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Seit ich zuerst sie sah (Autobiografischer Roman) Persönlichstes Werk des Literatur-Nobelpreisträgers Gjellerup von Gjellerup, Karl (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.09.2015
  • Verlag: e-artnow
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Seit ich zuerst sie sah (Autobiografischer Roman)

Dieses eBook: 'Seit ich zuerst sie sah (Autobiografischer Roman)' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Karl Adolph Gjellerup (1857-1919) war ein dänischer Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger. Seine lyrische Tragödie Brynhild (1884) wurde Karl Gjellerups endgültiger literarischer Durchbruch. Er hatte sie seiner Geliebten Eugenia Bendix (geb. Heusinger) gewidmet, einer gebürtigen Dresdnerin (zuvor Ehefrau von Fritz Bendix), die er am 24. Oktober 1887 heiratete. Karl Gjellerup lebte von 1885 bis 1887 in Dresden, auch sein weitgehend biographischer Roman Minna (dt. Seit ich zuerst sie sah) spielt hauptsächlich in Dresden und Rathen und ist die nur wenig verschlüsselte Liebesgeschichte mit Eugenie. Im März 1892 ließ er sich endgültig in Dresden nieder. Nach 1898 erschienen die meisten seiner Werke in deutscher Sprache, seine Vorbilder waren neben Schiller, Goethe und Heine auch Kant, Schopenhauer und Nietzsche. Aus dem Buch: 'Schräg, wie ein Hund läuft, setzt die Fähre über den Fluß, der sie selber vorwärtstrieb; denn sie war an einer Tonne befestigt, die ein Stück weiter oben wippte, und der Fährmann brauchte bloß ab und zu die Kette, die durch eine Winde oben an dem kleinen Maste lief, straff anzuziehen. Trotz dieser leichten Arbeit trocknete er sich fortwährend mit dem Hemdärmel die Schweißtropfen vom Gesicht, das so sonnenverbrannt war, daß er unserer Vorstellung von einer Rothaut bedeutend näherkam als irgendeiner der Sioux-Indianer, die ich am vorhergehenden Abend im zoologischen Garten gesehen hatte.'

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 295
    Erscheinungsdatum: 04.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026843986
    Verlag: e-artnow
    Größe: 864 kBytes
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Seit ich zuerst sie sah (Autobiografischer Roman)

2. Kapitel

Inhaltsverzeichnis
Eine Woche später fuhr ich früh um acht Uhr ab. Wie gewöhnlich kam ich in der letzten Minute an Bord. Als ich meine Siebensachen untergebracht hatte und anfing, mich umzusehen, waren wir schon an der Albertbrücke; die Stadt zeigte ihr Profil mit den schönen Türmen über der Brühlschen Terrasse. Dort war die Luft noch klar, aber über uns war es neblig und vor uns sogar ziemlich dunkel. Dabei wehte es einen feucht an; ich schnallte mein Plaid aus den Riemen. Als wir an den drei Schlössern vorbeidampften, konnte man die Stadt kaum noch sehen, und als wir Loschwitz erreichten, fing es an zu regnen; das heißt, es regnete eigentlich nicht, sondern ...

"Es nieselt egal ä bissel", sagte ein dicker Dresdener zu seiner Ehehälfte, die fragend den Kopf zur Kajütentüre heraussteckte.

Als wir bei Blasewitz anlegten, gingen die Neuankommenden gleich in die Kajüte hinunter, und die Damen verschwanden von dem nassen Verdeck. Nach und nach verzogen sich auch die Herren. Die traurige Wahrheit ließ sich nicht länger verbergen: es goß.

Ich steckte mir eine Zigarre an und ging in die Rauchkajüte, die voller Menschen war. Überall drehte sich das Gespräch um das Wetter. Ein langhaariger Professor, der seinen Frühschoppen trank, setzte einem Kreise andächtiger Zuhörer auseinander, daß, wenn es zu dieser Zeit und nach solcher Hitze zu regnen anfange, es dann bis September kein ordentliches Wetter mehr gebe. Unterdessen trommelte der Regen auf das Verdeck, bis das Trommeln in Platschen überging. Es wurde so dunkel, daß man sich in der unnatürlichen Finsternis wie geblendet fühlte. Durch die regennassen Fenster konnte man kaum die Gärten und die Weinterrassen am Ufer unterscheiden.

Als ich mit Rauchen fertig war, ging ich in den Salon. Dort fand sich kein leerer Platz mehr; außerdem war es da so beklemmend, daß ich mich nicht versucht fühlte, einen Feldstuhl herbeizuholen. Ich trat in den Vorderraum hinaus, wo die Treppe nach dem Verdeck hinaufführte. Hier hatte eine junge Dame mit zwei kleinen Mädchen Platz genommen. Ich nahm einen Feldstuhl vom Stapel, hüllte mich in mein Plaid und setzte mich der Treppe gegenüber.

Der frische, feuchte Luftzug war mir angenehm, obgleich er oft einen kleinen Sprühregen mit sich führte, dessen Tropfen in der Wolle des Plaids hängenblieben. Die obersten Stufen waren blank vor Nässe. In der Ecke einer schwarzen Plane, die über das Reisegut auf dem Verdeck ausgebreitet war, mußte eine Pfütze entstanden sein, denn es bildete sich dort fortwährend ein kleiner Springbrunnen.

Die junge Dame, die an der anderen Seite der Salontür saß, zog einen kleinen Band aus ihrer Tasche und vertiefte sich ins Lesen. Aber sie hatte nicht lange Ruhe, denn das kleinste der Mädchen, ein sehr geputztes Wesen mit blonden Locken, fing an zu wimmern, und obschon dies unter solchen Umständen vielleicht das natürlichste war, mußte die Gouvernante sie zurechtweisen. "Lisbeth will noch mehr erzählt haben", sagte das größere Mädchen, und die Kleine bestätigte diese Vermutung, indem sie nörgelte: "Weiter vom Peter! Weiter vom Peter!"

"Schäme dich doch vor dem fremden Herrn, Lisbeth!" flüsterte das junge Mädchen, "meinst du vielleicht, daß er etwas vom Peter hören will?"

Die Kleine lutschte seufzend an ihrem Zeigefinger und betrachtete mich mit großen, mißvergnügten Augen. Dieser Kinderblick, der so deutlich sagte: "Warum machst du nicht, daß du fortkommst?" setzte mich in nicht geringe Verlegenheit. Ich fühlte, daß meine Gegenwart lästig war, und fürchtete, die Lage noch schwieriger für die junge Erzieherin zu gestalten; sie wäre wohl froh gewesen, hier mit ihren verhätschelten Zöglingen allein zu sein. Ich machte deshalb Miene, sie von meiner Anwesenheit zu befreien, aber gerade jetzt warf mir das junge Mädchen einen schelmischen Blick zu - wie schelmisch, war ihr wohl kaum bewußt, der deutlich genug sagte, daß meine Ge

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