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König der Wildschützen Das abenteuerliche Leben des Matthäus Klostermayr, genannt Bayerischer Hiasl von Böckl, Manfred (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.03.2016
  • Verlag: SüdOst Verlag
eBook (ePUB)
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König der Wildschützen

Er war der König der deutschen Wildschützen und Räuber: Matthäus Klostermayr, besser bekannt unter dem Namen Bayerischer Hiasl. In der Mitte des 18. Jahrhunderts trieb er sein Unwesen im Augsburger Raum und in Oberschwaben. Zeitweise führte er Wildererbanden mit mehreren hundert Renegaten an; immer wieder forderte er die feudale Obrigkeit - die Adligen und die Priesterschaft - auf spektakuläre Weise heraus. Aus ärmlichsten Verhältnissen stammend, stieg Matthäus Klostermayr auf diese Weise zu einem Volkshelden auf - noch nicht ahnend, welch schreckliches Schicksal ihn später ereilen würde. Manfred Böckl, geboren am 02.09.1948 in Landau/Isar (Niederbayern), war nach seinem Studium in Regensburg zunächst als Volontär und dann als Redakteur bei der 'Passauer Neuen Presse', und ab Januar 1976 als freier Schriftsteller tätig. Heute lebt er in Empertsreut im Bayerischen Wald. Er verfasst hauptsächlich Historische Romane, Sachbücher und Drehbücher. Außerdem war er Stadtschreiber von Otterndorf/Niedersachsen (1986) und Neumüller-Stipendiat der Stadt Regensburg (1987/88).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 296
    Erscheinungsdatum: 30.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783866467453
    Verlag: SüdOst Verlag
    Größe: 2391 kBytes
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König der Wildschützen

Erstes Buch
Der Hirtensohn
Um 1740 bis April 1761

Das Brentan-Haus

Dorf Kissing an der Paar

Um 1740 bis 1745

Er war vier oder fünf Jahre alt und kniete auf der Wiese, die zwischen seinem Elternhaus und dem Fluss lag. Aus Holzstöckchen und Riedgras hatte er ein kleines Floß gebaut; jetzt fehlten nur noch der Mast und ein großes Sauerampferblatt, das als Segel dienen konnte.

Der Bub sprang auf, strolchte über den von der Sommersonne beschienenen Wiesengrund und fand bald, was er suchte. Wenig später war das Floß fertig; nun trug der Junge sein selbstgefertigtes Spielzeug zum Flussufer, kauerte sich erneut nieder und setzte das Floß vorsichtig aufs Wasser der Paar. Ein Windhauch trieb das Stöckchenfloß ein Stück auf den Fluss hinaus; dann jedoch geriet es in einen sanften Strudel und legte wieder am Ufer an. Daraufhin riss der Bub eine Gerte von einem Weidenstrauch ab. Mit ihrer Hilfe wollte er das Floß weiter in die Strömung hineinstoßen. Doch noch ehe er sein Vorhaben in die Tat umsetzen konnte, hörte er einen Ruf vom Haus her: "Hiasl! Geh weg vom Wasser!"

Der Junge duckte sich, stocherte mit der Weidengerte nach dem Spielzeugfloß und löste es vom Flussufer. Diesmal schwamm es ein gutes Stück auf die Paar hinaus, geriet in die Hauptströmung und wurde zügig davongetragen. Der Bub sprang auf und klatschte begeistert in die Hände. Im nächsten Moment aber vernahm er neuerlich die nun scharf klingende Stimme der Mutter: "Komm her, Matthäus! Auf der Stelle!"

Zornig ballte der Junge die Fäuste. Dann jedoch, nach einem letzten Blick auf das Floß, wandte er sich vom Fluss ab und trottete über die Wiese zu seinem Elternhaus. Als er bei der Tür des einstöckigen, mit Schindeln gedeckten Gebäudes ankam, umarmte ihn die Mutter und sagte: "Es ist zu gefährlich für dich, Hiasl, wenn du allein an der Paar spielst. Könntest ins Wasser fallen und ertrinken. Und dann hätten der Vater und ich auch noch dich verloren. So wie die Vroni ..."

Der Bub presste sich in die Arme seiner Mutter. Er erinnerte sich genau, wie seine kleine Schwester im vergangenen Winter plötzlich gestorben war. Zuvor hatte sie tage- und nächtelang ganz erbärmlich gehustet, und dann war sie im Schneetreiben zum Friedhof von Kissing getragen worden.

"Ist die Vroni jetzt im Himmel?", fragte Hiasl kleinlaut.

Die Mutter nickte. "Ja, bei den Engeln ist sie ..." Die grünen Augen der rotblonden Mittzwanzigerin, die ihr zweites Kind schon bald nach der Geburt hatte begraben müssen, wurden feucht. Sie blinzelte, atmete tief durch und streichelte ihrem Erstgeborenen übers Haar. "Aber du bist mir ja geblieben ... Und nun lass uns ins Haus gehen. Die Erdäpfel fürs Mittagessen sind gewiss schon gar."

Nach einer Weile kam auch der Vater heim. Der hagere, schwarzhaarige Anfangsdreißiger hatte seit dem Morgengrauen auf einem der großen Bauernhöfe in der Dorfmitte ausgeholfen und war jetzt hungrig wie ein Wolf. Doch das Mahl, das die kleine Familie einnahm, war bescheiden. Es gab Kartoffeln mit Sauerkraut; dazu für jeden einen Becher mit Ziegenmilch.

Kaum hatte er den letzten Bissen hinuntergeschluckt und seinen Milchbecher geleert, eilte der Vater wieder davon: zurück zu dem Bauernanwesen, wo er für diese Woche Arbeit bekommen hatte. Hiasl wiederum ging seiner Mutter beim Abwasch zur Hand; danach begleitete er sie auf die Hauswiese hinaus, wo Gras für die beiden Ziegen und die Käfighasen der Familie gesichelt werden musste.

Die Tiere waren unter demselben Dach wie die Menschen untergebracht: in einem Stall, der sich in dem niedrigen Haus mit den winzigen Fenstern direkt an die wenigen Wohnräume anschloss. Durch eine Bohlentür, die von einer der Schlafkammern aus in den Stallbereich führte, trugen der Bub und seine Mutter den gefüllten Graskorb zur Futterraufe für die Ziegen. Nachdem der Barren voll war, durfte Hiasl den Rest des frischen Grases de

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