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All unsere Liebe für Kate Sie ist anders als andere Kinder, doch jeder Tag mit ihr ist ein Geschenk von Harrington, Ben (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.07.2016
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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All unsere Liebe für Kate

Ben und Wendy Harrington freuen sich sehr auf ihre erste Tochter. Doch kurz nach der Geburt fällt ihnen auf, dass Kate anders reagiert als andere Kinder. Sie lächelt zwar häufig, doch sie lernt viel langsamer. Nach einigen Monaten stellt sich heraus, dass Kate geistig behindert ist und viel Aufmerksamkeit und Pflege braucht. Ben gibt seine Arbeit als Richter auf, um ganz für seine Tochter da zu sein. Und er erkennt, wie viel seine Tochter ihm geben kann.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 348
    Erscheinungsdatum: 19.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732532728
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1238 kBytes
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All unsere Liebe für Kate

KAPITEL 2

Vielleicht sollte ich von Anfang an erwähnen, dass ich keine hohe Meinung von der Menschheit habe: Gedankenlos und leichtsinnig tragen wir zur Zerstörung unseres Planeten bei wie Nomaden, die irgendwann einfach weiterziehen; wir zeigen kaum Anzeichen von moralischem Fortschritt, seit wir uns vor Millionen Jahren aus den Bäumen geschwungen haben, um den nächsten McDonald's aufzusuchen. Auf unseren Straßen wimmelt es von Kinderschändern. Rentner werden ihrer mageren Ersparnisse beraubt oder zu Brei geschlagen, wenn sie Gegenwehr leisten. Menschen werden schikaniert oder tyrannisiert, weil sie schwach sind oder klein oder sensibel oder krank oder weil ihre Sprache anders ist oder ihre Hautfarbe oder auch nur weil sie abstehende Ohren haben. Tiere werden zum Sport gejagt oder unter unwürdigen Bedingungen gehalten und dann geschlachtet, damit wir einen Klumpen totes Fleisch auf dem Teller liegen haben, den wir mit Ketchup vollschütten können. Verhätschelte Fußballspieler verdienen in einer Woche so viel wie eine ausgebildete Krankenschwester im Jahr. Wälder verschwinden, damit wir das 'papierlose' Computer-Zeitalter genießen können. Die Menschheit ist egoistisch, brutal und ihres Platzes an der Spitze der Evolution unwürdig. Ich erzähle das alles, weil ich nicht möchte, dass jemand denkt, ich wäre erst seit meinem ganz persönlichen großen Knall so frustriert. Wahr ist, dass ich schon immer frustriert war; allerdings scheint meine Frustration nun eine Ursache zu haben. Die Leute mögen das, weil es einfach ist: Ben ist frustriert, weil seine Tochter geistig behindert ist. So einfach.

Natürlich erlebten wir mit der neugeborenen Kate eine schlaflose Nacht nach der anderen, aber alle unsere Freunde nickten nur wissend und meinten, ihr Baby wäre damals genauso gewesen. Also kein Grund zur Beunruhigung, oder? Sie finden irgendwann einen Rhythmus, sagten alle, und dann wird es besser. Haltet nur durch, es wird sich alles regeln.

Das taten wir, aber es war nicht so.

Eines Nachts zum Beispiel trug ich Kate zwei geschlagene Stunden herum, während Wendys Schnarchen durch die ansonsten stille Nacht drang und mich mit Neid erfüllte. Als Kate endlich ruhig war, legte ich sie in ihre Wiege und verließ auf allen vieren den Raum, wie ein Tier. Ich legte mich in mein Bett, genoss die Wärme und freute mich darauf, gleich einschlafen zu können. Da ertönte Kates markerschütterndes Geschrei. Wendy wachte erschrocken auf, und ich redete beruhigend auf sie ein. Innerhalb von Sekunden schnarchte sie wieder. Ich kehrte zu Kate zurück, die in die Dunkelheit spähte, um zu sehen, wer nun ihr Opfer war. Ich kniete mich neben die Wiege, und die Beruhigungsprozedur begann von neuem. Meine Knie schmerzten mehr als die eines reuigen Sünders, und mein ganzer Körper sehnte sich nach Schlaf. Aber Morpheus musste sich noch gedulden.

Wochenlang ging das so, monatelang. Wendy und ich wurden zunehmend gereizt - was in ihrem Fall ganz und gar nicht typisch war -, unsere Stimmung wurde immer explosiver, dann wurden wir unhöflich, dann distanziert, dann stumm. Wir arbeiteten Nachtschicht, von abends bis zum Morgengrauen. Es war die reine Hölle.

Eine Woche nach Kates Geburt war ich wieder an meinen Arbeitsplatz zurückgekehrt und am Schreibtisch eingeschlafen. Aus Wochen wurden Monate, und Wendy begann schließlich wieder mit ihrer Arbeit als Opernsängerin. Eine Nachbarin passte so lange auf Kate auf. Auf deren Existenz waren wir aufmerksam geworden, weil sie genau zu dem Zeitpunkt ein Kind bekam, als Wendy Kate der Welt präsentierte, und sie im selben Zimmer lagen. Es war Nachbarin Diana, die als Erste feststellte, dass ihre Tochter und die Tochter ihrer Freundin bereits sitzen konnten, Kate aber nicht. Ich erinnere mich gut an Dianas beiläufige Bemerkung und daran, dass ich plötzlich das Gefühl hatte, mir lägen Steine im Magen. Mein Herz schlug wild, und mein Kopf hämmerte. Und so begann es .

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