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Flucht aus der Sklaverei Francis, sieben Jahre alt, Sklave .... von Bok, Francis (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.11.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
7,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Flucht aus der Sklaverei

Er ist erst sieben Jahre alt, aber er ist stolz, für seine Familie auf den Markt zu gehen und Eier zu verkaufen. Er weiß nicht, dass dies der letzte Tag seines bisherigen Lebens ist. Dass er seine Familie nie wiedersehen wird. Dass er von gewissenlosen Menschenhändlern entführt wird, die ihn an eine arabische Familie verkaufen. Dass er fortan deren Sklave sein wird ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 342
    Erscheinungsdatum: 29.11.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732571901
    Verlag: Bastei Lübbe AG
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Flucht aus der Sklaverei

DER ÜBERFALL

M ehrfach schon habe ich die Geschichte über jenen Tag des Jahres 1986 erzählt, als meine Mutter mich zum Markt schickte, um Eier und Erdnüsse zu verkaufen, den Tag, an dem ich in die Sklaverei geriet. Doch während ich mich anschicke, alles noch einmal zu erzählen, fällt mir auf, dass ich nie erwähnt habe, wie glücklich mein Leben gewesen war, noch wenige Stunden bevor es sich für immer veränderte. Die vielen schlimmen Erinnerungen haben keinen Raum für die schönen gelassen. Vor all dem Elend, der Einsamkeit und der ständigen Furcht, die meine Kindheit und Jugend ausmachen sollten, vor jenen zehn Jahren, in denen meine einzigen Freunde Giemma Abdullahs Ziegen und Kühe waren, lebte ich auf dem Hof meines Vaters im Süden des Sudan, wo jeder einzelne Tag erfüllt war vom Zusammensein mit der Familie und den Freunden - und von Liebe.

Im Jahr 1986 war ich sieben Jahre alt. Heute, mit Mitte zwanzig, stellen sich mir viele Fragen über jene Zeit, auf die der kleine Junge im entlegenen Afrika keine Antworten weiß. Als ich sieben war, lebte ich in der Gewissheit, dass mein Leben gut war und noch besser werden könnte.

Dieser Zuversicht konnten sich aber nicht alle in unserem Dorf erfreuen. Es gab sehr arme Menschen. Manchmal kamen sie auf unseren Hof und bettelten um Milch und Käse. Von beidem hatten wir reichlich; wir besaßen Hühner, Ziegen, Schafe und Kühe. Auf unserem Landstück wuchsen auch saftig grüne Mangobäume, deren reife gelbe Früchte wir nach Belieben pflücken und essen konnten, und es gab Kokosnüsse so groß wie die Köpfe von uns Kindern. Meine Familie pflanzte Erdnüsse und Bohnen an, und um unsere Häuser herum erstreckten sich weite grüne Getreidefelder mit Sorghumhirse, auf denen ich häufig mit meinen beiden Schwestern spielte, der zwölfjährigen Amin und der kleinen Achol, die damals gerade laufen lernte. Meine Familie und ich wohnten in zwei großen Häusern - in dem einen die Männer, in dem anderen die Frauen. Die Häuser waren aus Lehm gebaut und mit Stroh bedeckt. Ihre spitze Form erinnerte an umgedrehte Eistüten. Das Vieh war im Winter in Stallungen, ebenfalls mit Strohdächern, untergebracht, damit die Tiere es warm hatten und vor dem Regen geschützt standen. Unser Hof war mit all den Familienmitgliedern und Tieren stets voller Leben, und ich konnte damals tun und lassen, was ich wollte - jedenfalls beinahe.

Zur Schule ging ich nicht. In unserer Familie war nie jemand zur Schule gegangen; ich glaube, ich wusste damals nicht einmal, was eine Schule war und was dort passierte. Das Wort "Schule" hatte ich durchaus schon gehört, aber für mich bedeutete es weiter nichts als einen Ort, an den einige Kinder aus dem Dorf geschickt wurden, und zwar einen Ort in Juba, der Hauptstadt des Südsudan, unweit der Grenze zu Zaire und Uganda. In Gourion, meinem Dorf, gab es keine Schule. Wie die meisten kleinen Jungen vom Dinka-Stamm lief ich den ganzen Tag draußen herum, barfuß und mit nichts weiter bekleidet als kurzen Hosen, und spielte mit meinen Schwestern und Freunden.

Wir spielten Alweth , das Versteckspiel der Dinka-Kinder: Wir versteckten uns auf den Feldern, während ein Kind zunächst zurückblieb und uns dann suchen kam. Entdeckte es das Versteck eines Spielkameraden, jagte es diesem so lange nach, bis es ihn gefangen hatte.

Manchmal spielten wir auch eine Art Baseball oder Kricket. Dieses Spiel hieß Madallah : Wir brauchten dazu einen Stock und einen Spielball aus Gummi so groß wie ein Hockey-Puck, der meist von der Sohle eines alten Schuhs oder von einem alten Autoreifen stammte. Dann bildeten wir vier Mannschaften. Ein Spieler warf den Puck zu Beginn in die Luft, und ein anderer schlug ihn weg. Es kam nun darauf an, den Gummipuck immer in der Luft zu halten. Deshalb mussten die Spieler so kräftig wie möglich gegen den Puck schlagen. Wer ihn verfehlte und zu Boden fallen ließ, hatte verloren. Beim Madallah ging es

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