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Tagebücher in Einzelheften. Heft 12 1914 von Mühsam, Erich (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.07.2014
  • Verlag: Verbrecher Verlag
eBook (ePUB)
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Tagebücher in Einzelheften. Heft 12

Erich Mühsam führte zwischen 1910 und 1924 Tagebuch. Er war Lyriker und Anarchist, Satiriker und Revolutionär und einer der führenden Köpfe der Münchener Räterepublik. In seinen Tagebüchern hat er sein Leben festgehalten - ausführlich, stilistisch pointiert, schonungslos auch sich selbst gegenüber - und niemals langweilig. Sie sind ein einmaliges zeitgeschichtliches Dokument. Die historisch-kritische Ausgabe der 'Tagebücher' wird seit 2011 von Chris Hirte und Conrad Piens herausgegeben. Sie erscheint in 15 Bänden als Leseausgabe im Verbrecher Verlag und zugleich als Online-Edition unter muehsam-tagebuch.de. Begleitend werden nun die 'Tagebücher' in Einzelheften' als E-Books veröffentlicht. Jedes Einzelheft dieser mitreißenden Tagebücher ist mit einem Register versehen und verschlagwortet. Die hier vorliegende Ausgabe ist das Heft 12. Erich Mühsam, geboren am 6. April 1878 in Berlin, war ein Dichter und politischer Publizist. Seit 1909 lebte er in München-Schwabing. Als Zentralfigur der Schwabinger Bohème war er befreundet mit Heinrich Mann, Frank Wedekind, Lion Feuchtwanger, Fanny zu Reventlow und vielen anderen. Mühsam war Mitarbeiter des Münchner Kabaretts und verschiedener satirischer Zeitschriften wie des Simplicissimus und der Jugend. Von 1911 bis 1919 gab Erich Mühsam in München die Zeitschrift Kain heraus. Er war maßgeblich an der Ausrufung der Münchner Räterepublik beteiligt, wofür er zu 15 Jahren Festungshaft verurteilt wurde. Als Sonderheft seiner Zeitschrift Fanal erschien 1932 kurz vor der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten seine programmatische Schrift Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat, mit dem Untertitel Was ist kommunistischer Anarchismus? versehen. 1933 wurde er verhaftet und am 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg von der SS-Wachmannschaft ermordet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 120
    Erscheinungsdatum: 03.07.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783957320537
    Verlag: Verbrecher Verlag
    Größe: 528 kBytes
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Tagebücher in Einzelheften. Heft 12

München, Sonnabend, d. 14. November 1914.

Rosi - so nennt sie sich in ihrem Skizzen-Tagebuch selbst - beherrscht meine Gedanken und Gefühle. Wie tief diese neue Bewegtheit geht, kann ich noch nicht wissen. Wie nah oder fern sie von meiner Liebe zu Jenny steht, erst recht nicht. Möglich, daß ich einmal durch Rosi von Jenny abgedrängt werde, möglich auch, daß Rosi mir eines Tages Zuflucht sein wird, wenn Jenny - was mir sehr möglich scheint - einmal von mir abrückt. Wahrscheinlich, daß Rosi Episode bleiben wird, da ich kaum glaube, daß ich ihr - selbst, wenn wir uns ganz nahe kommen sollten - mehr als Episode bedeuten werde. Vorerst braucht sie meine Hilfe. Ich soll ihr 200 Mark verschaffen bis zum 1. Dezember. Ob das möglich sein wird, ist mir ganz ungewiß. Jedenfalls will ich versuchen, mit dem Cohenau mich zunächst in schriftliche Verbindung zu setzen. - Gestern war ich in der Pension Haack, wo das Mädchen wohnt, und besuchte sie zugleich mit Frl. Lindemann in der letzteren Zimmer. Heut mittag waren wir im Stefanie beisammen und gehn abends ins Kino, wohin Halbe uns zu seiner "Tat des Dietrich Stobäus" einlud.

Halbe ist ein seltsamer Mensch. Ich riet ihm, seine Gedächtnisrede am Sarge Jacobis den Süddeutschen Monatsheften zu geben. Vorgestern rief er mich nun deswegen an und bat mich, ich möge bei Coßmann sondieren, ob die Arbeit erwünscht sei. Ich habe das nun also in Zug gebracht. Als ob Halbe auf meine Protektion angewiesen wäre! - Eben habe ich eine Karte mit dem Portrait Bernhard v. Jacobis zusammen mit seiner Feldpostkarte an mich zum Einrahmen gegeben. Ich will das Bild des Freundes in meinem Zimmer haben.

Der Krieg sieht im Westen für Deutschland täglich günstiger aus. Im Osten dagegen höchst gefährlich. Bei Eydtkuhnen und südlich davon ist, wie amtlich mitgeteilt wurde eine neue Schlacht im Gange. Demnach sind die Russen wieder genau so weit vorgedrungen, wie sie schon in den ersten Augusttagen waren. Die Österreicher haben indessen ihre Stellungen in Galizien den Russen wieder "vorübergehend freiwillig" geräumt. Alles lacht über diese Wendung. Ich habe die Frage aufgeworfen: Woran erkennt man ob es sich bei einem Rückzug um eine Flucht oder um ein strategisches Manöver handelt? Antwort: An dem, der es ausführt: Daß die Deutschen an der Marne, die Österreicher bei Lemberg und beide zusammen bei Jaroslaw mordsmäßig geschlagen wurden, darf bis zum heutigen Tage niemand sagen. Es waren lauter "strategische Rückzüge" - In diesen Dingen sind die Arbeiter ebenso vernagelt wie alle.

Gestern erschien nach langer Pause mal wieder Albert Reitze auf der Bildfläche. Er erzählte, daß Krapotkin ganz in der Art der französischen Patrioteska gegen die "deutschen Hunnen" wettere und Domela-Niewenhuis in einem Manifest gegen ihn Stellung genommen habe. Krapotkins Kundgebung sei dadurch veranlaßt worden, daß Pariser Anarchisten in der ersten Zeit des Kriegs, als ganz Frankreich mit Siegeslügen überschüttet wurde, gegen die Verwüstung Deutschlands protestierten und sich mit ihrem Protest auch an Krapotkin wendeten. Sie wurden durch ihn erst über den wahren Sachverhalt aufgeklärt. Ich schämte mich, als ich's hörte. Wollte ich eine Kundgebung gegen die Verwüstung Belgiens und Nordfrankreich veranlassen - was würde mir geschehn? Ich glaube, ich würde auf der Straße niedergeschlagen werden. - Die Schweizer Genossen sollen über Landauer und mich e

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