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Hebamme Klara Sarner Frauengeschichten von Runggaldier, Anita (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.03.2015
  • Verlag: Edition Raetia
eBook (ePUB)
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Hebamme Klara

Klara Thaler Stuefer ist die letzte Hausgeburtshebamme des Sarntals. Als Tochter einer vielköpfigen Bauernfamilie beschloss sie selbstbewusst, einen anderen Weg zu gehen als viele junge Frauen: Ohne Unterstützung holte sie die Mittelschule nach und wurde Hebamme. Bescheiden schildert Klara die Zeit der Ausbildung in Padua Anfang der 1950er-Jahre und ihren entbehrungsreichen Alltag, der von harter Arbeit zu jeder Tages- und Nachtzeit geprägt war. Die freudigen, aber auch die leidvollen Momente, an denen sie als Hebamme teilhaben durfte, lassen sie ehrfürchtig auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Klaras Erzählungen werden durch die Geschichten von fünf Sarner Frauen ergänzt, die beschreiben, wie sie Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett in einer von Männern dominierten Gesellschaft erlebt haben. Mit vielen Fotos aus den Familienalben und einem Vorwort von Ingeborg Stadelmann ('Die Hebammen-Sprechstunde'). Geboren 1981 in Bozen, lebt im Sarntal, Mutter von zwei Kindern. Matura, dann Abschluss der dreijährigen Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe 'Claudiana' in Bozen. Seit 2004 ist sie Hebamme im Gesundheitsbezirk Meran. Zwei Jahre in der Hebammenausbildung tätig. Außerdem ausgebildete Kursleiterin für Schwangerenschwimmen, Beckenbodengymnastik und Babymassage. Die Sommer verbringt sie gerne auf der Alm, um in der Natur einen Ausgleich zu ihrem Beruf zu finden.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 20.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788872835289
    Verlag: Edition Raetia
    Größe: 4538 kBytes
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Hebamme Klara

Klaras frühe Kindheit

Dass so manche Lebensgeschichte eines Menschen schon lange vor seiner Geburt beginnt, ist vielen nicht bewusst. Es sind bestimmte Geschehnisse oder Schicksalsschläge, die ohne unser Zutun passieren und den Verlauf der Geschichte für immer ändern. In die Wirren der Nachkriegszeit des Ersten Weltkrieges hineingeboren, fängt auch Klaras Geschichte bereits vor ihrer eigenen Geburt an, mit den Lebensgeschichten ihrer Eltern.

Klaras Vater, Stanislaus Thaler, wurde sofort mit Kriegsbeginn im Jahre 1914 in den Krieg einberufen. Stanis, der mit seiner Frau Anna Moser und vier kleinen Kindern - das letzte war erst 1913 geboren worden - den elterlichen Waldkleenhof in Unterreinswald im Sarntal bewirtschaftete, ging schweren Herzens auf unbegrenzte Zeit von seiner Heimat fort. Die Sorge um die Not und die viele Arbeit zu Hause war nicht unbegründet, denn es dauerte nicht lange, bis ihn eine traurige Nachricht aus der Heimat an der Kriegsfront ereilte: Seine Frau war am 20. Februar 1915 wenige Monate nach seiner Abreise an Tuberkulose verstorben. An eine baldige Rückkehr zu seinen Kindern war für Stanislaus aber nicht zu denken.

Gegen Ende des Krieges geriet Stanis in polnische Gefangenschaft. Die Strapazen des Krieges und die Ängste um seine vier Kinder zehrten an ihm. Völlig geschwächt musste er in ein polnisches Lazarett verlegt werden. In einem Krankenlager inmitten vieler anderer vegetierte er dahin ohne Hoffnung auf eine baldige Heimkehr. Gottesfürchtig wie er war, blieb ihm nur noch das tägliche Gebet. Aufgrund seiner körperlichen Schwäche konnte er die auf der Brust zum Gebet gefalteten Hände nie lange aufrecht halten. Im Sarner Dialekt betete er laut vor sich hin: "Bitte Herrgött loss mi net sterbn, loss mi zi meine vier Waislein hoamkehrn, dei brauchn mi." 5 Dadurch fiel Stanis einem Offizier bei seinen täglichen Kontrollgängen durchs Krankenlager auf. Tagaus, tagein diesen betenden Mann vor Augen, forderte der Offizier einen Dolmetscher an und ließ sich Stanis' Bitte übersetzen. Der Offizier und seine Frau wünschten sich Kinder und konnten Stanis' Wunsch heimzukommen nachvollziehen. So veranlasste der Offizier persönlich, dass Stanis noch am selben Tag in sein Haus gebracht wurde, wo sich die Frau des Offiziers um ihn kümmern sollte. Mühevoll und langsam genas Stanis und als er durch die gute und liebevolle Versorgung dieses Ehepaars wieder zu Kräften gekommen war, kam für ihn die ersehnte Stunde der Heimkehr. Er hatte nichts, was er dieser Familie in seinem unendlichen Dank schenken hätte können. Die Herrin des Hauses meinte aber, er möge in einem kurzen täglichen Bitt- und Segensgebet um einen Sohn für sie beten, der Priester werden möge. Stanislaus erwiderte ihr: "Ich bete nicht nur für einen Geistlichen, sondern für einen Papst aus Polen!"

Klaras Vater Stanislaus Thaler

Teils zu Fuß, teils durch kurze Mitfahrgelegenheiten, machte sich Stanis auf den Heimweg. Zu Hause erwartete ihn auf seinem eigenen Hof eine verschlossene Tür: Er wusste nicht, wo seine Kinder waren. So verbrachte er seine erste Nacht im Stall und machte sich tags darauf auf zu seinem Bruder. Vor dem Krieg hatten sich die beiden Brüder ein Versprechen gegeben: Derjenige, der früher aus dem Krieg heimkehren würde, würde sich der Kinder des anderen annehmen. Sein Bruder, der im Mai 1918 wohl nicht mehr mit Stanis' Rückkehr gerechnet hatte, hatte sein Versprechen aber gebrochen. Die vier Halbwaisen waren voneinander getrennt und in die Obhut verschiedener Bauern gegeben worden, die Mitleid mit diesen Kindern hatten. Stanis, der immer ein liebender Vater war, holte seine vier Kinder wieder auf den Hof. Auch als Mann in den besten Jahren war er mit vier Kindern und all der Arbeit auf dem Hof völlig überfordert und brauchte so schnell wie möglich Unterstützung durch eine Frau. So konnte Stanis die Haushälterin

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