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Richard Wood Ein Entwicklungsroman von Schopenhauer, Johanna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.03.2016
  • Verlag: e-artnow
eBook (ePUB)
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Richard Wood

Dieses eBook: 'Richard Wood' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Johanna Schopenhauer (1766-1838) war eine deutsche Schriftstellerin und Salonnière. Sie war die Mutter des Philosophen Arthur Schopenhauer und der Schriftstellerin Adele Schopenhauer. Aus dem Buch: 'Wie oft versuchte ich es schon, sein Bild auf dem Papier festzuhalten! Aber ich ermüde im fruchtlosen Streben. Ja, wenn ich mit den Zügen seines Gesichts auch die unbeschreibliche Harmonie in seinem ganzen Wesen wiederzugeben vermöchte! Er ist immer er selbst! Ganz und ungeteilt er selbst, in jeder seiner Bewegungen, in jedem seiner Worte, im Scherz wie im Ernst! Nur er, einzig er kann so dastehen, so sprechen, so aussehen, und doch ist es nicht seine Gestalt allein, die ihn vor allen auszeichnet, es ist der Einklang, die Übereinstimmung in seiner ganzen Erscheinung. Wo lebt der Künstler, der diese darzustellen vermöchte? Ohne sie bleiben meine Bilder leblos und starr, bei aller übrigen Ähnlichkeit gleichen sie Wachsbildern, die das Leben ungeschickt nachäffen wollen, und ich muß sie vernichten, denn sie erregen mir Grauen.'

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 308
    Erscheinungsdatum: 13.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026851714
    Verlag: e-artnow
    Größe: 796 kBytes
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Richard Wood

Zweiter Theil

Inhaltsverzeichnis
Vorwärts, nur immer vorwärts! trieb Iwan unaufhörlich, abwechselnd bittend und fluchend, in fieberhafter Rastlosigkeit. Große Staubwolken wirbelten zum Himmel auf, die kleinen zottigen Pferde keuchten in fliegendem Galopp, unter fortwährendem Peitschenknallen der durch unerhörte Trinkgelder zu unerhörten Thaten begeisterten Postillione, vor der leichten Kibitka. So ging es, bei Sonnen- und Mondenschein, bergauf bergab, die langen heißen Tage, die wundervollen lauen Nächte hindurch, bis endlich Moskau erreicht war.

Nur wenn glücklicher Weise einmal am Wagen etwas brach, ein Pferd stürzte, oder die Räder bei der übergroßen Eile in Brand geriethen, nur durch solch einen willkommnen Zufall war es Richard einigemal gelungen, eine kurze Zeit zum Ausruhen zu gewinnen. Doch durfte diese erzwungene Ruhe nie zu lange währen, wenn Iwans krankhafte Ungeduld nicht bis zum Unerträglichen sich steigern sollte. Der Unglückliche glaubte dann in jedem auf ihn zuschreitenden Reisenden den Boten zu sehen, der gesandt sei ihn gewaltsam zurück nach Petersburg zu führen, und brach in so ängstliche herzzerreißende Klagen aus, daß Richard der eigenen Ermüdung darüber gern vergaß, und die Fortsetzung der Reise auf jede Weise zu beschleunigen suchte, aus Furcht, Iwan könne bei längerem Verweilen zurück in seinen vorigen trostlosen Zustand, oder wohl gar in unheilbaren Wahnsinn verfallen.

In unglaublich kurzer Zeit hatten die Reisenden auf diese Weise den weiten Weg bis Moskau zurückgelegt, ohne einen bedeutenden Unfall zu erleiden. Der Anblick der ihm wohlbekannten Plätze und Straßen, der Häuser und Paläste, wirkte beruhigend auf den sonst rastlosen Iwan. Er rief jene genußreiche Zeit ihm zurück, die er bald nach der Trennung vom Vaterlande hier verlebte; hierher war er mit frischen Sinnen, ein mit dem ernsteren Gange des Lebens noch unbekannter Neuling in der Welt, zuerst gekommen; warum, dachte er, sollte er von hier aus, wo er schon auf halbem Wege sich befand, nicht wieder in sein Vaterland zurückgelangen können? Ein wunderlicher Schluß, wie er wohl in einem so tief und so schmerzlich zerrütteten Geiste nur entstehen konnte; aber er besänftigte doch die bis aufs höchste getriebene Spannung seiner Nerven. Iwan fing an sich ermüdet zu fühlen; zum erstenmal seit Petersburg erblickte er im Spiegel seine bis zum Unkenntlichen veränderte Gestalt, und verlangte jetzt selbst sich hier einige Tage zu erholen.

Nein, sprach er: so darf meine Mutter ihren Sohn nicht wieder finden, sie könnte den Tod davon haben! ich halte es hier wohl einige Zeit aus; sehe ich doch schon einzelne Gestalten in der Tracht meines Landes an meinem Fenster vorüber ziehen, schallen doch schon zuweilen einige Töne aus meiner Muttersprache erquicklich zu mir herauf, auch wehen heimathliche Lüfte mich schon an, und ermuthigen mir zum schönsten Hoffen das gesunkene Herz.

Richard trachtete vor allem den Freund in dieser heilsamen Stimmung zu bestärken; er führte, freilich mit großer Auswahl, einige seiner früheren Bekannten ihm zu, um ihm die Zeit zu verkürzen, und hielt sich und seinen Freund für völlig geborgen, als er durch einen glücklichen Zufall einen wohlhabenden in Moskau etablirten Teppichhändler aus Tiflis auffand, der mit seiner Vaterstadt unaufhörlich in Handelsverbindungen stand. Dmitry, so hieß der gute freundliche Mann, schloß jetzt seinen Laden gern ein Stündchen früher als gewöhnlich, um regelmäßig jeden Abend zu seinem Landsmanne zu eilen, und über einer Pfeife ächten türkischen Tabak, von dem geliebten Vaterlande, und auch von Iwans Familie sich mit ihm zu unterhalten, die er früher persönlich gekannt hatte.

Während Iwan auf diese Weise beschäftigt, recht gern in seinem Zimmer blieb, gelassen der Ruhe pflegte, und nur fleißig im Spiegel nachsah, ob er bald im Stande sein würde vor seiner Mutter zu er scheinen, ohne sie allzu sehr zu erschrecke

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