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Ein Holländer in Afrika Aus dem Leben eines Entwicklungshelfers von Koninkrijk, Karel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.08.2016
  • Verlag: Größenwahn Verlag
eBook (ePUB)
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Ein Holländer in Afrika

"Die Zollbeamtin sieht mich an, schaut kurz auf meinen Pass und schreibt ?Karel?, meinen zweiten Vornamen ... der Nachname kommt von ?Koninkrijk der Nederlanden?, Königreich der Niederlanden, was fett auf dem holländischen Pass steht. Für Elly schreibt sie einfach ?mit Ehefrau?. Sie darf also mit. Wie die Frau von Noah, deren Name auch nie erwähnt wurde." So kam der holländische Entwicklungshelfer und Globetrotter zu seinem Namen: Karel Koninktijk. Diese biografische Geschichte erzählt Ausschnitte aus seinem Leben und Arbeiten in Afrika, wo er unter anderem während einer Hungersnot im Sahel ein Hilfsprogramm leitet. Erinnerungen an Freunde, Begebenheiten, Traditionen und Kultur lassen ein Bild Afrikas entstehen, das sowohl die romantischen Schönheiten des Landes würdigt, die Gastfreundschaft der Menschen und ihren Lebensstil, als auch die Not und Armut, mit der die dortige Bevölkerung auch heute noch kämpft. Das Buch erzählt aber auch die Szenen eines Ehepaares, das durch den Beruf des Mannes und die damit verbundene Abwesenheit immer wieder um die Liebe kämpft. Und Schwerenöter Karel macht es seiner Elly dabei gar nicht leicht. Mit einer guten Portion schwarzen Humors erzählt Karel Koninkrijk seine teilweise lebensgefährlichen Erlebnisse in Afrika. Er führt uns durch politische und geschichtliche Umbruchzeiten, die Anfänge des Genozids in Ruanda, in den Kongo, während der letzten Tage Mobutus und in ein so unbekanntes Land, dass sogar das Postamt nachschlagen muss: Mauretanien. Gleichzeitig erscheint sein Werk auch als Kritik an der westliche Gesellschaft und deren mangelndem Willen, Afrika und den Afrikanern wirklich zu helfen. Es macht uns darauf aufmerksam, dass das Streben nach Fortschritt und Gewinn nur den eigenen Interessen dient, und somit die Dritte Welt weiterhin eher ausgebeutet wird, als dass man sie bei ihrer Entwicklung unterstützt. Karel Koninkrijk wurde 1942 in Friesland/Holland geboren, studierte Tropische Landwirtschaft in Deventer, heiratete und wanderte nach Studienende zusammen mit seiner Frau Elly nach Australien aus, wo sie zwei Jahre blieben. Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte er, teilweise mit Familie, im Ausland, wo er für internationale Hilfs- und Nichtregierungsorganisationen als Entwicklungshelfer tätig war. Er arbeitete im Nahen und Fernen Osten. Vorwiegend aber in Afrika, dessen Wüsten, Schönheiten und Menschen es ihm besonders angetan haben. Seit 2000 ist er Frührentner und tuckert mit seiner Frau im VW Camper Bus T3 durch ganz Europa. Erst nach dieser Rundreise ist er wirklich sesshaft geworden und wohnt jetzt im Süden der Niederlande. Zusammen mit Frau Elly genießt er das Leben, seine Kinder und Enkelkinder. Neben Lesen, Schreiben und Malen, sucht er nach Fossilien, angelt und genießt die Natur. Er liebt aber auch das ?Einfach-nur-Herumsitzen?, weil er dabei die Ruhe für seine Gedanken hat.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 300
    Erscheinungsdatum: 25.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783957711014
    Verlag: Größenwahn Verlag
    Größe: 1748 kBytes
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Ein Holländer in Afrika

Der große Sandkasten

Langsam verliert die Boeing 737 an Höhe, und die freundliche Stimme der Stewardess bittet die Passagiere, sich anzuschnallen, Sitze aufrecht zu stellen und die Tische hoch zu klappen. Leicht schaukelnd setzt die schwere Maschine zur Landung in Nouakchott an. Es ist Januar 1983, und aus dem Fenster sehe ich die flirrende Sommerhitze über der Wüste. Kurz darauf ist der blaue Himmel über uns verschwunden. Wir hängen in einer dichten, grauen Staubwolke, die sich nur abends lichtet. Unter uns sieht man zwischen den Sandverwehungen so etwas wie eine Landebahn. Na, das kann ja heiter werden!

