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Ziemlich bester Schurke Wie ich immer reicher wurde von Müller, Josef (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.07.2016
  • Verlag: fontis - Brunnen Basel
eBook (ePUB)
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Ziemlich bester Schurke

Müllers Buch ist nur auf den ersten Blick ein pralles Gangster-Epos. Wer genauer hinsieht, entdeckt ein Buch der Weisheit und Selbsterkenntnis: den Bericht eines reichen Mannes, der alles verlieren musste, um den wahren Reichtum zu finden.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 19.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783038485889
    Verlag: fontis - Brunnen Basel
    Größe: 6891 kBytes
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Ziemlich bester Schurke

1

Es stimmt, ich war ein Schurke

Zwischen mir und meinem Gesprächspartner am Telefon mochten gut und gern 3000 Seemeilen liegen. Aber die knappe, kalte Drohung, die der Mann aus sich herauszischte, schoss mir wie glühende Lava ins Ohr.

Am anderen Ende der Leitung befand sich einer, mit dem nicht zu spaßen war. Der Name des Mannes war Bruce. Es gab Zeiten, da hielt ich Bruce für einen "Good Guy", einen verrückten Hund, einen coolen Typen, einen Superkumpel, auch für einen Freund, oder was ich damals so "Freund" nannte.

Bruce war großzügig; er verbreitete internationales Flair um sich herum, und er sah nun wirklich nicht schlecht aus: jung, drahtig, erfolgreich. Man konnte prima mit ihm in Bars abhängen, die Weltpolitik kommentieren oder mit sündhaft teuren Motoryachten die küstennahe See durchpflügen. Zu den Ritualen gehörte auch, dass man permanent ein paar dieser parasitär herumhängenden Models startklar machte für die Nacht - und ab und an eine Nase Kokain miteinander teilte, wenn der Kick nachließ.

Jetzt drohte mir "mein Freund" mit einem Killer, den er mir ganz gewiss auf den Hals schicken würde, wenn ich nicht innerhalb kürzester Zeit eine hohe Summe seiner Millionen, die er mir anvertraut hatte, an seine Frau transferieren würde - Geld, das ich dummerweise gerade an der Börse verzockt hatte.

Die Illusion, dass es sich bei meinem Freund Bruce um einen soliden amerikanischen Geschäftspartner handelte, dem ich bei einer größeren interkontinentalen Geldtransaktion behilflich war, besaß ich schon lange nicht mehr. Bruce war einer der gesuchtesten amerikanischen Drogengangster. Und ich war sein Geldwäscher. Er war der Gangster, und ich war der ...

Ja, was war ich bloß? Ich ließ es in der Grauzone, denn ich wollte nicht darüber nachdenken, wer ich war und welches Mäntelchen ich mir umhängen müsste. Mein Dasein bestand aus einem Mix aus Sein und Schein, mit dem es sich prächtig leben ließ: Josef Müller, der vitale "Dreadnought", der Fürchtenichts und Kraftprotz im Rollstuhl, der es allen, allen, allen gezeigt hatte. Josef Müller, der clevere, unorthodoxe Geschäftsmann, der aus dem Nichts kam, aber einen untrüglichen Riecher für Geld und Erfolg besaß. Josef Müller, der Selfmademan, der ökonomisch durch jede Wand ging. Josef Müller, der Grandseigneur - Botschafter von Zentralafrika, Konsul von Panamá, Mann von Welt -, der sich aus kleinen Verhältnissen in Fürstenfeldbruck bei München in den internationalen Jetset hochgebeamt hatte. Josef Müller, der Genussmensch und Frauenliebhaber ...

So ungefähr sah mein Selbstbild aus. Identität konnte man das nicht nennen, denn ich war gar nicht bei mir. Ich lebte ein Puzzle von geliehenen Identitäten, in denen ich mich pausenlos spiegelte. "A Hund is er scho" - sagen die Bayern, wenn sie finden, dass jemand ganz besonders unangepasst, clever und stark ist. Ja, "a Hund" wollte er sein, der Müller! Den Daumen sollten sie heben, mit den Augen sollten sie zwinkern bei der Nennung seines Namens. Zwanzig Sekunden genügten, und der Hund kam auf den Hund.

Ich sackte in mich zusammen; ein Nervenbündel, dessen schweißnasse Hände einen Hörer umkrallten. Alles, was ich war und zu sein glaubte, wurde in einem Moment zerschossen. Zerschossen durch die zischende Stimme von Bruce, dem Drogenboss, zerschossen durch einen mysteriösen Anruf aus der Zelle des Hochsicherheitstraktes eines Gefängnisses in Florida.

"Bruce ist kein Killer ... Bruce ist doch kein Killer , he!, er doch nicht", beschwor ich mich selbst. Aber eigentlich hatte ich genug gesehen. Bruce agierte in einem Umfeld, in dem ein Menschenleben nichts zählte. Die diskrete Bande von Kubanern und anderen Latinos, die ihn, seine Familie und seine Freunde umgab, ob man sich nun am Pool, auf Reisen oder an der Bar befand, trug Waffen unter den Sakkos. Die geschniegelten Herrschaften dienten offiziell der Personensicherung, waren aber lebensgefährlic

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