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Mileva Einstein oder Die Theorie der Einsamkeit Roman von Drakulic, Slavenka (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.04.2018
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
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Mileva Einstein oder Die Theorie der Einsamkeit

"Trauer summiert sich wie in der Mathematik.". Sie war weit mehr als die Frau an Albert Einsteins Seite: Gemeinsam mit ihrem Mann studierte Mileva Einstein Physik, diskutierte als gleichberechtigte Partnerin mit ihm seine Theorien und blieb über ein Jahrzehnt hinweg seine engste Vertraute. Als die Ehe zerbricht, verliert Mileva die Liebe ihres Lebens, ihren inneren Halt. Ein bewegender Roman über eine begabte junge Frau, die sich ein eigenes Leben erträumte und an den patriarchalischen Denkmustern des frühen 20. Jahrhunderts scheiterte. "Die Stärke der Autorin liegt in ihrem außerordentlichen Einfühlungsvermögen." Karl-Peter Schwarz, Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Slavenka Drakuli?, geboren 1949, ist eine der bekanntesten Schriftstellerinnen Kroatiens. Sie schreibt unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, die Neue Zürcher Zeitung und Zeit Online. 2005 erhielt sie für 'Keiner war dabei' den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. 2007 erschien der Roman 'Frida' über Frida Kahlo, 2016 im Aufbau Verlag der Roman 'Dora und der Minotaurus' über Dora Maar.
Mehr Informationen zur Autorin unter www.slavenkadrakulic.com

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 13.04.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841215048
    Verlag: Aufbau Verlag
    Originaltitel: Mileva Einstein, teorija tuge
    Größe: 4176kBytes
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Mileva Einstein oder Die Theorie der Einsamkeit

In der Küche
1914

Mileva sitzt am Küchentisch. Es ist Sommer. Früh am Morgen. Durchs offene Fenster ist noch die nächtliche Frische in der Luft zu spüren.

Sie streicht Papier glatt, das von Hand beschrieben ist. Sie weiß, es ist von Albert, aber sie dreht und wendet es, studiert die Unterschrift, als könnte sie nicht glauben, dass er so etwas geschrieben hat. Obwohl es ihr schwerfällt, es für wahr zu halten, kennt sie die Handschrift ihres Mannes zu gut, seine schrägen Buchstaben, die charakteristisch geschwungenen L und N. Seine Handschrift weist so viele Schnörkel auf, dass selbst ein Fälscher Mühe hätte, sie nachzuahmen. Schriebe er nur das A seiner Unterschrift, sie wüsste, dass es von Albert stammt. Sie hat genügend Briefe von ihm bekommen, oft genug hat sie gesehen, wie schnörkelig er unterschreibt. Wenn sie den Brief betrachtet, der sie gestern erreichte, hat sie nicht den Eindruck, dass er irgendwann innegehalten hätte oder unentschlossen gewesen wäre. Im Gegenteil, die Schrift ist gleichmäßig, seine Hand ist sicher. Mileva erkennt sogar die blaue Tinte, die er verwendete, sie selbst hat sie ihm in Zürich in dem Schreibwarengeschäft gekauft, in dem sie sonst Papier und Schulhefte für Hans Albert besorgt.

Sie liest den Brief, den ihr gestern sein Kollege Fritz Haber gebracht hat. Als echter Feigling hat Albert es nicht gewagt, ihn ihr persönlich auszuhändigen.

Berlin, 18. Juli 1914

Bedingungen

A. Du sorgst dafür,

1) dass meine Kleider und Wäsche ordentlich in Stand gehalten werden;

2) dass ich die drei Mahlzeiten im Zimmer ordnungsgemäss vorgesetzt bekomme;

3) dass mein Schlafzimmer und Arbeitszimmer stets in guter Ordnung gehalten sind, insbesondere, dass der Schreibtisch mir allein zur Verfügung steht.

B. Du verzichtest auf alle persönlichen Beziehungen zu mir, soweit deren Aufrechterhaltung aus gesellschaftlichen Gründen nicht unbedingt geboten ist. Insbesondere verzichtest Du darauf,

1) dass ich zuhause bei Dir sitze;

2) dass ich zusammen mit Dir ausgehe oder verreise.

C. Du verpflichtest Dich ausdrücklich, im Verkehr mit mir folgende Punkte zu beachten:

1) Du hast weder Zärtlichkeiten von mir zu erwarten noch mir irgendwelche Vorwürfe zu machen.

2) Du hast eine an mich gerichtete Rede sofort zu sistieren, wenn ich darum ersuche.

3) Du hast mein Schlaf- bezw. Arbeitszimmer sofort ohne Widerrede zu verlassen, wenn ich darum ersuche.

D. Du verpflichtest Dich, weder durch Worte noch durch Handlungen mich in den Augen meiner Kinder herabzusetzen.

Das ist nur die schriftliche Bestätigung der Situation, in die ich geraten bin, denkt Mileva. Wenn ich diese Demütigungen nicht hinnehme, ist es aus mit dem Zusammenleben.

Sie legt die Blätter auf den Tisch und geht ans Fenster. Lehnt sich an den Holzrahmen. Dann berührt sie mit den Fingern die Wand, als könnte sie sich so halten. Sie verspürt ein starkes Bedürfnis, etwas Festes und Beständiges anzufassen. Als wollte sie sich vergewissern, dass sie da ist, am Leben. Ihr ist bewusst, dass sie im Nachthemd und mit aufgelöstem Haar elend aussieht. Aber in der Küche ist noch niemand, der sehen könnte, wie unsicher sie sich bewegt, wie sie schnell blinzelt, um die Tränen zurückzuhalten. Ich kann nicht mehr weinen, sagt sie sich. Ich muss mich zusammennehmen und entscheiden, was zu tun ist.

Tief atmet sie die Morgenfrische ein. Das Küchenfenster zeigt zum Hof. Berlingrau, so nennt sie die dunkle Farbe der Fassaden, Straßen, Höfe. In dieser Stadt fehlt ihr die Sicht auf die B

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