Der französische Schriftsteller Antoine de Saint Exupéry kommt mir in den Sinn, und dass dieser in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts hier in dieser Gegend mit seiner kleinen Maschine notlanden musste. Er flog damals die Post von Paris nach St. Louis, der damaligen Hauptstadt Französisch West Afrikas, das nun zum Senegal gehört und ein Stück weiter südwärts an der westafrikanischen Küste liegt. Im einzigen Hotel, dass Nouakchott damals hatte, schrieb er sein weltbekanntes Buch "Der Kleine Prinz". Jetzt ist dieses Hotel ein Frauengefängnis. Und zwar speziell für solche, die fremdgegangen sind. Männer werden für dieses Vergehen nicht bestraft. Außerdem wäre das Männergefängnis im Stadtzentrum sowieso voll mit politischen Gefangenen, die man aufgegriffen hat, wegen Verdachts der Oppositions-Zugehörigkeit. Amnesty International hatte mich vor meinem Abflug gebeten, ihnen zu berichten, wenn ich etwas von etwaigen Folterungen hören sollte. Aber mein Arbeitgeber, eine internationale Hilfsorganisation, hat mir ausdrücklich verboten, über solche Informationen zu sprechen, mit wem auch immer. Als Nichtregierungsorganisation, die sich auf Entwicklungshilfe spezialisiert hat, sollten wir uns keinesfalls mit der lokalen Politik einlassen.

Nur ganz kurz wundere ich mich noch, was ich eigentlich hier treibe? Jeder hatte mich auch für verrückt erklärt, als ich sagte, ich ginge wieder nach Afrika. Wieder zurück in die Entwicklungshilfe. "Du gibst so einfach deine Beamtenlaufbahn dafür auf, Karel?", hatten sie gefragt. "Und wie ist das mit der Krankenkasse? Ist man da versichert? Was sagt deine Frau dazu? Und wie ist das mit deinen Kindern, kommen die mit?" Alles Fragen von Leuten, die bis zur ihrer Rente denselben langweiligen oder aufreibenden Job ausüben und höchstens einmal oder sogar zweimal im Jahr in Urlaub fahren. Menschen, die nicht verstehen, wie es ist, diese Hummeln im Hintern zu haben. Mir wäre es beinahe genauso ergangen. Aus der Entwicklungshilfe in den Beamtenjob war ich seinerzeit nur gewechselt, weil unsere beiden Kinder zur Schule mussten. Das war inzwischen schon über zehn Jahre her und ich war es mehr als satt, meine Zeit mit uninteressanter Arbeit im städtischen Gartenbauamt zu vergeuden, von dem dazugehörigen Bürokram und den Besprechungen ganz zu schweigen. Und dann war unerwartet - aber wie gerufen - dieser Anruf aus Genf gekommen. Sie suchten jemanden für ein Hilfsprogramm in Mauretanien. Einen, der gut Französisch spricht und schon einige Jahre Erfahrung in Afrika hat. Da habe ich nicht lange überlegt und zugesagt. Das Afrikavirus hatte mich wieder gepackt. Jeder, der einmal in Afrika war, ist damit infiziert. Wer einmal das Wasser vom Nil getrunken hat, kommt immer wieder zurück, heißt es dort.

Meine Frau Elly hat wie vor jedem Auslandsaufenthalt nicht protestiert, obwohl sie wie immer lieber daheim geblieben wäre. Miriam ist sechzehn, hat ihr Abi schon in der Tasche und wird dieses Jahr noch ihr Studium anfangen. Für Geert zahlt die Firma einen Platz in einem Internat in der Stadt. Trotzdem sieht Elly nur die Probleme. Andererseits kennt sie ihren Karel. Wenn er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, wird das auch gemacht, egal, was und wie sie darüber denkt. Früher noch mehr als heute. So ganz will sie

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