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Die wundersame Reise des Käfersammlers oder wie Darwin das Ende der Schöpfung entdeckte von Brater, Jürgen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.05.2016
  • Verlag: LangenMüller
eBook (ePUB)
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Die wundersame Reise des Käfersammlers

Visionäres Genie und skurriler Zeitgenosse: der spannende Roman über den Entdecker der Evolution. 'Eine schicht Muscheln, offensichtlich mariner natur, in dieser Höhe. Erstaunlich.' 'Wie sind die denn hierher gekommen!', fragte King. Die hat Gott in seinem famosen Ratschluss hochgeschleppt, wollte Darwin schon antworten. Doch im letzten Moment biss er sich auf die Zunge. 'Keine Ahnung. Ich werde auf jeden Fall einen Brocken mitnehmen.' Die Weltreise auf des Beagle wird sein Leben verändern - und das der Menschheit ... Wo Charles Darwin auch hinkommt, erforscht er Pflanzen, Tiere und Gestein, kämpft sich durch den Urwald, katalogisiert sämtliche Käfer, die ihm unter die Finger kommen und findet mehrfach beinahe den Tod. Gleichzeitig bemüht er sich verzweifelt, seine 'gottlosen' Erkenntnisse über die Entstehung der Arten zu verdrängen. Hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu seiner Frau und seiner Forschung, muss er sich schließlich entscheiden. Jürgen Brater, geboren 1948 in Norden/Ostfriesland, promovierter Zahnarzt und Buchautor, ist seit 2003 als Fachlehrer für Biologie tätig. Er hat bereits zahlreiche Bücher veröffentlicht, u.a. das 'Lexikon für Patienten' und 'Wir sind alle Neandertaler'. Jürgen Brater lebt mit seiner Familie in Aalen. 'Die wundersame Reise des Käfersammlers' ist sein erster Roman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 26.05.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783784482521
    Verlag: LangenMüller
    Größe: 2642 kBytes
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Die wundersame Reise des Käfersammlers

Edinburgh

A ls Darwin im trüben Dämmerlicht seiner Kajüte erwachte, brauchte er eine ganze Weile, bis er wusste, wo er war. Für einen kurzen Moment wähnte er sich im Haus seiner Familie in Shrewsbury und war sich sogar sicher, seinen Bruder Erasmus im Nebenzimmer schnarchen zu hören. Doch dann bemerkte er entsetzt, dass der gesamte Schlafraum nicht nur unablässig von einer Seite zur anderen kippte, sondern sich zwischendurch auch immer wieder steil aufrichtete, um nach einer kurzen, bewegungslosen Pause scheinbar ins Bodenlose zu stürzen. Um ihn herum war ein fortwährendes Ächzen, Jaulen, Wimmern und Knacken. Man hätte meinen können, man befinde sich inmitten eines Waldes, bei heftigem Sturm, der Bäume aneinander scheuern ließ und den einen oder anderen mit lautem Krachen in Stücke brach.

Für ein paar Sekunden kehrte die Erinnerung wieder. Seiner Sache sicher war er sich aber erst, als er gewahr wurde, dass er nicht in einem gewöhnlichen Bett, sondern in einer unbequemen Hängematte lag. Darin pendelte er gleichförmig hin und her und kam, wenn er nach rechts schwang, der holzgetäfelten Wand des Raumes so nahe, dass er von Zeit zu Zeit mit einem dröhnenden Rums dagegenschlug.

Er versuchte, die Augen ein wenig weiter zu öffnen, doch der jäh einschießende Schwindel zwang ihn, sie rasch wieder zuzukneifen. Immerhin hatte der kurze Blick genügt, um undeutlich einen blechernen Eimer zu erkennen, den eine gnädige Seele neben seinem Lager bereitgestellt hatte. Er strengte sich an, den richtigen Zeitpunkt abzupassen, und nach einigen vergeblichen Versuchen gelang es ihm, trotz des Aufruhrs in seinem Inneren halbwegs gezielt hineinzuspucken. Das erschöpfte ihn so sehr, dass er sich ermattet zurücksinken ließ und schon wieder eingeschlafen war, bevor der säuerliche Gestank, der im Nu den Raum ausfüllte, ihn daran hindern konnte.

Als er das nächste Mal erwachte - es mochten Stunden vergangen sein, vielleicht auch Tage -, fühlte er sich ein wenig wohler. Seine Eingeweide schienen wieder in etwa dort zu liegen, wo sie hingehörten. Und als er zur rußigen Decke hinaufsah, war da kein lästiges Drehgefühl mehr, das ihn zwang, die Augen zu schließen. Es gelang ihm sogar, mit dem Blick eine Zeit lang eine im Zickzack über die Bretterwand krabbelnde Fliege zu verfolgen, ohne dass ihm übel wurde. Er sah zum Eimer unter sich hinab und erkannte, dass er geleert worden war. Auch den Boden hatte jemand gesäubert, ohne dass er davon etwas mitbekommen hatte. Er fröstelte, tastete nach seiner Wolldecke und zog sie sich unters Kinn.

Plötzlich wurde ihm bewusst, dass er schrecklichen Durst hatte. Sein Mund fühlte sich an wie ausgedörrt, die pelzige Zunge klebte am Gaumen. Doch eine Kanne mit Wasser oder gar Tee war nirgends zu sehen. Er wartete, bis er mit seiner Hängematte der rechten Wand so nahe kam, dass er sie berühren konnte, und schlug einige Male kraftlos dagegen. Doch sofort begriff er, dass das lächerliche Klopfen, das er damit auslöste, im allgemeinen Ächzen des Schiffes vollkommen unterging.

Zum Glück erschien wenig später Stokes' massiger Kopf im Türspalt. Einen Augenblick lang wurde Darwin sich schamhaft bewusst, dass er den Zimmergenossen mindestens eine Nacht, aber vielleicht auch länger, seiner Schlaf- und Arbeitsstätte beraubt hatte. Doch das vergaß er sofort wieder, als Stokes sich breit grinsend erkundigte, wie es dem Herrn gehe, ob er etwas benötige und wie es vor allem mit Essen und Trinken stehe.

"Wasser", krächzte Darwin und fügte, von der eigenen Stimme zutiefst erschrocken, im Flüsterton hinzu: "Und wenn's geht, ein paar Rosinen."

Stokes nickte wortlos, schob mit der Zunge einen Batzen Kautabak von einer Wangentasche in die andere und war im selben Moment schon wieder verschwunden. Gleich darauf kehrte er mit einem metallenen Krug zurück. Er fasste Darwin, der immerhin sechs Fuß maß und keineswegs zierlich gebaut war, um die Schultern und richte

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