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Frida Kahlo und die Farben des Lebens Roman von Bernard, Caroline (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.09.2019
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
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Frida Kahlo und die Farben des Lebens

'Ich bin eine Revolution!' Frida Kahlo. Mexiko, 1925: Frida will Ärztin werden, ein Unfall macht dies zunichte. Dann verliebt sie sich in das Malergenie Diego Rivera. Mit ihm taucht sie in die Welt der Kunst ein, er ermutigt sie in ihrem Schaffen - und er betrügt sie. Frida ist tief verletzt, im Wissen, dass Glück nur geborgt ist, stürzt sie sich ins Leben. Die Pariser Surrealisten liegen ihr genauso zu Füßen wie Picasso und Trotzki. Frida geht ihren eigenen Weg, ob sie mit ihren Bildern Erfolge feiert oder den Schicksalsschlag einer Fehlgeburt hinnehmen muss - doch dann wird sie vor eine Entscheidung gestellt, bei der sie alles in Frage stellen muss, woran sie bisher geglaubt hat. "Eine Liebeserklärung an die Kunst, an die Weiblichkeit, an die Freiheit und den Mut, sie jeden Tag neu zu erringen - ein wunderbar zartes und doch kraftvolles Herzensbuch." Nina George Caroline Bernard ist das Pseudonym von Tania Schlie. Die Literaturwissenschaftlerin arbeitet seit zwanzig Jahren als freie Autorin. Sie liebt es, sich Geschichten über starke Frauen auszudenken. Mit Die Muse von Wien hat sie sich zum ersten Mal ein reales Vorbild für eine ihrer Romanfiguren gesucht. Caroline Bernard lebt als freie Autorin in der Nähe von Hamburg. Im Aufbau Taschenbuch erschien außerdem Rendezvous im Café de Flore.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 13.09.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841218360
    Verlag: Aufbau Verlag
    Größe: 2266 kBytes
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Frida Kahlo und die Farben des Lebens

Kapitel 1

September 1925

"Jetzt hör endlich auf zu trödeln und komm!"

Alejandro griff nach Fridas Hand und wollte sie hinter sich herziehen. Frida spürte die Gänsehaut zwischen ihren Schulterblättern, die sie immer bekam, wenn sie sich berührten. Dennoch machte sie sich von ihm los. "Einen Moment. Ich habe mein Heft liegenlassen."

Als sie zurückkam, wartete Alejandro zusammen mit ihrem gemeinsamen Freund Miguel am Ende des Flurs auf sie. Frida verlangsamte ihre Schritte, um ihn ungestört zu beobachten. Alejandro Gómez Arías war gutaussehend, großgewachsen, hatte glänzendes Haar und trug seinen Anzug mit nonchalanter Lässigkeit. Alejandro war ihr gleich am ersten Tag aufgefallen. Er war drei Klassen über ihr und gehörte zu einer Gruppe von Freunden, die sich Cachuchas nannten, nach den Schiebermützen, die sie trugen. Die Cachuchas waren klug, kannten die neueste Literatur und liebten die Malerei. Ihr großes Vorbild war der Revolutionär José Vasconcelos, der als Bildungsminister eine Alphabetisierungskampagne gestartet hatte und neue Maßstäbe in der Kunst setzte. Bevor Frida zu ihnen gestoßen war, hatte die Gruppe ausschließlich aus jungen Männern bestanden. Es gingen ja auch nur ganz wenige Mädchen auf die Preparatoria. Frida bereitete sich hier, gegen alle Bedenken ihrer Mutter, auf das Medizin-Studium vor. Sie wollte Ärztin werden. Vor allem aber bedeutet die Prepa für Frida ein Stück Freiheit. Hier konnte sie endlich aus der Enge ihrer Familie und der Aufsicht von Eltern und Nachbarn entfliehen. Täglich fuhr sie aus dem verschlafenen Vorort Coyoacán mit der Straßenbahn in die Innenstadt.

Frida zog die gestrickten Strümpfe hoch, bis sie unter dem Saum des dunklen Faltenrocks verschwanden, und rannte los. Im Vorbeilaufen stieß sie Alejandro mit dem Ellenbogen an. "Wo bleibst du?", dann stürmte sie an ihm vorbei die Treppe hinunter.

"Frida! Jetzt warte doch. Du benimmst dich unmöglich."

Frida nahm die Kehre der Treppe mit zu viel Schwung, ihr Rock flatterte um ihre Beine. Sie hielt sich am Geländer fest und flog halb die Stufen hinunter.

"Frida!", rief er noch einmal. "Du ruinierst den Ruf der Frauen an dieser Schule."

Frida verdrehte die Augen. Sie liebte Alejandro von ganzem Herzen, aber warum wollte er einfach nicht verstehen, dass jede Art von Bewegung ein Teil von ihr war? Trotz der überstandenen Kinderlähmung und des verkümmerten rechten Beines. Sie konnte sich ein Leben ohne Schnelligkeit, ohne Klettern und Tanzen gar nicht vorstellen. Das musste er doch mittlerweile wissen. Warum verlangte alle Welt von ihr, sittsam eine Treppe hinunterzugehen und niemals außer Atem zu geraten? Weil sie eine Frau war? Natürlich war sie eine Frau, und sie war genauso ungestüm, wie sie sein wollte!

Abrupt blieb sie mitten auf der Treppe stehen, und Alejandro prallte in sie hinein.

"Mir gefällt aber, wie ich bin. Du hast doch nur Angst, dass ich schneller bin als du", rief sie.

Schwer atmend stand er eine Stufe über ihr, sein dunkles Haar fiel ihm in die Stirn, seine Lippen leuchteten rot. Er beugte sich zu ihr herunter und presste seine Lippen auf ihre. Frida ließ sich küssen, dann schlüpfte sie unter seinen Armen hindurch und lief weiter die Treppe hinunter und durch den schattigen Innenhof.

Auf der Straße empfing sie die schwüle Hitze des Nachmittags. Es war September, die Regenzeit näherte sich dem Ende, und die Luft war feucht. Am Morgen hatte es leicht geregnet, und die Gebäude wirkten wie blankgeputzt.

Sie gingen die Calle Argentina in Richtung des Zócalo hinunter. Der Zócalo war der riesige, zentrale Platz der Stadt mit der Kathedrale und dem Nationalpalast. Hier trafen sich alle, Gaukler und Mariachis, Verkäufer und Gauner, Politiker und einfache Leute. Frida trödelte, weil sie keine Lust hatte, nach Hause zu fahren. Coyoacán war ja so langweilig. Einzige Abwechslung bot die staubige Plaza Hidalgo vor der Kirc

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