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Hitlers Junge Erinnerung an eine unheilvolle Erziehung von Hessel, Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.09.2013
  • Verlag: Edel Elements
eBook (ePUB)
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Hitlers Junge

e-Premiere: Erstausgabe! Nur im eBook erhältlich. Die erschütternden Erinnerungen an eine Kindheit unter dem Hakenkreuz. Ein Zeitdokument. 'Ich lerne die Lieder schnell auswendig und singe sie mit viel Freude. Erst üben wir sie im Kinderscharheim. Dann singen wir sie beim Marschieren auf dem Fußballplatz. Endlich, wenn wir sie richtig können, schmettern wir sie in den Straßen, während die Menschen auf dem Fußweg stehen bleiben und uns zuschauen. Ich gehöre zum neuen Deutschland, zur Zukunft unseres Volkes. Wir sind Hitlers Kinderschar. Ich bin Hitlers Junge.' Peter Hessel, 1931 in Chemnitz geboren, wuchs in einer Familie von überzeugten Nationalsozialisten auf. Bereits im Alter von fünf Jahren schlug er in seiner braunen 'Kinderschar'-Uniform die Landsknechts-Trommel. Im Zweiten Weltkrieg siedelte seine Mutter mit ihm in den 'Warthegau', ins besetzte Polen, um, wo seine weltanschauliche Indoktrinierung im Jungvolk vertieft wurde. Im Januar 1945 erlebte er den Schrecken des großen Flüchtlingstrecks zurück 'ins Reich' und danach die Zerstörung seiner Heimatstadt durch alliierte Bomberverbände. Nach Kriegsende erkannte er bald die grausige Wahrheit über das Hitlerregime und widersetzte sich vehement der sowjetisch-kommunistischen Propaganda, die ihn an seine eigene Gehirnwäsche unter den Nazis erinnerte. Im Alter von zwanzig Jahren beschloss er, Deutschland ganz zu verlassen, und wanderte aus. Nach insgesamt 55 Jahren in Kanada, wo er als Übersetzer für die kanadische Regierung tätig war, elf Bücher verfasste und zu einem leidenschaftlichen Warner vor den Gefahren der politischen Beeinflussung junger Menschen, nicht nur, aber gerade auch durch braunes Gedankengut wurde, kehrte Peter Hessel 2008 wieder nach Deutschland zurück und legt nun erstmals seine aufrüttelnden Kindheits- und Jugenderinnerungen in deutscher Sprache vor.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 249
    Erscheinungsdatum: 20.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783955302627
    Verlag: Edel Elements
    Größe: 650kBytes
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Hitlers Junge

Kapitel 1 Morgengrauen 1934/1935
Ich bin wach, liege in meinem Gitterbett und sehe flackernde Lichter auf den Fensterbänken. Die Fenster stehen offen. Kalte Luft strömt ins Zimmer. Die Lichter kommen von zuckenden kleinen Flammen in flachen, bernsteinfarbenen Glasschalen, die sie vor dem Wind schützen. Hindenburglichter. Es ist Anfang Februar 1934. Heute verlasse ich die neblige Leere der frühen Kindheit und betrete das immer noch trübe Bewusstsein des heranwachsenden Kleinkinds. Mein Gedächtnis beginnt mit diesem Tag. Alles ist noch unsicher und vage. Es brennen Lichter in der Dunkelheit. Die Außenwelt hat Signale gesetzt. Die erste denkwürdige Berührung entsteht zwischen meinem Erleben und der Umwelt. Schon vorher gab es verschwommene Kontakte. Zwischen meinen suchenden Lippen und einem feuchten, quietschenden Gumminippel, der süße, warme Milch spendet. Stimmen sind mir zu Ohren gekommen. Hände haben meinen Körper berührt. Diese Kontakte haben mir gefallen, ohne dauernde, tiefe Abdrücke als Erinnerungen zu hinterlassen. Ich bin Einzelkind in einem großen Erwachsenenhaushalt. Meistens lässt man mich allein. Dann weine ich mich in den Schlaf. Die flackernden Lichter im Februar 1934 verkünden den wahren Anfang meines Lebens. Sie öffnen mir den Blick in die Außenwelt. Lange bleiben meine Augen auf die gelben Kerzen fixiert. Dann erfassen meine Ohren Klänge, die von der Straße kommen. Erst sind es leise, ferne Klänge wie leicht fallender Regen. Sie werden lauter und dringlicher, bis ein rhythmischer Lärm mein Zimmer füllt, meinen Raum einnimmt. Trapp-trapp, trapp-trapp, trapp-trapp. Eine riesige Maschine ist in Bewegung. Trapp-trapp, trapp-trapp, trapp-trapp. Hunderte von Männern erzeugen das Geräusch, Männer in Stiefeln mit Nagelsohlen. Sie marschieren im Gleichschritt. Es dröhnt wie Hammerschläge auf dem Steinpflaster der Zwickauer Straße in Chemnitz. Deutschland feiert den ersten Jahrestag der Machtübernahme durch den Führer. Ich weiß noch nichts vom Führer, noch nichts vom neuen Deutschland. Ich bin zweieinhalb Jahre alt. Noch ist mein Verstand ein dunkles, braches, unbestelltes Feld. Nur die Kerzen bieten mir einen hoffnungsvollen Lichtschimmer, versprechen mir ein Erwachen. Ich werde wachsen. Die Hammerschläge der Marschierenden durchzucken meinen Kopf. Sie dringen in mein Gehirn ein und erfüllen es mit Energie. Ich will aus meinem Gitterbett steigen und ans Fenster laufen, um zu sehen, was ich nur hören kann. Aber wie immer sind meine Handgelenke an beiden Seiten mit Mullbinden fest an die weiß gestrichenen Holzrungen der Gitter gefesselt. Frustriert schaue ich auf die tanzenden Lichter an der Decke - Widerschein der Lichter an den Fenstern. Ich kann nicht aufstehen. Ich kann nicht aus dem Bett heraus. Mit meinen bandagierten Handgelenken schüttle ich an den Gittern, die mich gefangen halten. Jemand hat mich festgebunden, um meine Fingernägel am Kratzen zu hindern. Ich habe hässlich entzündete, juckende Ekzeme nicht nur an den Handgelenken, sondern auch in den warmen, feuchten Armbeugen und Kniekehlen. Jetzt aber fühle ich keinen Juckreiz, nicht bei dem Geschehen draußen. Ich bäume mich auf und zerre, aber die Binden halten mich fest. Ich heule vor Wut. Ich rattere an den Holzgittern, bis das ganze Bett wackelt. Meine salzigen Tränen vermischen sich mit Schleim, der mir aus der Nase in den Mund läuft. Endlich öffnet sich die Tür. Eine junge Frau kommt ins Zimmer. Sie spricht beruhigend mit mir, wischt mein Gesicht mit einem feuchten Lappen, entknotet meine Binden und hebt mich aus dem Gitterbett. Das Zimmer hat drei hohe Fenster. Die Frau trägt mich an eines und hält mich hoch. Sie stellt mich auf einen Stuhl, und ich schaue auf die Straße hinunter. Die Frau umfasst meinen Hals von hinten. Es ist wohltuend, wenn ihre weichen, warmen Arme mich berühren. Ich bin enttäuscht, wenn sie

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