text.skipToContent text.skipToNavigation

Lottokönig Einmal Millionär und zurück von Bruni, Werner (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2016
  • Verlag: Wörterseh Verlag
eBook (ePUB)
4,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Lottokönig

Werner Bruni wird den 28. April 1979, es war ein Samstag, nie mehr vergessen. Genauso wenig wie die sechs Zahlen: 11, 40, 29, 2, 33 und 15. Sie machten aus dem bescheidenen Sanitärinstallateur einen König. Einen Lottokönig. Den ersten der Schweiz. Das ganze Land rätselte, wer wohl der Glückspilz sei. Nur wenige Tage später schon wurde er an die Öffentlichkeit katapultiert. Wochen-, ja monatelang sprach das ganze Land von ihm. Er wurde von zig Medien, auch ausländischen, porträtiert. Sechs Jahre später musste er Konkurs anmelden. Seine Bilanz hatte er schnell gezogen: "Nur Geld ist noch vergänglicher als das Leben." "Als grundehrlich habe ich Werner Bruni vom ersten Moment an empfunden. Als einen Mann auch, der gar nicht recht wusste, was er mit all dem Geld sollte. Als er mich anrief und sagte, er habe sein Leben zu Papier gebracht, bat ich ihn, mir das Manuskript zu schicken, und wusste sofort: Das ist ein Stoff, der authentischer nicht sein könnte." Christoph Müller, Redaktionsleiter DOK und Reporter, Schweizer Fernsehen

Werner Bruni, geb. 1936, der erste Lottokönig der Schweiz, tat - nachdem er seinen Gewinn in den Sand gesetzt und Konkurs angemeldet hatte - nach wie vor, was er sowieso am besten konnte: chrampfen. Bis er pensioniert wurde. Dann, eines Tages, begann er sein Leben aufzuschreiben. In gestochen klaren, handgeschriebenen Sätzen fasste er es zusammen. In Werner Brunis einzigartigem Buch fliessen kurze Episoden aus der Zeit seiner Kindheit bis heute in einem weiten Bogen zu einem breiten Erzählstrom ineinander. Kurz, authentisch und absolut ehrlich. So muss es sein, denn: "Etwas schreiben, das nicht stimmt, hat keinen Sinn. Etwas dazuzutun, kommt nicht infrage. Es wird nur falsch. Das zerreisst man am besten grad wieder."

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 01.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783037635087
    Verlag: Wörterseh Verlag
    Größe: 1126kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Lottokönig

Ich, Bruni Werner

Was wohl meine Mutter gesagt hätte, wenn sie hätte erleben dürfen, dass ihr Jüngster einmal Lottokönig und Millionär wird? Einen Herzinfarkt hätte sie gekriegt. Die Arme. Hat ja selber nie nichts gehabt. Gar nichts hat sie gehabt und alles getan für mich, was sie konnte.
Gofen

Am 28. März 1936 um 10 Uhr 45 Min. kam ich in Heimberg bei Thun als siebtes und jüngstes Kind meiner Eltern zur Welt. So stehts im Geburtsschein. So wirds wohl sein. Wie meine jüngsten Jahre vergingen, weiss ich nicht mehr genau. Mein Vater war ein sehr guter Maurer-Vorarbeiter, aber das reichte trotzdem nicht, um eine neunköpfige Familie zu ernähren. Deshalb arbeitete meine Mutter in der Milchsiederei (in Stalden bei Konolfingen). Als die Firma drei Jahre später Personal abbaute, ging Mutter waschen und putzen bis nach Thun.

Von Kind auf wurde ich zum Krampfen erzogen. Herumhängen neben der Schule, das gab es nicht. Entweder arbeitete man bei einem Bauern oder als Ausläufer bei einem Bäcker oder Metzger. In die Sekundarschule? Das war ein grossgeschriebenes Wort. Das kam nicht in Frage für Arbeiterkinder. Das war für die Gemeindepräsidententochter und für den Polizistensohn im Nachbarhaus. Solche Leute waren etwas ganz Spezielles im Dorf. Hätten es wenigstens sein sollen.

Klar träumte man hie und da, man könne mal etwas Mehrbesseres werden, aber das waren verwerfliche Gedanken. Die Träume waren bald wieder fort. In einer reichen Familie wäre ich vielleicht Playboy geworden oder sonst irgendetwas. Aber so setzte man sich das Ziel, dass man etwa gleich wie die andern wurde. Dass man nicht auffällt.

Seit ich mich erinnern kann, hatten wir Schwierigkeiten mit der Gemeinde und den Behörden. Oder besser: Die Gemeinde machte uns Schwierigkeiten. Die Vaganten wollten die Familie auseinanderreissen. Die älteren sechs Kinder waren schon gross und fort, so lange ich mich zurückerinnere. Die konnten sie nicht mehr belangen.
Brüderchen und Schwesterchen

Meine älteste Schwester Alice (Jg. 23) war in Wimmis bei Notar Bichsel im Haushalt-Lehrjahr. Vreni (Jg. 24) lernte Weissnäherin in Yverdon. Sie heiratete und lebt mit der Familie heute noch dort. Hilda (Jg. 33) war bei einer Familie in einem Nachbardorf. Wo, weiss ich nicht, der Kontakt ging verloren, ich weiss nichts mehr von ihr, seit sie versuchten, die Familie auseinanderzureissen. Alice ruft ab und zu an. Sonst vernehme ich nicht viel.

Ernst (Jg. 25) lernte Maurer. Fritz (Jg. 31) wurde in die Heimenschwand verdingt. Auch Alfred (Jg. 28) wurde verdingt: hinauf auf die Lueg im Emmental. Wie er von dort davonlaufen konnte und den Weg ganz allein zurück nach Heimberg fand, ist uns allen ein Rätsel. Fragen kann ich ihn nicht mehr. Er ist gestorben. Genau wie Ernst und Fritz.

Mich wollten sie auch forträumen. Ich war noch so ein kleiner Knirps, ich konnte noch nicht laufen und mich nicht wehren, als sie kamen. Aber sie hatten nicht mit Frau Kissling gerechnet. Während dieser Zeit hütete mich Frau Kissling in der Au. Ihre Kinder Hans, Ernst, Rosi, Frida und Liseli waren schon grösser. Sie mochte Kinder gerne und schützte mich wie ein Adler. Sie sagte diesen Gemeindebrüdern: "Über diese Türschwelle kommt keiner von euch! Den Wernerli gebe ich euch nicht heraus." Mehr als einmal schickte Frau Kissling sie mit Schimpf und Schande davon. Sonst hätten sie mich wer weiss wohin verfrachtet, wohl zu einem Bauern, zum Krampfen. Gut, später habe ich das dann sowieso gemacht.

Zu Hause war nicht alles goldig. Vater begann zu trinken, (nicht während der Arbeit, aber nachher), kam erst spät nach Hause, oder seine Kollegen vom Stammtisch brachten ihn heim. Wenn Mutter das Essen nicht sofort aufwärmte und auftischte, kam es zum handfesten Krach. Da flogen Gusspfannen,

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen