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Ich war glücklich, ob es regnete oder nicht Else Sohn-Rethel - Lebenserinnerungen von Sohn-Rethel, Else (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.04.2016
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Ich war glücklich, ob es regnete oder nicht

Ein Glücksfall beschert uns die Lebenserinnerungen von Else Sohn- Rethel (1853 - 1933), herausgegeben und behutsam kommentiert von Hans Pleschinski. Es sind lebendige, beherzte und liberal-kluge Memoiren einer Frau aus dem deutsch-jüdischen, kulturell reichen Großbürgertum, wie sie in dieser Form einmalig sind: Rauschende Feste in Dresden und Düsseldorf, prägende Ereignisse der Belle Epoque und der Gründerzeit, ein Ambiente, in dem alle wichtigen Künstler der Zeit verkehrten, aber auch Krieg und Cholera wüteten. Die Erinnerungen der Else Rethel, die von den Malern August Grahl und Alfred Rethel abstammte und mit dem Maler Carl Sohn verheiratet war, liefern auch ein anschauliches Bild eines deutschen assimilierten Judentums vor der Vernichtung, ein unschätzbares und luftig- heiteres Zeitbild. Hans Pleschinski, geboren 1956, lebt als freier Autor in München. Er veröffentlichte u. a. die Romane 'Leichtes Licht' (C.H.Beck, 2005), 'Ludwigshöhe' (C.H.Beck, 2008) und 'Königsallee' (C.H.Beck, 2013), der ein Bestseller wurde, und gab die Briefe der Madame de Pompadour und eine Auswahl aus dem Tagebuch des Herzogs von Croÿ heraus. Zuletzt erhielt er u. a. den Hannelore-Greve-Literaturpreis (2006), den Nicolas-Born-Preis (2008) und wurde 2012 zum Chevalier des Arts et des Lettres der Republik Frankreich ernannt. 2014 erhielt er den Literaturpreis der Stadt München und den Niederrheinischen Literaturpreis. Hans Pleschinski ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Künste.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 13.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406691669
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 7727 kBytes
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Ich war glücklich, ob es regnete oder nicht

Kunstreiches Erbe

"Heute besuchte ich das eine halbe Stunde von der Stadt auf einer angenehmen Höhe liegende Prachthaus, die Rotonda genannt. Es ist ein viereckiges Gebäude, das einen runden, von oben erleuchteten Saal in sich schließt. Von allen vier Seiten steigt man auf breiten Treppen hinan und gelangt jedesmal in eine Vorhalle, die von sechs korinthischen Säulen gebildet wird. Vielleicht hat die Baukunst ihren Luxus niemals höher getrieben. Der Raum, den die Treppen und Vorhallen einnehmen, ist viel größer als der des Hauses selbst: denn jede einzelne Seite würde als Ansicht eines Tempels befriedigen."

Johann Wolfgang von Goethe, Italienische Reise , 21. September 1786

Den Renaissanceglanz von Andrea Palladios Villa La Rotonda ließ der Architekt Gottfried Semper ab 1839 an der Elbe verwandelt neu erstehen. Dresden besaß damit das maßgebliche Vorbild für Villenbauten in Deutschland. Die sächsische Hauptstadt war auf künstlerisches, auf architektonisches Prestige erpicht. Durch für Sachsen seit mehr als einem Jahrhundert unglücklich verlaufende Kriege, vor allem dem Machthunger Preußens geschuldet, war das Königreich auf seine Kernlande mit Leipzig und Dresden, dem Erzgebirge, dem Vogtland und Teilen der Lausitz geschrumpft. Als Mitglied des 1815 in Wien gegründeten Deutschen Bundes, zu dem sich neununddreißig "souveräne Fürsten und freie Städte" zusammengeschlossen hatten, spielte Sachsen kaum eine ausschlaggebende Rolle. Doch es war wohlhabend. Es blickte auf eine eindrucksvolle Geschichte zurück, und die kulturelle Aura Dresdens wirkte auf frühe Touristen, auf reiche Privatiers, auf viele Künstler magnetisch. Nach Elbflorenz zog man sich zurück. In Dresden wurden neue Kunststile erprobt.

In einer Rede vor dem Landtag hatte König Johann auch bestehende Rechte für Juden bekräftigt: "Mit aller Achtung für die öffentliche Meinung muss ich mich doch für die Juden verwenden. Ich glaube, wir sind es den Juden als Menschen, wir sind es ihnen als Mitbürger schuldig. Ich habe keine andere Sympathie für die Juden als für alle meine Mitmenschen, und diese kann ich ihnen nicht weigern." - Gottfried Semper baute auch ihre Synagoge.

Der Maler August Grahl[ 1 ], mein Großvater und Sohn des Berliner Hofjuweliers Johann Christian Grahl, lebte seit dreißig Jahren als sehr gesuchter Porträtmaler in Rom, malte kleine Porträts auf Elfenbein, die damals, also um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, sehr in Mode waren. Er hatte sehr viel zu tun, denn jeder einigermaßen bekannte und begüterte Mensch, der nach Rom kam, ließ sich von ihm malen, u.a. verschiedene Mitglieder der Familie Beauharnais, z.B. die Stieftochter von Napoleon I., Hortense, dann der junge Napoleon (genannt Plon Plon)[ 2 ], die Königin Isabella von Spanien, der große Bildhauer Thorwaldsen, sehr viele vom englischen Hof. Er verdiente sehr gut und erzählte öfters, wie er die Geldstücke in seine Schreibtischschublade warf und sich diese bis an den Rand füllte. Da er ein großer Kunstkenner und -liebhaber war und die wertvollen Kunstschätze der Renaissance damals in Rom gewissermaßen auf der Straße lagen, benutzte er klugerweise diesen Goldschatz zum Ansammeln der schönsten Bilder und Kunstgegenstände, die noch bis auf den heutigen Tag der ganzen sich ausbreitenden Familie zum Glück wurden.

Ein Porträtauftrag rief ihn eines Tages nach Bad Gastein, und dort lernte er die Familie Oppenheim kennen. Dieselbe bestellte ein Porträt der jungen Elisabeth, und diese begeisterte sich bald für den allerdings viel älteren, aber sehr stattlichen und anregenden Mann, auch er verliebte sich in sie, und so wurde aus den beiden ein Paar. Er war geboren in Mecklenburg, hatte als "schwarzer Husar" die Freiheitskriege mitgemacht, war kurze Zeit mit einer Mecklenburgerin verheiratet, die aber bald starb, ohne Kinder zu hinterlassen.

August und Elisabeth waren ein glückliches Brautpaar

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