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Conrad der Leutnant Biografischer Roman des Literatur-Nobelpreisträgers Carl Spitteler von Spitteler, Carl (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.08.2016
  • Verlag: e-artnow
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Conrad der Leutnant

Dieses eBook: 'Conrad der Leutnant' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Carl Spitteler (1845-1924) war ein Schweizer Dichter und Schriftsteller, Kritiker und Essayist. 1919 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Aus dem Buch: '...Sie lehnte sich besänftigend an ihn. 'Du solltest mit dem Vater ein bißchen mehr Geduld haben, Conrad', schmeichelte sie. Da brauste er auf. 'Wenn ich nicht Geduld hätte, viel Geduld, sehr, sehr viel Geduld, meinst, ich wäre nicht längst schon dreingefahren? Und wie! Übrigens handelt es sich keineswegs bloß um Geduld oder nicht Geduld. Ich bin vierundzwanzigjährig, stimmfähig, Militär und sogar Offizier, außerdem Kommandant der Feuerwehr. Meine Kameraden haben ihre Freiheit, ihren Willen, ihre selbständige Tätigkeit, einige sogar Amt und Familie. Ich dagegen werde von meinem Alten wie ein Bube geschurigelt. Wer aber im eigenen Hause nichts gilt, der ist auch in der Gemeinde nichts wert. Das ist's, was mich wurmt, das ist's, was ich nicht verwinde.' Sie schwieg ein Weilchen, die Augen niederschlagend, während sie zerstreut mit den Schellen eines Pferdekumts tändelte. Endlich, nach langem Zögern, warf sie halblaut hin: 'Wer weiß denn, wie lange er überhaupt noch lebt.'

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 112
    Erscheinungsdatum: 04.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026865612
    Verlag: e-artnow
    Größe: 375 kBytes
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Conrad der Leutnant

Der junge Conrad Reber aus dem "Pfauen" in Herrlisdorf, der Leutnant, strich durch den Stall, hinter den Gäulen vorbei, welche bei seiner Ankunft den Hals emporschleuderten und sich polternd zurechtstellten. Aber die rote Lissi, zuhinterst in der Ecke, schaute sich zutraulich um, hob den Schweif und spreizte die Schenkel.

"Was ist, Lissi?" machte der Leutnant. "Sag's, was möchtest mir klagen? Gelt, möchtest auch lieber auf dem Frauenfelder Exerzierplatz galoppieren, morgens früh um fünf, wenn die Trompeten schmettern, und Fensterparade am Sonntag vormittag und am Abend schöne Fräulein, die dir die Mähne streicheln, dir ein Zückerchen und mir ein Küßchen, als daheim Mist auf den Acker fahren und Zank und Schelten und saure Gesichter den langen Tag! Kehr dich links, kehr dich rechts, bück dich, streck dich, geschimpft wird auf jeden Fall. Hört das Schimpfen auf, so fängt das Seufzen an. Allein was meinst, Lissi? meinst nicht auch selber: wenn's zuviel ist, so ist's zuviel, und wenn's zu lange währt, so muß es ein Ende nehmen. So oder so, hinter sich oder für sich, in Güte oder in Krieg."

Hiermit klatschte er dem Rößlein mit der Flachhand aufs Kreuz, daß es vor Mut strampelte.

Und da eben der Scheck und der Bläß einander futterneidisch anfletschten, jauchzend vor Haß, raffte er die Geißel vom Fenster und zog ihnen ein paar sausende Streiche unter dem Bauch durch, daß sie aufjuckten wie die Forellen beim Gewitter.

"Friede in des heiligen Dreiteufels Namen!" herrschte er. "Muß denn in diesem zänkischen Hause sogar das vierfüßige Vieh hadern?"

Und nachdem er ihnen nachträglich noch ein paar feine Zwicker um die Knie verabreicht, zum Vorrat für später, verblieb er mit ausholendem Arm, bis die Aufregung sich gelegt hatte und ein gleichmäßiges Mampfen aus sämtlichen Krippen knusperte. Hierauf schob er sich mit unhörbaren Schritten nach der Fensternische und hängte die Geißel an den Nagel, behielt jedoch den Griff in der Hand, die er erst nach geraumer Zeit verstohlen an sich zog. Hernach verharrte er regungslos, an den Sims gelehnt.

Ein weißer Lichtstab zuckte in gebrochenen Winkeln durch die Stalltür, zwei Schwalben aufscheuchend, welche blitzschnell über die Türspalte flüchteten; und eine Hand nestelte schwächlich am Verschlußkettchen. "Conrad, bist du's?" heischte vertraulich eine Frauenstimme von draußen. Dann bat sie dringender: "Mach auf, Conrad, ich bin's, Anna, die Schwester."

"Die Stalltür bleibt zu", versetzte er bestimmt. "Hingegen das Scheunenpförtchen ist offen." Einige Sekunden später tastete, vom Stalldunkel geblendet, die Schwester behutsam zwischen Mauer und Gosse herbei, die Kleider zusammenfassend.

"Guten Tag, Anna", grüßte er ihr entgegen, um ihr den Weg zu weisen.

"Was versteckst du dich den lieben langen Vormittag, daß dich kein Mensch findet?" schmälte sie mit freundschaftlichem Ton.

"Bin ja doch überall im Wege."

"Gleichviel. An einem Maisonntag, wo jeder Bahnzug ein halbes Hundert Gäste bringen kann, gehört der Meister ins Haus und nicht in den Stall."

"Wer? Der Meister? Ich der Meister? Als ob es vom Keller bis zum Estrich eine Seele gäbe, die weniger zu sagen hätte als ich! Der Sündenbock, das bin ich; die Zielscheibe für jedermanns üble Laune! Meister! Ich der Meister!"

Sie lehnte sich besänftigend an ihn. "Du solltest mit dem Vater ein bißchen mehr Geduld haben, Conrad", schmeichelte sie.

Da brauste er auf. "Wenn ich nicht Geduld hätte, viel Geduld, sehr, sehr viel Geduld, meinst, ich wäre nicht längst schon dreingefahren? Und wie! Übrigens handelt es sich keineswegs bloß um Geduld oder nicht Geduld. Ich bin vierundzwanzigjährig, stimmfähig, Militär und sogar Offizier, außerdem Kommandant der Feuerwehr. Meine Kameraden haben ihre Freiheit, ihren Willen, ihre selbständige Tätigkeit, einige sogar Amt und Familie. Ich dagegen werde von meinem Alten wie ein Bube geschurigelt. Wer aber im eigenen

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