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Die Zeit, die bleibt Meine kleine Familie, ein böser Tumor und wie ich weiterlebe von Beek, Ingeborg van (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.05.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Die Zeit, die bleibt

Wenige Wochen nach der Geburt ihres zweiten Kindes erleidet Ingeborg einen epileptischen Anfall. Im Krankenhaus der Schock: Sie hat einen Tumor im Kopf. Groß wie ein Tennisball. Die sonst so fest im Leben stehende Frau ist wie betäubt als man ihr mitteilt, ihre Lebenserwartung würde nunmehr etwa acht Jahre betragen. Sie fährt nach Hause, schottet sich ab, denn schon bald werden die vielen Beileidsbekundungen ihr zu viel. Nach einer Weile merkt sie: So kann es nicht weitergehen. Ingeborg beschließt, sich noch einmal voll ins Leben zu stürzen und die Zeit, die ihr bleibt, voll auszukosten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 221
    Erscheinungsdatum: 25.05.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732556656
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: A Rushed Life
    Größe: 379 kBytes
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Die Zeit, die bleibt

2.

Zwei Tage später. Peter und ich melden uns nervös am Empfang des Krankenhauses an, um die Ergebnisse meines EEG s und des Kernspintomogramms zu erfahren. Draußen scheint die Sonne, sodass das Wartezimmer der neurologischen Abteilung so aussieht, wie ich mir das Himmelstor vorstelle. Durch das Glasdach strömt ein sanftes Licht nach drinnen. Allen hier Wartenden wird dadurch etwas Feierliches verliehen, und die herumlaufenden Ärzte und Pflegekräfte gleichen Engeln in weißen Gewändern, umstrahlt von einem Kranz himmlischen Lichts.

Deswegen nehme ich relativ ruhigen Herzens auf einem Stuhl neben dem Kaffeeautomaten Platz, mein getreuer Sankt Peter (Petrus, das war doch der Wächter an der Himmelspforte?) setzt sich neben mich und nimmt meine Hand.

Wir sind pünktlich und haben Eline und Tygo in der Krippe abgegeben, damit es kein unnötiges Geschrei im Wartezimmer gibt. Ich nutze die Zeit und lasse mich im Stuhl zurücksinken. Ich schaue mich um. "Neurologie?", denke ich und suche in meinem Gedächtnis nach der Information, was man auf dieser Abteilung so macht, außer sich MRT -Scans wie meinen anzuschauen.

Weil eine meiner Freundinnen mit einem Neurologen zusammen ist, weiß ich, dass eine Abteilung wie diese hier unter anderem von Ärzten geführt wird, die sich nach ihrem medizinischen Examen weitere sechs Jahre in das Gehirn und das Nervensystem vertieft haben. Und dass sie Patienten mit Leiden wie Epilepsie, MS , Parkinson, Demenz und Muskelkrankheiten in ihren Wartezimmern empfangen.

Mein Blick fällt auf das Poster einer MS -Kampagne. Unmöglich, denke ich. Ich habe nie irgendwelche Beschwerden. Ich habe auch nie irgendetwas Schlimmes. Selbst damals nicht, als ich mir als Jugendliche sehnlichst ein ernsthaftes Leiden wünschte. Ich verließ die Praxis meines Hausarztes immer mit der Empfehlung, das Ganze etwas ruhiger angehen zu lassen und schlimmstenfalls vor dem Schlafengehen eine Tablette Paracetamol zu nehmen. Dann würde sich alles wieder regeln. Der Nächste, bitte!

Kurz darauf sitzen wir im Sprechzimmer. Die Neurologin, Larissa Koper, ruft fröhlich, dass sie die Ursache meines epileptischen Anfalls gefunden haben. Ich krähe ein albernes "Hurra", während mir mein immer galanter Peter den Stuhl zurückschiebt, damit ich mich setzen kann.

Dr. Larissa ist ganz schön in Fahrt; heute hat sie ihren großen Tag, und daraus macht sie auch keinen Hehl. Noch bevor ich mit dem Hintern den Stuhl berühre, sagt sie, dass ich einen tennisballgroßen Tumor im Kopf habe. Sie deutet auf den Bildschirm ihres Computers. Ein großer weißer Fleck überlagert die graue Hirnmasse.

BUMM !

Ich schlucke kurz, aber dann frage ich doch. Ist das erblich? Ist es ansteckend? Hätte ich es verhindern können? Ich zittere und bekomme eine Gänsehaut.

"Aber wie ist das denn möglich, wir haben doch gerade erst unser zweites Kind bekommen!", piepse ich und verkrieche mich dabei in Peters Achselhöhle. Der hat bedeutend weniger Schwierigkeiten damit, seine Gefühle zu zeigen, und weint.

"So ein verdammter, blöder Scheißdreck", murmelt er, während er mir beinahe die Hand zerdrückt, "damit werden wir verdammt noch mal fertig."

Ich schaue die Ärztin an.

"Frau Koper, muss ich sterben?"

"Nun ja, Frau van Beek, sterben müssen wir natürlich alle einmal. Sie werden wahrscheinlich einige Zeit früher sterben müssen als andere."

Kurz verspüre ich ein Entsetzen, und ich will Frau Koper als blödes Miststück beschimpfen, weil sie mir das Ganze doch sehr wenig taktvoll serviert, aber dann fasse ich mich wieder.

"Und ... Was werden Sie dagegen unternehmen, gegen diesen Tennisball?"

Die Ärztin schaut uns treudoof an. "Nun ja, ich werde Sie an das Medizinische Zentrum der Freien Universität weiterverweisen, ans VU mc, dort wird man dann sehen, was man für Sie tun kann."

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