben Sie etwas zu verzollen? Wie lange bleiben Sie in Island?" Zwei Fragen auf einmal. Erstere verneine ich. Um auf die zweite zu antworten, stammle ich etwas von einem Jahr. Die Frau knipst ein Loch in einen grünen Aufkleber und drückt ihn von innen an die Windschutzscheibe. "Velkomin til Íslands!"

Die meisten der Touristen, die mit der Fähre im Sommer zweimal in der Woche hier ankommen, nehmen den direkten Weg in Richtung Egilsstaðir und Ringstraße. "Diese führt einspurig in jede Richtung einmal um die Insel – 1336 Kilometer lang. Was aussieht wie eine deutsche Landstraße, ist die längste Straße Islands", klärt uns Nick auf, den wir beim Einchecken in der Jugendherberge kennenlernen.&bd

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