text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Adam Olearius Gottorfer Hofgelehrter. Ein turbulentes Leben von Maletzke, Erich (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.05.2012
  • Verlag: Wachholtz Verlag
eBook (ePUB)
5,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Adam Olearius

Bekannt geblieben ist der 1599 im sächsischen Aschersleben geborene Adam Olearius durch den auf Schloss Gottorf enstandenen Riesenglobus. Doch der Sohn eines Schneiders war nicht nur ein genialer Gelehrter, er führte als Sekretär einer vom Gottorfer Herzog Friedrich III. nach Russland und Persien entsandten Expedition ein turbulentes und gefährliches Leben. Die von Adam Olearius verfasste Reisebeschreibung wurde ein Bestseller. Erich Maletzke hat aus den Original-Aufzeichnungen unter Berücksichtigung der umfangreichen Forschungen über Adam Olearius das ebenso informative wie spannende Lebensbild eines ungewöhnlichen Mannes verfasst

Erich Maletzke, Jahrgang 1940, studierte in Kiel und Exeter Englisch und Geschichte. Er arbeitete 35 Jahre bei schleswig-holsteinischen Zeitungen und verfasste eine Vielzahl von Büchern. Er lebt heute als Journalist und Autor im schleswig-holsteinischen Dithmarschen. Im Oktober 2009 veröffentlichte Erich Maletzke im Wachholtz Verlag die seitdem vielfach verkaufte Biografie über Heinrich Carl Schimmelmann.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 08.05.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783529092022
    Verlag: Wachholtz Verlag
    Größe: 530 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Adam Olearius

Kapitel 2

Leipzig

Adam Oehlschläger ist ein frommer Mann und überzeugt davon, dass Gott die Welt geschaffen hat. Einen "Hausvater" nennt er den Schöpfer, und das ist jemand, der darauf achtet, dass seine "Kinder" das ihnen anvertraute Erbe ordentlich und sittsam behandeln. Ein Leben im Schoß der Kirche kann er sich allerdings beim besten Willen nicht vorstellen, und wenn er sich im Herbst 1620 dennoch an der Theologischen Fakultät der berühmten Alma Mater Lipsiensis einschreibt, dann allein deshalb, weil es für Söhne armer Eltern das günstigste Studium ist.

Den ersten Brief, den die Familie Oehlschläger aus Leipzig erhält, trägt die Unterschrift "Adam Olearius", woraufhin die Mutter in Tränen ausbricht und nicht weiß, ob vor Freude oder aus Schmerz, weil sie ihren Zweitgeborenen nun endgültig an die Wissenschaft verloren hat.

Die Theologie betrachtet Adam Olearius nur als Eintrittskarte für die akademische Laufbahn. Als viel aufregender empfindet er die Naturwissenschaften, die Mathematik, die Himmelskunde. Wo sich seine Kommilitonen mühen, fällt ihm das Wissen geradezu in den Schoß. Schnell ist er Baccalaureus, 1627 kommt die Magisterwürde hinzu. Die Karriere an der neben Heidelberg berühmtesten deutschen Universität scheint gesichert. Aber hat er sich doch verzettelt? Fehlen die richtigen Förderer? Die Anstellung an der in ganz Europa geschätzten Philosophischen Fakultät kommt nicht zustande. Jedenfalls zunächst nicht.

Bleibt also nur der Schuldienst. Auf die Nikolaischule schicken die besser gestellten Leipziger Bürger ihren Nachwuchs. Die besten Lehrer verlangen sie für ihr Geld, doch was die Pädagogen erhalten, reicht kaum zum Überleben. Durch Privatunterricht lässt sich einiges hinzuverdienen, die Unterkunft ist außerdem frei. Aber Olearius hat seine ärmliche Kammer im Elternhaus nicht aufgegeben, um in der wohlhabenden Messestadt Leipzig mit 31 Jahren und zwei akademischen Titeln wieder eine bescheidene Stube zu beziehen. Stattdessen sucht er sich ein privates Quartier.

Immerhin Konrektor wird er an der Nikolaischule. Diese mit viel Arbeit verbundene Aufgabe ist allerdings schlecht bezahlt und eine weitere Beförderung nicht in Aussicht. Daher wechselt er zur Thomasschule. Sie ist ein klosterähnliches Internat, das vorwiegend Kinder der ärmeren Bevölkerung besuchen. Dennoch hat die Schule einen guten Namen. Neben den klassischen Unterrichtsfächern wird großer Wert auf die musikalische Bildung gelegt. Ausgesprochen berühmt ist der aus Schülern und Lehrern bestehende Chor, der zu Hochzeiten, Beerdigungen und anderen Feierlichkeiten fromme Lieder singt. Für die Sänger, jedenfalls die erwachsenen, ergeben sich durch diese Auftritte erfreuliche Nebeneinnahmen. Olearius profitiert davon allerdings nur indirekt. Die Tonkunst bleibt ihm fremd, ganz im Gegensatz zur Poetik.

Auf Deutsch und Lateinisch würdigt er Freunde mit erhabenen Versen, unterrichtet seine Schüler nicht nur in Mathematik und lateinischer Grammatik, sondern bietet ihnen auch poetische und stilistische Übungen. Sein Vorbild ist der zehn Jahre jüngere Paul Fleming, der als bedeutendster Lyriker seiner Zeit gilt. Gemeinsam treffen sie sich bei dem berühmten Dichter Martin Opitz, um über Versmaß und Humanismus zu diskutieren.

Wäre nur nicht der elende Schuldienst. Olearius fühlt sich unterfordert. Schreibunterricht soll er geben, lärmende Schüler ertragen. Er stellt auf eigene Kosten eine Hilfskraft ein, die ihn von den unerfreulichen Pflichten befreit.

Wo denn der Herr Olearius sei, heißt es manchmal. Er war nicht zum Unterricht erschienen, nicht rechtzeitig von einer Reise zurückgekehrt. Andere Lehrkräfte sind noch unzuverlässiger, die Eltern beklagen sich, Tadel werden ausgesprochen. Olearius erkennt, so könne es nicht weitergehen. 1632 zieht er die Konsequenzen und verlässt den Schuldienst. Er zählt jetzt 33 Jahre, ist zwar, wie es die längst verstorbenen Eltern ein

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen