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Die Orestie Agamemnon. Choephoren. Eumeniden von Aischylos (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.10.2016
  • Verlag: Reclam Verlag
eBook (ePUB)
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Die Orestie

Es beginnt mit einem Menschenopfer. Agamemnon tötet Iphigenie, deren Mutter tötet Agamemnon, der Sohn Orest tötet die Mutter. Eine ganze Familie bringt sich gegenseitig um: Sühne durch Rache. Bis jetzt. Orest wird nicht getötet, sondern vor ein Gericht attischer Bürger gestellt - der Fluch wird endlich gebrochen. 'Die Orestie des Aischylos behandelt auf höchst tragische und ästhetische Weise Grundfragen der menschlichen Existenz und gehört zu den tiefgründigsten Texten, die jemals geschrieben wurden' (Anton Bierl). A. C. Swinburn nannte sie 'die größte Leistung des menschlichen Geistes'. Bis heute wird die griechische Tragödientrilogie gerne aufgeführt. Der vielfach ausgezeichnete Übersetzer Kurt Steinmann hat sie nun neu übertragen, gewohnt präzise und nah am Original. Im Nachwort verortet der Basler Gräzist Anton Bierl die Orestie in der Kultur, Politik und Religion Athens, beleuchtet ihre dichterische Qualität sowie ihr Fortwirken bis ins 21. Jahrhundert.

Der Übersetzer: Der Luzerner Altphilologe Kurt Steinmann, geb. 1945, unterrichtete bis 2003 an einem Gymnasium. Seit den 1970er Jahren übersetzt er griechische und lateinische Werke ins Deutsche, darunter auch Stücke aller drei großen Dramatiker der griechischen Klassik, Aischylos, Sophokles und Euripides. Im deutschsprachigen Raum werden seine Übertragungen immer wieder auf die Bühne gebracht (u.a. Münchner Kammerspiele, Schaubühne Berlin).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 11.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783159611747
    Verlag: Reclam Verlag
    Größe: 598 kBytes
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Die Orestie

2. Epeisodion (489-680)

CHORFÜHRER.

Gleich werden wir erfahren, ob der hellen Fackelzeichen

flammende Signale und des Feuers Staffellauf, 490

was wirklich ist, vermelden, oder ob nach Traumes Art

dies Licht, das so erfreulich kam, bloß unsre Sinne trog;

dort seh ich von der Küste einen Herold nahn,

beschattet von des Ölbaums Zweigen; es bezeugt des Schlammes

Zwillingsbruder, trockner Staub, mir dies, 495

dass er nicht sprachlos bleiben, nicht vom Holz der Berge eine Glut

entfachen und durch Feuers Rauch Signale geben wird,

nein, mit seinen Worten wird er unsre Freude steigern, oder -

doch Rede, die dazu im Widerspruch, die hasse ich.

Zum Guten, das sich schon gezeigt, komm weitres Gutes noch hinzu! 500

Wenn einer aber fleht mit andrem Ziel für unsre Stadt,

so ernt er selber seines fehlgegangnen Geistes Frucht.

(Der Bote tritt auf.)

BOTE.

O Boden meiner Väter im Argeierland!

In des zehnten Jahres Lichtglanz kehrt' ich heute heim zu dir;

zerbrochen ist so manche Hoffnung, eine nur ward mir erfüllt: 505

Nie nämlich wagte ich zu träumen, hier in der Argeier Land

nach meinem Tod ein Grab zu finden, das mir allerliebst.

Jetzt, Erde, sei gegrüßt, gegrüßt der Sonne Licht,

des Landes Höchster, Zeus, auch und du, Pythos Herr -

nicht länger schleudre mit dem Bogen auf uns Pfeile, 510

genug warst du uns gnadenlos an des Skamandros Ufern,

jetzt dagegen sei uns wieder Retter und ein Gott, der heilt,

Apollon, Herr! Und alle Götter, die hier sind versammelt,

sie grüße ich, vor allem Hermes, meinen Schützer,

den lieben Herold, welchen jeder Herold hoch verehrt, 515

und euch, Heroen, Ahnengeister, die's geleiteten:

Nehmt freundlich wieder auf das Heer, das übrig ließ im Kampf der Speer.

O Hallen unsrer Könige, geliebtes Haus,

ehrwürdge Sitze und ihr Götterbilder, zugewandt dem Sonnenlicht,

wenn je zuvor, empfangt mit diesem strahlend frohen Blick 520

den König nach so langer Zeit, wie sich's gebührt!

Denn er ist da und bringt euch Licht in düstrer Nacht

und allen hier zugleich, er, Agamemnon, unser Herr.

So heißt denn freundlich ihn willkommen - denn so ziemt es sich -,

der Troja eingeebnet hat mit Zeus', 525

des Rachebringers, Karst, mit dem der Grund dort ist zerwühlt.

Es sind verschwunden die Altäre und die Götterbilder,

und des gesamten Landes Saat ist ausgemerzt.

Ein solches Joch hat er dem Nacken Trojas umgehängt,

der ältre Atreus-Sohn, der Herr, und kehrt als glücksverwöhnter Mann 530

zurück, von allen Menschen unsrer Zeit am meisten wert,

geehrt zu werden; Paris nicht, noch die mit ihm mitbüßt, die Stadt,

kann prahlen, ihre Tat sei größer als ihr Leid.

Denn der Entführung und des Diebstahls schuldig,

büßt' ein er seine Beute und zu völligem Verderben mähte 535

er nieder seiner Väter Haus zusammen mit dem Land:

So büßten doppelt ihren Rechtsbruch Priams Söhne.

CHORFÜHRER.

Freu dich, sei willkommen, Herold des Achaierheers!

BOTE.

O ja, ich freue mich; jetzt tot zu sein: Nicht länger widersetz ich mich den Göttern.

CHORFÜHRER.

Hat Sehnsucht dich nach diesem deinem Vaterland zermürbt? 540

BOTE.

So stark, dass meine Augen sich mit Freudentränen füllen.

CHORFÜHRER.

Erfreulich also war die Krankheit, die euch dort befiel?

BOTE.

Wie das? Nicht eh du's mir erklärt, begreif ich, was du sagst.

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