text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Ein Jahr in Madrid Reise in den Alltag von Grüttner, Anne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.02.2014
  • Verlag: Verlag Herder GmbH
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Ein Jahr in Madrid

Mit Mann und Hund zieht Anne Grüttner nach Madrid und erfährt, warum die meisten Spanier ihre Arbeit hassen und von Wochenende zu Wochenende, von Puente zu Puente leben. Sie erlebt die schwere Wirtschaftskrise, in der Spanien seit vielen Jahren gefangen ist, und bewundert die langmütige Leidensfähigkeit, mit der die Madrilenos die Zumutungen der Krise wie Massenarbeitslosigkeit und Gehaltskürzungen hinnehmen. Sie erkundet die Fressmärkte Madrids und zieht von Bar zu Bar, lernt die Dörfer kennen, drückt sich erfolgreich vor gutgemeinten Einladungen zur Schweineschlachtung und zum Stierkampf und findet Erholung beim Umzug der Heiligen Drei Könige. Ein Jahr in Madrid und die wunderbaren Folgen. Anne Grüttner studierte Sinologie und Volkswirtschaft. Für das Magazin 'Focus' war sie einige Jahre Korrespondentin in Peking und ging dann für das 'Handelsblatt' nach Buenos Aires. Seit 2007 lebt Grüttner mit ihrer Familie in Madrid.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 27.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783451801013
    Verlag: Verlag Herder GmbH
    Größe: 3994 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Ein Jahr in Madrid

Juni
Von meiner Landung im spanischen Immobilienboom

Die Zeit war gekommen. Ich war reif, nach Europa zurückzukehren. Der Gedanke hatte sich irgendwann in mein Hirn eingeschlichen und dort festgesetzt. Ich begann, immer konkretere Pläne zu schmieden. Irgendwann musste dann nur noch das Glück mitspielen.

Und es spielte mit. Als ich dem Auslandschef meiner Zeitung sagte, ich wolle zurück nach Europa, ob es da nicht einen Job für mich gäbe, reagierte er prompt: Wie wäre es mit Spanien?

Spanien. Na klar. Da kamen längst vergessene Träume hoch. Als pubertierende Jugendliche hatte ich im kleinen Feriendomizil meiner Eltern in dem touristischen Städtchen Javea an der spanischen Levante-Küste nachts auf meinem Bett am Fenster gesessen, den Beats der fernen Discos unten in der Stadt gelauscht und von einem selbstbestimmten, sonnendurchfluteten Leben in Spanien geträumt. Nun sollte es also Wahrheit werden.

Eine kleine Hürde blieb noch: Ich musste meinen langjährigen Freund, einen argentinischen Querflötisten und Musiklehrer, davon überzeugen, dass es ein guter Zeitpunkt sei, um auf den alten Kontinent, meinen Kontinent, überzusiedeln - immerhin in ein Land, wo seine Sprache gesprochen wird, in seine "madre patria", die "Mutter-Heimat", wie die Spanier sich als ehemalige Kolonialherren euphemistisch gegenüber Südamerika beschreiben.

Zwar sind die Argentinier ähnlich heimatverbunden wie die Spanier, wie ich später feststellen sollte. Doch ich hatte gute Argumente auf meiner Seite: Nach sieben Jahren in Argentinien war eine Veränderung fällig. Und mit meinem Job in Spanien würde ich erst mal uns beide ernähren können.

Wir versuchen es, so lautete schließlich die Abmachung. Ein Jahr lang. Wenn es uns nach einem Jahr nicht gefällt, dann geht es entweder wieder nach Argentinien oder zurück nach Deutschland. Insgeheim war ich natürlich entschlossen, Europa nicht so bald wieder zu verlassen. Aber ich ließ die Dinge auf mich zukommen.

Meine spanische Freundin und Kollegin Carmen sagte mir sogleich ihre tatkräftige Unterstützung zu. Carmen ist Südamerika-Korrespondentin für die spanische Zeitung ABC, eine konservative und sehr monarchiefreundliche Zeitung, die selbst angesichts welterschütternder Ereignisse imstande ist, ihr Blatt mit einem großen Foto des Kronprinzen Felipe und seiner Frau Letizia aufzumachen, wie sie gerade ihre Tochter in den Kindergarten bringen.

Dank Carmen und ihrer Familie erfuhr ich nun zum ersten Mal am eigenen Leib, wie ungeheuer selbstlos und hilfsbereit die Spanier sein können, wenn es drauf ankommt. Meine Freundin ließ es sich nicht nehmen, zu Alejandros und meiner kurzfristig noch in Buenos Aires anberaumten Hochzeit eine kleine Feier auszurichten. Da Alejandro nun meinetwegen den Schritt weg von seiner Heimat nach Europa machen wollte, war es uns nur logisch erschienen, vorher noch zu heiraten. Nur für Eheringe reichte die Zeit nicht mehr. Das, so nahmen wir uns vor, würden wir nachholen, sobald wir uns in Madrid richtig eingelebt hatten. Die von Carmen in der Wohnung einer anderen Kollegin organisierte wunderschöne Hochzeitsfeier, zu der sie Alejandros Familie und unsere besten Freunde eingeladen hatte, fand dann zwei Wochen vor unserer Abreise nach Spanien statt und war zugleich eine Art Abschiedsfest.

Zuvor schon hatte Carmen außerdem ihre in Madrid residierende Mutter Julia eingeschaltet, eine ungeheuer energische, effiziente und intelligente Achtzigjährige, die ich nur einmal flüchtig bei einem ihrer Besuche in Buenos Aires kennengelernt hatte. Carmen erzählte ihrer Mamá, dass ich im Juli nach Madrid umsiedeln würde und dort vor allem erst einmal eine Wohnung bräuchte.

Kurze Zeit später bekam ich eine E-Mail von Julia. Welche Vorstellungen ich denn in Bezug auf Preis und Größe des Domizils hätte. Ich bräuchte drei Zimmer, antwortete ich ihr, da mein Mann und ich beide zu Hause arbeiten würden und wir dies unmöglich

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen