text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Solang es Träume gibt Das Leben einer ostpreußischen Gräfin von Schulze-Lackner, Maja (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.01.2011
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
6,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Solang es Träume gibt

Ostpreußen Ende des 19. Jahrhunderts: Der finanzielle Ruin der Eltern bereitet dem unbeschwerten Leben Feodoras ein jähes Ende. Um das Gut ihrer Familie zu retten, lässt sie sich auf eine Zwangsheirat mit dem wohlhabenden, aber ungeliebten Heinrich von Harden ein. Doch sie verzweifelt nicht, sondern beginnt zu kämpfen, für ihr Leben und ihre Träume ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 365
    Erscheinungsdatum: 14.01.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838703107
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1784 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Solang es Träume gibt

1869

C arla von Harvich kuschelte sich, den warmen Schal fest um die schmalen Schultern gezogen, in ihren Sessel vor dem brennenden Kamin, die zierlichen Füße auf einem mit Petit-Point-Stickerei bezogenen Fußbänkchen. Ihr gegenüber saß ihr Mann Hanno in seinem Lieblingsfauteuil, in der einen Hand den Cognacschwenker und in der anderen die geliebte Havanna. Zu seinen Füßen lag Willi, sein Jagdhund. Franz, der alte Diener, hatte mehrere Petroleumlampen angezündet und sich dann leise zurückgezogen. Es war still in der behaglichen Bibliothek, nur das Knistern der trockenen Holzscheite und der pfeifende Ostwind, der an den Fensterläden rüttelte, waren zu hören. Ab und an gab Willi ein zufriedenes Schmatzen von sich.

Das Ehepaar hing seinen Gedanken nach. Hanno betrachtete seine Frau, die mit geschlossenen Augen vor sich hin träumte. Ein leises Lächeln umspielte ihre zarten blassroten Lippen. Offensichtlich waren es erfreuliche Gedanken, die ihr durch den Kopf gingen. Sie sieht immer noch reizend aus, meine Carla , dachte er zufrieden. Gottlob war sie auch nach fünfundzwanzig Jahren Ehe nicht zu einer Matrone mutiert wie so viele Frauen seiner Freunde. Er hasste dicke Frauen! Carlas dunkle, zu einer Hochfrisur aufgesteckten Haare durchzogen feine graue Strähnen, und wenn sie lachte, bildeten sich um ihre veilchenblauen Augen kleine Fältchen. Ansonsten sah man ihr die dreiundvierzig Jahre nicht an.

"Würdest du Schröder bitten, die Fensterläden zu befestigen", unterbrach Carla, ohne die Augen zu öffnen, die Stille. "Der grässliche Wind wird sie uns noch abreißen."

Schröder war der Verwalter ihres Gutes Buchenhain, Hannos Elternhaus, auf dem sie nun seit zwei Jahren wieder lebten, nachdem er seine Diplomatenlaufbahn beendet hatte.

"Ich werde es ihm gleich morgen früh sagen, Liebes, ich habe sowieso noch einiges mit ihm zu besprechen." Hanno nahm einen tiefen Zug von seiner Zigarre. "Danach fahre ich nach Königsberg. Ich habe einen Termin bei der Bank, und anschließend treffe ich Kölichen zum Mittagessen im Berliner Hof." Horst Kölichen war ein alter Studienfreund von Hanno und seit vielen Jahren sein Anwalt. "Möchtest du nicht mitkommen?"

"Ich weiß nicht ..." Carla fröstelte. "Das Wetter ist schrecklich ungemütlich."

Über Nacht war es Herbst geworden. Schon seit Tagen zogen die Vögel in großen Formationen gen Süden, und die riesigen alten Buchen, die dem Gut seinen Namen gegeben hatten, waren schon fast ohne Laub. Bald würden sie ganz kahl sein, und nicht lange danach der endlose ostpreußische Winter beginnen. Dann versank das Land im Schnee und das gesellschaftliche Leben in wochenlangem Tiefschlaf. Erst zu den Sau- und Hasenjagden würde es für kurze Zeit wieder erwachen.

Vielleicht sollte ich Hanno morgen doch begleiten , überlegte Carla schläfrig. Aber dann schweiften ihre Gedanken in die Vergangenheit, als ihr Mann als Diplomat des preußischen Königs in südlichen Ländern stationiert war. Rom, Madrid, Malta - herrlich war es dort gewesen, aufregend und fast immer warm. Und doch hatte sie manchmal Heimweh nach Ostpreußen verspürt, dem Land, in dem sie geboren und aufgewachsen war, vor allem nach dem Wechsel der Jahreszeiten, die nirgends so elementar und gewaltig über das Land hereinbrachen wie dort. Sie liebte das Frühjahr, das sich mit wilden Stürmen ankündigte und den Schnee in kurzer Zeit schmelzen ließ. Bald darauf kamen die Vögel aus dem Süden zurück, erst die Kiebitze und Stare, dann die Störche. Im Wald roch es nach Frühling, und das lichte Grün der Linden und Birken warf seine ersten Schatten. Wie sich die südlichen Landschaften mit ihren Zypressen, Pinien und Olivenbäumen von der endlosen ostpreußischen Weite mit den wogenden Feldern, durchsetzt mit Mohn- und Kornblumen, den Lindenalleen und Birkenhainen unterschieden! Ja, so manches Mal hatte sie sich danach gesehnt. Und doch war es ihr nicht leicht gefallen, nach den vielen Jahr

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen