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Entscheidungen Mein Leben in der Politik von Schröder, Gerhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.07.2013
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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Entscheidungen

Gerhard Schröders politische Autobiografie: 'Ich habe alles selber gemacht, mir hat keiner was geschenkt', sagt der Ex-Kanzler über sich selbst. Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, zweiter Bildungsweg, Jurastudium. In der SPD macht er rasant Karriere, wird erst Juso-Vorsitzender, dann Ministerpräsident von Niedersachsen. Und schließlich, 1998, Bundeskanzler.. In 'Entscheidungen' konzentriert sich Schröder auf die sieben Jahre, in denen er Kanzler war, eine Zeit, in der 'nichts mehr so war wie früher', in der das Land mit drängenden Problemen konfrontiert wurde. Globalisierung, demografischer Wandel, schrumpfende Staatskassen, wirtschaftliche und ökologische Krisen, Kriege und internationaler Terror forderten innen- wie außenpolitische Entscheidungen von historischer Bedeutung. Schröder erklärt, warum er längst überfällige, unbequeme Reformen durchführte, und warum es für ihn keine Alternative zur 'Agenda 2010' geben konnte. Weggenossen und Abtrünnige, von Triumphe und Enttäuschungen, Erfolge und Niederlagen - 'Entscheidungen' ist ein kämpferisches Resümee, das mit Kritik - auch Selbstkritik - nicht sparsam umgeht, und zugleich das politische Vermächtnis eines entschlossenen Kämpfers für soziale Gerechtigkeit und ein geeintes, selbstbewusstes, friedliches Europa. Gerhard Schröder, geboren 1944, nach dem Jurastudium in Göttingen von 1978 bis 1990 als selbständiger Rechtsanwalt in Hannover tätig. Seit 1963 Mitglied der SPD, 1978 bis 1980 Bundesvorsitzender der Jungsozialisten, seit 1977 Mitglied des Vorstandes und 1983 bis 1993 Vorsitzender des SPD-Bezirks Hannover, seit 1986 Mitglied des SPD-Parteivorstandes, seit Mai 1989 Mitglied des Präsidiums der SPD, Juni 1994 bis September 1998 Landesvorsitzender der SPD Niedersachsen, April 1999 bis März 2004 Vorsitzender der SPD. 1986 bis 1998 Mitglied des Landtages Niedersachsen, Juni 1990 bis Oktober 1998 Ministerpräsident des Landes Niedersachsen. Mitglied des Bundestages 1980 bis 1986 und seit 1998; 27. Oktober 1998 bis November 2005 Bundeskanzler.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 543
    Erscheinungsdatum: 22.07.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455850741
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Größe: 13792 kBytes
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Kapitel II Im Bann der Geschichte

"Berlin, die Stadt, die immer nur wird und niemals ist." Auf dem Weg zum Bundeskanzleramt, August 2002 . Im Hintergrund das im Bau befindliche neue Regierungsviertel.

Zwei Jahre, von August 1999 bis Mai 2001 – solange das Kanzleramt provisorisch im ehemaligen Staatsratsgebäude der untergegangenen DDR untergebracht war –, saß ich in einem Büro mit Blick auf den Schlossplatz und auf "Erichs Lampenladen", wie die (Ost-)Berliner den Palast der Republik respektlos getauft hatten, weil das Foyer mit unzähligen Leuchten ausgestattet war. Darin hatte einst auch die Volkskammer getagt, das Scheinparlament der DDR , das erst an ihrem Ende – nach der Wende und nach den ersten freien Wahlen – wirkliche demokratische Legitimation besaß. Eine der skurrilsten Erinnerungen an den maroden DDR -Staat wird wohl für alle Zeiten die dort abgegebene Liebeserklärung von Erich Mielke bleiben, der Spinne im Netz der DDR -Staatssicherheit, der seinen ausgespähten Opfern zurief: "Ich liebe euch doch alle!" Welch ein homerisches Gelächter folgte, als er diesen Satz von der Rednertribüne der Volkskammer aus in die Welt entließ.

Schon äußerlich wirkte der graue Koloss, der sich an der östlichen Seite des Platzes auf den Fundamenten des alten Stadtschlosses erhob, unziemlich und grob. Er stand da, um ungeliebte Geschichte zuzudecken. Die Schlossruine war von der Gruppe Ulbricht, die nach Kriegsende 1945 von Moskau nach Berlin aufgebrochen war, als Relikt einer Epoche empfunden worden, die aus dem Gedächtnis gelöscht werden sollte. Auf Geheiß Walter Ulbrichts, des ersten DDR -Staatsratsvorsitzenden, wurde 1950 gesprengt, was der Krieg vom Berliner Stadtschloss übrig gelassen hatte. Denn Ulbricht brauchte – getreu dem Moskauer Vorbild – eine gewaltige freie Fläche als Aufmarschgelände für Kundgebungen – für "machtvolle Demonstrationen der Arbeiterklasse", wie der damalige DDR -Staatspräsident Wilhelm Pieck erklärte –, und zwar mitten im Herzen der Stadt. Und da Berlin in seiner Mitte keinen freien Platz hatte, war das Schicksal der Schlossruine besiegelt. Auch so kann Geschichte entsorgt werden. Wie oft mögen Ulbrichts und Piecks Nachfolger diese Sprengung verdammt haben, als sie sich später selbst, mit preußischem Gepränge und dem Stechschritt des Wachbataillons, als legitime preußische Erben zu verstehen glaubten. Da hätte ein umgewidmeter Königspalast doch etwas hergemacht.

So war es eben nur der "Palast der Republik", der als architektonischer Fehltritt in das Ensemble des Schlossplatzes hineinragte und es aus der Fassung brachte. Dieser Stahlbetonpanzer, der nun abgerissen wird, macht klar, dass eine schwärende Wunde in der Stadtgeschichte und Berliner Mitte geheilt werden muss. Dabei geht es nach meiner festen Überzeugung nicht um Preußen-Nostalgie und schon gar nicht um die Rekonstruktion des Hohenzollern-Geistes. Es geht auch nicht um die Auslöschung jenes Teils der deutschen und zugleich der Berliner Geschichte, der mit der DDR verknüpft ist. Ich hatte durchaus Sympathien für den Wiederaufbau des Stadtschlosses. Dabei hatte ich die zukünftige Gestalt der Stadt im Sinn, die Wiederherstellung eines ehemals anmutigen, würdevollen Raumes zwischen Altem Museum, Zeughaus, Gendarmenmarkt und Unter den Linden, in dem Harmonie aus den Proportionen entsteht. Es ist nun eine Lücke zu füllen, die die Sprengung des Schlosses hinterlass

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