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Sie nannten mich 'Es' Der Mut eines Kindes zu überleben von Pelzer, Dave (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.03.2013
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Sie nannten mich 'Es'

Das Trauma einer Kindheit: Dave wird von der eigenen Mutter gequält und mißhandelt. Von blauen Flecken übersät und halb verhungert, fällt der Junge auf, weil er Mitschülern das Pausenbrot stiehlt. Bis seine Lehrer es wagen, gegen die Mutter einzuschreiten, vergehen Jahre. Es gelingt ihm, sich aus der Hölle zu befreien. Ein erschütternder Bericht, geschildert aus der Perspektive des kleinen Jungen, der uns alle mit der Frage konfrontiert, wie lange man die Augen vor elterlicher Gewalt verschließen darf. Dave J. Pelzer, hat sich die Bekämpfung von Kindesmisshandlung unter dem Motto "Hilfe zur Selbsthilfe" zur Lebensaufgabe gemacht. Seit Beendigung seines Dienstes bei der U.S. Air Force unterstützt er die Arbeit verschiedener Kinderschutzorganisationen. Nicht zuletzt durch das detaillierte Offenlegen der eigenen Erfahrungen leistet er einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung für dieses Thema in der ganzen Welt. Dave Palzer lebt mit seiner Frau Marsha, seinem Sohn Stephen und Schildkröte Chuck in Südkalifornien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 11.03.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641108632
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: A Child called 'It'
    Größe: 791 kBytes
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Sie nannten mich 'Es'

1.

Die Rettung

5. März 1973, Daly City, Kalifornien. Ich bin spät dran. Ich muss den Abwasch rechtzeitig fertig haben, sonst gibt's kein Frühstück. Und weil ich gestern Abend kein Abendbrot bekommen habe, muss ich sehen, dass ich etwas zu essen kriege. Mutter rennt herum und brüllt meine Brüder an. Ich höre, wie sie über den Flur in Richtung Küche eilt, und tauche die Hände schnell wieder in das kochend heiße Spülwasser - doch zu spät. Sie hat gesehen, dass ich die Hände nicht im Wasser hatte.

KLATSCH! Mutter verpasst mir eine Ohrfeige und ich lasse mich auf den Boden fallen. Ich weiß, dass es nichts bringt, dazustehen und den Schlag einfach so hinzunehmen. Durch leidvolle Erfahrung habe ich gelernt, dass sie darin eine Trotzhandlung sieht, was bedeutet, dass ich noch mehr Schläge oder, das Schlimmste von allem, kein Essen bekomme. Ich rappele mich wieder auf und weiche ihren Blicken aus, während sie mich anschreit.

Ich tue so, als sei ich eingeschüchtert und nicke zu ihren Drohungen. "Bitte", flehe ich stumm, "gib mir nur etwas zu essen. Schlag mich, aber lass mich nicht hungern." Sie schlägt noch einmal zu und ich knalle mit dem Kopf gegen die gekachelte Arbeitsfläche. Ich lasse Tränen vermeintlicher Unterwerfung über mein Gesicht kullern und sie stürmt, offenbar zufrieden mit sich, aus der Küche. Ich zähle ihre Schritte, um mich zu vergewissern, dass sie sich entfernt, dann seufze ich erleichtert auf. Der Trick hat funktioniert. Mutter kann mich schlagen, so viel sie will, aber sie kann meinen Willen, irgendwie zu überleben, nicht brechen.

Ich erledige den Abwasch und dann meine anderen Aufgaben. Zur Belohnung bekomme ich ein Frühstück - das, was einer meiner Brüder von seinen Frühstückscerealien übrig gelassen hat. Heute gibt's Lucky Charms. Es sind nur noch ein paar Krümel in einer halben Schale Milch übrig, aber ich schlinge alles, so schnell ich kann, hinunter, ehe Mutter es sich anders überlegt. Das ist schon öfter passiert. Mutter liebt es, Essen als Waffe einzusetzen. Sie ist nicht so dumm, Essensreste in den Mülleimer zu werfen. Sie weiß, dass ich sie später wieder raushole. Mutter kennt die meisten meiner Tricks.

Minuten später sitze ich im alten Kombi der Familie. Weil ich mit meinen Verrichtungen so spät fertig geworden bin, muss Mutter mich zur Schule fahren. Normalerweise renne ich zur Schule und schaffe es gerade noch, zum Unterrichtsbeginn da zu sein, sodass mir keine Zeit bleibt, etwas aus den Lunchboxen der anderen Kinder zu stehlen.

Mutter setzt meinen ältesten Bruder ab, aber mit mir fährt sie noch ein Stück weiter, um mir einen Vortrag über ihre Pläne für morgen zu halten. Sie wird mich zu ihrem Bruder bringen. "Onkel Dan wird sich um dich kümmern", sagt sie und lässt es wie eine Drohung klingen. Ich werfe ihr einen ängstlichen Blick zu, weil ich wirklich Angst habe. Doch ich weiß, dass mich mein Onkel, auch wenn er ein knallharter Bursche ist, sicher nicht so behandeln wird wie Mutter.

Noch bevor der Kombi ganz zum Stehen gekommen ist, mache ich, dass ich hinauskomme. Mutter pfeift mich zurück. Ich habe meine zerknitterte Lunchtüte vergessen, die seit drei Jahren jeden Tag das Gleiche enthält - zwei Erdnussbutterbrote und ein paar Möhrenstreifen. Ehe ich mich wieder verdrücken kann, befiehlt sie: "Sag ihnen ... Sag ihnen, dass du gegen die Tür gerannt bist." Dann fügt sie in einem Ton, in dem sie selten mit mir spricht, hinzu: "Schönen Tag noch." Ich schaue in ihre geschwollenen, blutunterlaufenen Augen. Sie hat immer noch einen Kater von der Sauferei von gestern Abend. Ihr einst schönes, glänzendes Haar ist jetzt nur noch eine verfilzte Mähne. Wie gewöhnlich trägt sie kein Make-up. Sie ist zu dick, und sie weiß es. Alles in allem ist dies mittlerweile Mut

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