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Frankfurt liebt dich! Die 10 großen Fragen im Leben von Twens und Thirty-Somethings von Zegelman, Anne (eBook)

  • Verlag: Societäts-Verlag
eBook (ePUB)
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Frankfurt liebt dich!

In Frankfurt leben deutlich mehr Single-Männer als ledige Frauen. Warum ist es für alleinstehende Frankfurterinnen trotzdem genauso schwer, einen Mann zu finden, wie für die vier Mädels von 'Sex and the City' in der Millionenstadt New York. Anne Zegelman erzählt von der Jagd nach dem Traummann im Schatten der Skyline. Frech und auf den Punkt berichtet sie von Flirts, Blind Dates und falschen Hoffnungen, immer vor dem Hintergrund lokaler Spots und Szene-Treffs. Sie analysiert, was zwischen den Singles von heute schief läuft - und erklärt, warum auch die große Liebe nicht die Antwort auf alle Fragen sein kann. Geschichten rund um die Liebe in der mal großen, mal kleinen Weltfinanzmetropole am Main. Anne Zegelman arbeitet als freie Journalistin und Autorin in Frankfurt. Nach ihrem Studium an der Goethe-Universität volontierte sie bei der Frankfurter Neuen Presse. Anne Zegelman hat bereits einige Literaturpreise gewonnen, u. a. den Hildesheimer Lyrikpreis 2012.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955421144
    Verlag: Societäts-Verlag
    Größe: 10417 kBytes
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Frankfurt liebt dich!

Nasenbluten

I ch betrachtete ihn über den Tisch hinweg und wünschte wirklich, ich hätte Nasenbluten. Oder zumindest etwas ähnlich Eindrucksvolles, das die Aufmerksamkeit für einen klitzekleinen Moment von diesem schauerlichen Date ablenken und mir die Möglichkeit geben würde, diskret zu verschwinden. Vielleicht würde es auch ein Feueralarm tun. Oder eine schöne Lebensmittelvergiftung ... Hätte ich ihm erst einmal auf die polierten Lederschuhe gebrochen, würde er sicher aufhören, mit dieser monotonen Stimme über sein Wirtschaftsstudium zu dozieren. Ich war mal wieder auf einem dieser Dates, die kein Ende fanden. Mir gegenüber saß Marc, 34, Kommunikationschef eines privaten Frankfurter Bankhauses, dessen Aufgabe es war, eine Art Schleiertanz für Journalisten aufzuführen, damit die nicht weiter fragten. Das mochte zwar moralisch nicht ganz korrekt sein, war aber offenbar ziemlich lukrativ. Immerhin hatte er mich an diesem Abend in ein Sterne-Restaurant in Bockenheim eingeladen. Ich lehnte mich mit einem leisen Seufzer zurück und betrachtete die Location, die er für unser erstes und sehr wahrscheinlich letztes Date gewählt hatte. Die Wände waren mit schokoladenbraunem Stoff bespannt, auf dem Marmorkamin standen silberne Kerzenhalter und über uns schwebte ein Kronleuchter, der unseren Tisch diskret beleuchtete. Ich wünschte, ihm würden alle Glühbirnen auf einmal durchbrennen. Denn was ich im schwachen Licht sah, gefiel mir nicht. Nicht mehr. Dabei war Marc schon attraktiv, das konnte man einfach nicht abstreiten. Kurze braune Haare, die mit viel Hingabe und Gel so gestylt waren, dass es aussah, als wäre er gerade erst aufgestanden. Sehr hübsche braune Augen. Und ein breites Lächeln mit geraden, fast weißen Zähnen, die bestimmt irgendwann mal gerichtet worden waren. Sein Kinn glänzte noch von der frischen Rasur und der Männerpflege, die er benutzt hatte. Vielleicht nach dem Fitnessstudio? Ich ließ meinen Blick von seinem Gesicht über den Hals bis zu seinem Oberkörper wandern, der unter dem engen Hemd mehr oder weniger gut zu erkennen war. Das Hemd war rosa, ein kräftiges, rosiges Statement-Rosa, das sich nicht versteckte und gar nicht erst auf die Idee kam, jemand könnte ihn deshalb für weniger männlich halten. Sein Anzug war gut geschnitten, anthrazit, modernes Revers. Ja, Marc sah trainiert aus. Bestimmt hatte er einen hübschen Hintern. Vielleicht sollte ich später mit ihm nach Hause gehen, nur um seinen Hintern zu sehen, überlegte ich. Aber nein - das könnte ich nicht. Es sei denn, ich dürfte ihm vorher den Mund mit Klebeband zukleben. Mein Gott, dieser Mann hörte nicht auf zu reden. Das war ohne Frage eines der langweiligsten Dates, auf denen ich jemals war. Bla. Bla. Bla! Ich musste mich zurückhalten, um ihm nicht die Hände um den Hals zu legen und ihn zu würgen. Aber es war ohnehin zwecklos, dachte ich beim Betrachten seines stattlichen Halses mit dem hüpfenden Adamsapfel. Denn um ihn kaltzumachen oder wenigstens zum Schweigen zu bringen, hätte ich gar nicht genügend Muskelkraft. Da lachte er plötzlich, laut und amüsiert, gurrend - und mein Blick schnappte wie an einem Gummiband zurückgezogen wieder nach oben auf seinen Mund. Jetzt sah ich ihn ganz deutlich, den Grund, warum mir Marc trotz seines guten Aussehens und seiner schicken Essenseinladung suspekt vorkam. Dieser Mann hatte einen arroganten Zug um den Mund. Und außerdem lachte er über seinen eigenen Witz, den ich so überhaupt nicht lustig fand. Er hatte also auch noch einen echt miesen Humor. Gruselig. Plötzlich konnte ich fast dabei zusehen, wie sein Gesicht vor meinem inneren Auge in seine Einzelteile zerfiel und sich neu zusammensetzte. Sein strahlendes Lächeln: Eine Maske, antrainiert, vor dem Spiegel eingeübt. Immer wieder presste er zwischen dem Lächeln seine Lippen fest aufeinander, was ihn fast grausam wirken ließ. Bestimmt

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