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Der alte Hauptmann von Bauditz, Sophus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.09.2016
  • Verlag: e-artnow
eBook (ePUB)
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Der alte Hauptmann

Dieses eBook: 'Der alte Hauptmann' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Kunstvoll verwebt der dänische Schriftsteller Bauditz viele kleine, eigenständige Erzählungen um die Person des pensionierten Hauptmanns Riis, der mit Leib und Seele Jäger ist ... Sophus Bauditz (1850-1915) war ein dänischer Pädagoge, Autor und Dramatiker. Er wurde zum Ritter des Dannebrogordens ernannt und erhielt die Verdienstmedaille des Dannebrogordens.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 163
    Erscheinungsdatum: 26.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026868705
    Verlag: e-artnow
    Größe: 703 kBytes
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Der alte Hauptmann

Wie und wo ich die Bekanntschaft von Hauptmann Riis machte, ist ja im Grunde gleichgültig, im übrigen geschah es auf einer Treibjagd im Terper Walde.

Daß ich ihn schon früher dem Namen nach kannte, versteht sich von selbst - wer in Jütland kennt nicht den Hauptmann aus dem Hjortholmer Wald? Jeder Jüte - wenigstens jeder Ostjüte - wußte, daß er mit achtzehn Jahren, im Jahr 48 freiwillig mitgegangen war, sich zum Leutnant heraufgedient hatte, nach der Schlacht bei Fredericia dekoriert worden war, und als Hauptmann den Krieg von 64 mitgemacht hatte. Und dann wußte außerdem jeder, daß er ein Waidmann von Gottes Gnaden war, und ein willkommener Gast, wo er sich zeigte.

Mein erster Eindruck von dem Hauptmann entsprach ganz dem, was ich von ihm gehört hatte: eine Hünengestalt war er, mit hoher Stirn, gebogener Nase und einem mächtigen, blonden Schnurrbart; sanfte, klare Augen hatte er, und Lebensfreude strahlte von ihm aus.

Er erinnerte im Grunde an einen der mannhaften dänischen Ritter aus der Renaissancezeit, an einen von denen, die in der Zeit der Fehde immer voran waren, und in Friedenstagen Hirsch und Hindin daheim in den Wäldern jagten, um schließlich oben auf dem Epithaphium über dem Familienbegräbnis knieend zwischen mehreren Frauen und vielen Kindern zu enden. Verheiratet gewesen war der Hauptmann nun freilich niemals, und seine Stammtafel war höchst bürgerlich: Der Vater war Förster gewesen und der Großvater Unterförster - "natürlich" in Jütland, wie er selbst zu sagen pflegte.

Von seiner Kraft wußte man Sagen zu erzählen.

Einmal hatte er zusammen mit dem Jäger aus Skovsgaard friedlich im Vadumer Krug gesessen, als plötzlich vier angetrunkene Individuen auftauchten, ausschließlich um Händel anzufangen. Gutmütig bis zum äußersten, wie der Hauptmann war, hatte er erst versucht, den Unruhstiftern Vernunft zuzureden. Aber es half nichts; sie gingen ihm und dem Jäger zu Leibe, und der Hauptmann hatte dann den ersten von ihnen genommen und niedergeschlagen; er fiel hart, denn er blieb vorläufig liegen. Als der Hauptmann das sah, wandte er sich bedenklich an den Jäger und sagte: "Besorgen Sie die Sache lieber allein, ich bin wohl zu stark!" Aber die dreie hatten schon Reißaus genommen, so daß der Jäger diesen Tag nichts mehr zu tun bekam.

Ein anderes Mal, in seinen besten Zeiten, war ein Einspänner-Fuhrwerk auf der Viborger Chaussee durchgegangen und sauste direkt auf ihn los, während er vor dem Ulkenborger Krug stand. - "Aber die Sache lief ganz gut ab," hieß es, "denn das Pferd stürzte ja freilich, aber der Wagen nahm keinen weiteren Schaden, als daß die Deichsein durchbrachen," - stark muß der Hauptmann ja gewesen sein!

An dem Tage im Terper Walde wurde ich zu der Jagd in Stenkilde für den folgenden Tag eingeladen, und als der Hauptmann hörte, daß ich in Zweifel war, ob ich der Einladung Folge leisten könne, da der Weg nach Stenkilde vom Lyngeter Krug, wo ich im Quartier lag, zu weit war, so bat er mich gleich mit liebenswürdiger Gastfreundschaft, fürlieb zu nehmen und bei ihm zu übernachten.

Ich nahm die Einladung mit Dank an, und das war also das erste Mal, daß ich im Waldhäuschen schlief, aber es blieb nicht das letzte, denn allmählich bildete es sich zu einer festen Regel aus, daß ich mehrmals im Jahr zu dem Hauptmann hinüberkam. Wir gingen zusammen auf Jagd und wir plauderten miteinander, und trotz des Altersunterschieds - er mochte wohl zwanzig Jahre älter sein, als ich - kann ich wohl sagen, daß wir nicht nur gute Kameraden, sondern auch gute Freunde wurden.

Das "Waldhäuschen" lag mitten im Hjortholmer Wald, und hier hatte der Hauptmann ganz allein gewohnt, seit er bald nach dem letzten Krieg seinen Abschied erhielt. Eine benachbarte Frau, Waldhüters Marie, kam jeden Morgen und machte bei ihm rein und wusch für ihn, sonst besorgte er sich alles allein: er bürstete seine Kleider und schmierte seine Stiefel, machte Feuer an und ber

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