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Notfall-WG Facetten der Liebe von Velin, Sofia (eBook)

  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Notfall-WG

Wohngemeinschaft mit Herausforderungen. Nachdem ihr Mann ausgezogen und alle Kinder das Nest verlassen haben, beschließt Marietta, in ihrem Haus eine Wohngemeinschaft für Menschen in Not zu gründen. Marietta sieht sich mit verschiedensten Schicksalen, Überreaktionen der Betroffenen und deren Sorgen konfrontiert. Diese erfordern ihr ganzes Einfühlungsvermögen, wenn sie ihren Mitbewohnern helfen will. Sie reift an den Erfahrungen und findet unerwartetes Glück und eine große Liebe. Sofia Velin, lebt in der Schweiz. Ihre multikulturelle Familie hat sie geprägt. Die Sehnsucht nach dem Sinn des Lebens, nach Heilsein war und ist ihr Antrieb, weshalb sie diverse Ausbildungen und Reisen machte. Sie arbeitete als Fremdsprachensekretärin, später als Polarity-Therapeutin (in einer Arztpraxis) und als Yogalehrerin in einem Kurszentrum. Gleichzeitig gründete sie eine Wohngemeinschaft für Menschen mit psychischen Problemen. Sie veröffentlichte 2015/16 eine zweiteilige Autobiografie, 2017 einen Lyrikband, 2018 ihren ersten Roman und genießt neben dem Schreiben ihre Enkelkinder.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783746021119
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 537 kBytes
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Notfall-WG

1. Kapitel

Albert

Bedingungslos zu lieben, was war das nun genau?

Das fragte sie sich regelmäßig, nachdem sie das fünfzigste Lebensjahr überschritten hatte. Marietta lag noch im Bett und erwartete, dass der ungeliebte Duft von Marihuana ihr in die Nase stieg von Albert, der, wie so oft, an die Wand des Hauses gelehnt frühmorgens seinen ersten Joint rauchte. Sie fühlte sich lausig und hätte am liebsten ihre Verzweiflung laut aus dem Fenster geschrien, aber sie lebte in einem kleinen Haus in einer Wohnsiedlung, Haus an Haus mit anderen Nachbarn. Die Nachbarin, die gerne zu jeder Tageszeit im Garten etwas arbeitete oder inspizierte, könnte sie hören und für übergeschnappt halten.

Laut schreien - das ging schlecht. Stattdessen biss sie die Zähne zusammen, krallte die Hände in die Bettdecke und stand nach einer Weile seufzend auf. Erleichtert, dass sie immer noch nichts Ungewöhnliches roch, öffnete sie das Fenster jetzt weiter auf und atmete ein paar Mal tief durch. Sie sah den Wolken nach, die vorbeizogen, und schaute sich deren Formen an. Das tat sie sehr gerne, denn dann sah sie Herzen, Gesichter, Tiere. Heute waren es zu ihrer Freude unzählige Wellen aus kleinen Wolken, die an die Tapete ihres Schlafzimmers erinnerten, denn sie liebte Wasser und den bewegten Himmel.

Auf welcher Welle schwamm sie? War es eine Welle der echten Besorgnis? Oder war es eine Welle, die etwas davontrug? Hatte sie etwa Angst? Davor, dass ihr Leben jetzt, wo die Kinder ausgezogen waren, öde würde? Davor, dass die Zeit für eine neue Partnerschaft nun endgültig vorbei war? Sie wusste, dass niemand ihr Alter auf 50 Jahre schätzte. Alle sagten, sie sähe jünger aus. Sie fühlte sich noch nicht reif für die Insel. Marietta fand sich selbst nicht sonderlich schön, aber mit den Jahren hatte sie ihr Aussehen akzeptiert, bedingungslos lieben konnte sie sich selbst aber nicht.

Sie war keine großgewachsene Frau mit schönen langen Beinen, keine Blondine, welche die Blicke auf sich zog, doch ihre Freundlichkeit sprach Menschen an und ihre Energie drückte eine Präsenz aus, die viele Menschen dazu brachte, ihr zu vertrauen. Sie hatte einen gewissen Charme, das war nicht zu leugnen, und er diente ihr oft in ihren Kursen. Mariettas Gesicht war ebenmäßig, ihre Lippen voll und das braune Haar fiel ihr bis auf die Schultern und umrahmte ein Gesicht, das mütterlich-weiche Züge hatte. Ihre ausdrucksvollen grünen-braunen Augen, die manchmal hell blitzen konnten, wenn sie lachte, dann wieder, je nach Lichteinfall, dunkler bis fast nur braun schienen, waren offen in die Welt gerichtet.

Nicht nur die Wolken, auch Landschaften, Menschen und Bilder, die sie ansah, verwandelten sich in ihr in ein Gefühl, und so konnten heute die vorbeiziehenden Wolken ihre Gefühle besänftigen. Marietta nahm vieles über die Sinne auf. Wenn sie wütend war, erwachte ihr Temperament, das jedoch mit den Jahren und ihrer Arbeit als Therapeutin und Meditationslehrerin milder geworden war. Manchmal konnten die Augen streng blicken, und man musste sich fragen, ob man etwas angestellt hatte. Es gab aber auch Momente, da wirkte sie abwesend. Das war immer dann, wenn sie in ihr Innerstes hineinhorchte. Das verunsicherte andere oft, weil sie weit weg zu sein schien. Die Scheidung nach so vielen Jahren Ehe und danach dieses Zusammenleben mit Albert hatten den Versuch, bedingungslos zu lieben, schwer gemacht. Bisweilen tauchte deswegen auch eine Traurigkeit in ihren Augen auf. Und ihre Kinder? Liebte sie diese bedingungslos? Sie hatte sich oft durchsetzen müssen, weil deren Vater sich wenig bis gar nicht um sie kümmerte. Wenn sie ihre Kinder beschützte und versuchte, auf deren Eigenheiten einzugehen, war das Liebe, aber nicht gänzlich bedingungslos, nur nahe dran. Die Drei waren inzwischen flügge und hatten ihr eigenes Leben. Und Marietta? Sie wollte ihre Fähigkeit zu lieben ausdehnen.

Marietta hatte Albert in einem Forum für spirituelles Leben

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